Pferdefleisch im Supermarkt: Verbraucher wurden getäuscht

Pferdefleisch-Skandal: Fakten-Check zum Fleischbetrug

CAVALLO Schlachtpferd-Transporte
Foto: www.8hours.eu
Wenig transparente Lieferwege, falsche Deklaration und leidende Schlachttiere: Beim Pferdefleisch-Skandal tappten die Ermittler lange im Dunkeln. Hier der Fakten-Check zum Fleischbetrug an europäischen Verbrauchern.

Diskussion zum Pferdefleisch-Skandal im CAVALLO Forum

Fakten-Check: Wo begann der Skandal um Pferdefleisch in Lebensmitteln?

In Großbritannien und Irland wurde im Januar 2013 in Tiefkühlburgern neben Rinderhack auch Spuren von Pferdefleisch gefunden. Betroffene Produkte, die bei Tesco und Iceland erhältlich waren, wurden in Deutschland auch bei Supermarktketten wie Aldi und Lidl aus dem Sortiment genommen. Wenig später wurde auch bei einer Tiefkühl-Lasagne von Fundus (ein Nestlé-Tochter) in Großbritannien Pferdefleisch nachgewiesen.

Inzwischen sind Verbraucher unter anderem in Deutschland, der Schweiz, Itlien oder Spanien betroffen. Lebensmittel aus der Dose oder als Tiefkühlfertigware enthielt Spuren von Pferdefleisch. Darunter: Bologenese-Saucen, Gulasch, Lasagne oder auch Chili con Carne. Laut letzten Meldungen aus Berlin soll auch Corned Beef, ohne dass so deklariert gewesen wäre, Pferdefleisch enthalten haben. Ebenso waren in Proben von Dönerfleisch in Berlin Spuren von Pferdefleisch gefunden worden.

Im April 2913 wird in Amsterdam ein Schlachter überführt, der das Fleisch von tausenden Pferden mit Rindfleisch vermischt habn soll. Wie im Internet berichtet wird, soll der holländische Fleischgroßhandel Willy Selten in 20 Prozent der untersuchten Proben Pferdefleisch gemischt haben. Es handelt sich am Ende um eine Gesamtmenge von 50.000 Tonnen Fleisch, die zurückgerufen wird. Der Fleischer hatte die Herkunft seiner Ware seit 2011 nicht dokumieren können. In Deutschland sind von dieser Rückrufaktion des Fleisches über 120 Betriebe betroffen.

Fakten-Check: Wie hat der Skandal deutsche Verbraucher erreicht?

Falsch deklarierte Produkte, die Pferdefleisch enthielten, waren bei den Supermarktketten Aldi, Lidl, Rewe oder Kaiser´s Tengelmann im Verkauf. Anhand der DNA der Tiere können Lebensmittelkontrolleure feststellen, welche Fleissorten in den Fertigpordukten enthalten sind. Manche der in Deutschland verkauften Fertiggerichte waren bis zu 50 Prozent aus Pferdefleisch.

In manchen Ländern gilt Pferdefleisch als delikat. In Deutschland ist Pferdefleisch, nach regelkonformer Schlachtung deutlich teurer als Rind oder Schwein. Der aktuelle Pferdefleisch-Skandal liegt in der Tatsache, dass die Fertiggerichte falsch ausgezeichnet waren. Den Verbrauchern wurde durch die fehlende Deklaration verschwiegen, dass die Produkte außer Rind- auch Pferdefleisch enthalten.

Sogar die beliebten "Köttbullar", die es bei IKEA gern nach dem Einkauf verdrückt werden sollen Pferdefleisch enthalten haben. Allerdings wurde dies nur in Tschechien nachweislich gefunden. Doch das europaweit agierende Einrichtungshaus hat sich entschlossen, den Verkauf der begehrten Hackbällchen in Shops und Restaurants von 24 Ländern zu beenden.

Video: Pferdefleischimporte in die Schweiz - Eine Recherche des Tierschutzbund Zürich

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Fakten-Check: Wie ist der Stand der Ermittlungen?

In ganz Europa werden derzeit Lebensmittelkontrollen durchgeführt, die falsch deklarierte Ware in Punkto Pferdefleisch ausfindig machen sollen. Doch Verbaucherschützer warnen: Lebensmittel-Skandale und der Betrug am Produkt lassen sich kaum vollständig aufdecken. Der Handel, sprich den Supermarktketten finden meist einen Weg, sich juristisch aus der Verantwortung zu ziehen. Was dem Verbraucher bleibt ist, bestimmte Produkte nicht mehr zu kaufen oder Supermärkte generell zu meiden und Lebensmittel anderweitig zu beziehen. Dies ist im Alltag meist schwer möglich.

Während die Politik über Maßnahmen diskutiert, wie mit den falsch deklarierten Fertiggerichten zu verfahren sei, haben die Anbieter der Ware längst gehandelt. Betroffene Supermarktketten haben die Fertigprodukte aus den Regalen genommen und entsorgt. Denn diese müssen - nach juristischem Sprech - aus dem Verkehr gezogen werden. Sprich: Unverkäufliche Ware landet in Großcontainern am Supermarkt, wird von Spezialfirmen abgeholt und zum Teil in modernen Biogasanlagen verbrannt. Die Idee einiger Politiker, die Produkte an Bedürftige zu verteilen, wäre ohnehin rechtlich gar nicht durchsetzbar.

Fakten-Check: Wie konnte der Pferdefleisch-Betrug passieren?

Ermittler haben bisher aufgedeckt, dass das Pferdefleisch auf verworrenen Produktions-, Verarbeitungs- und Lieferwegen in ganz Europa in Supermarktregale gelangen konnte. Das Fleisch von Pferden, die in Rumänien geschlachtet wurden, gelangten als Rindfleisch etikettiert bis in die Niederlande in den Handel. Die Umdeklarierung des Fleischs hatte den Betrug erst spät auffliegen lassen.

Fakten-Check: Welche Konsequenzen ergreift der Handel um Verbraucher zu schützen?

Die Supermarktkette Rewe hat angekündigt, für die Produktion ihrer Eigenmarken-Produkte nur noch Fleisch aus Deutschland zu beziehen. Grundsätzlich sprechen sich die Händler für bessere Kontrollen der Handelswege und der Produktion aus.

Fakten-Check: Ist Pferdefleisch ungesund?

Beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) laufen die Ergebnisse aller Ermittlungen zusammen, denn die Lebensmittelkontrolle ist Ländersache. Da es sich bei den falsch deklarierten Produkten um Fertiggerichte handelte - egal ob tiefgekühlt oder aus der Dose - steht fest, dass diese vorher gekocht und damit Keime vor dem Verzehr schon abgetötet wurden.

Für Pferdefleisch gelten strenge Auflagen. Ebenso wie bei Rind, Schwein oder Huhn. Nur werden Pferde nicht industriell zum Verzehr gezüchtet. Sie werden geschlachtet, wenn sie laut dem zugehörigen Pferdepass der Lebensmittelverarbeitung zukommen sollen. Das bedeutet aber auch, dass sie als Sport- oder Freizeitpferde nur mit zulässigen Arzneimitteln behandelt werden dürfen. Das Fleisch muss frei von Rückständen sein.

Im aktuellen Pferdefleisch-Skandal wurden in Fleischproben bereits Spuren von Phenylbutazon gefunden, das bei Pferden als Entzündungshemmer verwendet wird.

Diskussion zum Pferdefleisch-Skandal im CAVALLO Forum

25.02.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / Diana Maier
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