Pferdegewicht: Hat mein Pferd eine Traumfigur?

Einfluss der Knochen auf Gewicht noch unklar

Ein bemuskeltes, schlankes Pferd wünscht sich jeder Reiter. Was Größe und Gewicht des Pferds aussagen und woran sich Reiter orientieren können, erfahren Sie hier. Plus Richtwerte beim Normalgewicht von Pferden!

 

CAVALLO Pferdegewicht
Foto: Lisa Rädlein Kilo-Quiz: Schätzen Sie mal: Was wiegt dieses Pferd?
Alter: 13 Jahre
Rasse: Holsteiner
Größe: 1,79 m

Was beim Gewicht noch eine Rolle spielen könnte, sind die Umfänge von Kiefer und Röhrbein. Das vermutet zumindest Expertin Constanze Röhm. Warum? Das wird deutlich, wenn man einen Tinker und einen Araber vergleicht. „Der Tinker hat doppelt so breite Beine. Er kann bei gleicher Größe durchaus 80 Kilo mehr wiegen als ein Araber und ist trotzdem nicht dick.“ Constanze Röhm nimmt an, dass das Pferd schwerer wird, wenn auch die Knochen größer und schwerer werden – wie bei Tinkern. „Ein großer, breiter Knochen wiegt mehr als ein zierlicher.“ In den Daten, die sie auswertete, gab es allerdings zu wenig Angaben zu den Umfängen von Röhrbein und Kiefer. Ihre Vermutung konnte sie daher nicht belegen. „Mit einer größeren Datenanzahl könnte man hier vielleicht mehr herauslesen.“

Große Pferde haben große Knochen – wiegen sie dann automatisch mehr als kleinere Pferde derselben Rasse? So einfach ist die Rechnung nicht. „Stockmaß und Gewicht sind nicht linear voneinander abhängig“, sagt Constanze Röhm. Das heißt: Ist Pferd A zehn Zentimeter größer als Pferd B, nimmt es nicht auch im gleichen Umfang an Gewicht zu. „Man kann nicht sagen, dass pro zehn Zentimeter mehr an Körpergröße automatisch ein fixes Gewicht dazu kommt.

Das Gewicht hängt auch von Fett und Muskeln ab.“ Ein Beispiel dafür sind die beiden großen Wallache aus dem Stuttgarter Stall. In der Größe unterscheiden sie sich um fünf Zentimeter, die Waage zeigt bei beiden bis aufs Kilo genau das gleiche Gewicht an. Und das, obwohl sich die zwei Wallache im Aussehen – der eine runder, der andere schlank – deutlich unterscheiden.

Der grazile Wallach sollte etwa 30 bis 40 Kilo zunehmen, so der Rat von Constanze Röhm. Dafür ist regelmäßiges Wiegen unverzichtbar. Beim Wiegen zeigt sich, ob ein Pferd erfolgreich zu- oder abgenommen oder sein Gewicht gehalten hat. Auch eine individuell auf das Pferd abgestimmte Ration von Futter und Nährstoffen lässt sich nur berechnen, wenn der Reiter das genaue Gewicht kennt. Für die exakte Dosierung von Medikamenten oder Wurmkuren ist das Gewicht genauso wichtig wie beim Transport. Mit zwei schweren Pferden im Pferdehänger werden das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers und die erlaubte Anhängelast des Autos recht schnell überschritten.

Wer das Gewicht seines Pferds Pi mal Daumen schätzt, liegt schnell daneben. Das zeigte ein CAVALLO-Experiment mit 76 Pferden im Jahr 2001: Die Besitzer lagen um bis zu 200 Kilo neben dem tatsächlichen Gewicht. Rechnen mit der Gewichtsformel (Brustumfang mal Brustumfang mal Körperlänge, geteilt durch 11 900) ist ebenfalls keine Lösung. Beim Test im Jahr 2001 lagen das berechnete und das gewogene Gewicht teils um über 100 Kilogramm auseinander.

Die Daten der Pferde stellten CAVALLO freundlicherweise die Pferdewaagenbetreiber Klaus Finke und Jeanette Jünemann zur Verfügung. Beide kommen auch gerne zu Ihnen, um Ihre Pferde zu wiegen.

Kontakt:
Pferdewaage Klaus Finke
50226 Frechen
www.pferdewaage-klausfinke.de

Mobile Pferdewaage Jeanette Jünemann
48149 Münster
www.pferdetherapieplus.de

Mit dem Body-Check können Sie wichtige Körperwerte Ihres Pferds dokumentieren. Kostenloses Formular - hier zum Download!


29.01.2014
Autor: Barbara Forro
© CAVALLO
Ausgabe Dezember 2013 /2013