Wenn Pferde schwitzen: Darauf müssen Reiter achten - Gesundes Schwitzen

Schweiß als Zeichen von Stress und Unbalanciertheit

Armgard von der Wense führt in der Nähe von Uelzen in Niedersachsen eine Pferdepraxis für Equine Thermografie und erkennt mit einer Wärmebildkamera genau, wo Pferdemuskeln arbeiten.

 

Foto: Kuczka Unter Stress schwitzen Pferde sehr stark, vor allem am Hals. Die Hinterhand dieses Pferds ist fast trocken.

"Wo Muskeln arbeiten und warm werden, ist die Durchblutung erhöht", erklärt sie. Diese Stellen sind auf dem Thermografiebild rot zu erkennen. Wo die Durchblutung erhöht ist, wird das Pferd früher oder später schwitzen.

"Sonne und Feuchtigkeit sind allerdings für die Thermografie nicht gut, sie verfälschen die Bilder. Schweiß ist daher bei thermografischen
Aufnahmen ungünstig." Interessante Beobachtungen machte von der Wense bei Thermografieaufnahmen während der Dual-Aktivierung von Pferden, die bei diesem Training alle Muskeln einsetzen müssen. "Pferde, die durch die Dual-Gassen liefen, hatten gleichmässigere Thermografiebilder als andere Pferde", sagt von der Wense. "So hatte man die Balance zwischen Vorder- und Hinterhand direkt vor Augen."

Das bestätigt der bayerische Ausbilder Michael Geitner, der seine Schüler während der Dual-Aktivierung grundsätzlich dazu animiert, die Wärmeentwicklung des Pferds mit dem Handrücken zu überprüfen. "Es gibt Pferde, die brauchen kaum Energie zum Arbeiten. Sie gehen zwar schön, und man hat den Eindruck, dass sie arbeiten. Kontrolliert man aber mit
dem Handrücken die Wärme, ist die Hinterhand oft noch kalt", sagt Michael Geitner.

"Pferde, die im Gleichgewicht sind, schwitzen kaum und zeigen höchstens an der Bauchmuskulatur und an den Flanken Schweißflecken", beobachtet er und beschreibt das Schweißbild von unkoordinierten Pferden, die mit der Dual-Aktivierung erst beginnen: "Diese Pferde schwitzen vor allem am Hals, weil sie viel mehr Energie benötigen und noch nicht ausbalanciert sind."

Das bestätigt Armgard von der Wense, die ungleichmäßige Wärmebilder auch bei Pferden findet, die sich nicht richtig erwärmen: "Solche Pferde arbeiten nicht mit der Hinterhand, sondern kompensieren das und arbeiten mit dem Nackenband."

Da die Wechsel zwischen Rechts und Links bei der Dual-Aktivierung das Pferd wesentlich intensiver fordern als beim bloßen Longieren, ist die Wärmeentwicklung beim Reiten durch Dualgassen insgesamt stärker, sobald sich das Pferd ausbalanciert hat.

Dr. Ulrike Thiel, Trainerin, Dressur-Richterin und Begründerin des Instituts für Hippische Sportpsychologie und Equitherapie "Hippocampus" aus dem niederländischen Soerendonk, erkennt an Schweißflecken sogar auf Anhieb, ob das Pferd unter
Stress leidet.

"Werden Pferde nicht korrekt gearbeitet, schwitzen sie an den falschen Stellen", sagt sie. Vor rund vier Jahren stellte die Trainerin in einer Studie an etwa 60 Pferden anhand von Videoaufnahmen und Fotografien fest, dass Pferde unter Stress an anderen Stellen schwitzen statt unter dem Sattel und zwischen den Hinterbeinen.

"Bei der Schweißbildung muss man auf die Verteilung achten", erklärt Dr. Thiel. "Gestresste Pferde schwitzen extrem am Unterhals und in der Lendengegend, sonst nicht." In diesem Fall arbeitet nicht die Oberhals-, sondern die Unterhalsmuskulatur. "Die sollte eigentlich ganz lokker sein. Die Muskeln des Oberhalses sollen arbeiten, und da darf das Pferd auch schwitzen."

Pferde, die geflext werden, schwitzen auch stark an der Schulter. "Das liegt daran, dass die Vorhand mehr in Aktion ist", erklärt Dr. Thiel.

Schaum zwischen den Hinterbeinen findet sie dagegen bedenkenlos. "Das würde ich nicht als reines Zeichen von Stress interpretieren. Das passiert schnell, vor allem im Sommer, wenn die Pferde noch mehr schwitzen."

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Abschwitzdecken Foto: Lisa Rädlein
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Abschwitzdecke Foto: CAVALLO
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30.09.2008
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 02/2008