Zeitgemäße, selektive Wurmkur: So entwurmen Sie richtig

Die richtige Wurmkur zur richtigen Zeit

Experten-Tipp: So entwurmen Sie richtig
Foto: Rädlein
Leserin Kathrin Nehls hat von der zeitgemäßen, selektiven Entwurmung gehört und möchte wissen, wie sie diese als Einstellerin im Pensionsstall umsetzen kann. Gesundheits-Experte Dr. Albert Raith weiß, worauf sie achten muss.

Häufig wird in den Ställen noch so entwurmt wie vor Jahrzehnten: Die Pferde bekommen prophylaktisch mehrmals im Jahr eine Wurmkur. Es wird nicht kontrolliert, ob die Tiere überhaupt Würmer haben. Mögliche Folge: Ihr Pferd hat die Paste umsonst geschluckt – weil es kein Problem mit Würmern hat oder weil es danach immer noch Würmer hat.

Denn immer mehr Parasiten überleben. Gegen die Würmer gibt es nur vier verschiedene Wirkstoffe. Da die Würmer so immer wieder mit dem gleichen Medikament in Kontakt kommen, entwickeln sie Resistenzen. Deshalb empfehlen Fachleute seit 2010 die zeitgemäße, selektive Entwurmung. Wissenschaftler entwickelten einen Wurmkurplaner, der erstmals in CAVALLO veröffentlicht wurde (Download des aktuellen Plans unter www.cavallo.de/wurmkur.

Zeitgemäße, selektive Wurmkur

Auch wenn Ihr Pferd in einem Pensionsstall steht, können Sie es zeitgemäß selektiv entwurmen. Sie kontrollieren durch Kotproben, ob Ihr Pferd unter Würmern leidet.

Die Proben schicken Sie an ein Veterinärmedizinisches Parasitologisches Labor. Mit dem Sedimentations-Flotations-Verfahren wird ermittelt, von welchen Wurmarten Ihr Pferd befallen ist – häufig kleine Strongyliden, aber auch Band- oder Spulwürmer. Das Analyseverfahren Mc Master zeigt, wie viele Wurmeier pro Gramm Kot ausgeschieden werden. Sind das mehr als 200, wird Ihr Pferd gezielt mit dem entsprechenden Wirkstoff behandelt. Dieser Schwellenwert gilt jedoch nicht für alle Wurmarten. Beim Spulwurm liegt er schon bei einem Ei pro Gramm Kot.

Musste Ihr Pferd entwurmt werden, schicken Sie zwei Wochen später zur Kontrolle wieder eine Kotprobe ein. Der Eizahl-Reduktionstest (EZRT) bringt Klarheit, ob das verwendete Entwurmungsmittel wirksam war. Haben Würmer überlebt, wird mit einem anderen Wirkstoff nachbehandelt.

Im ersten Jahr werden vier Kotproben analysiert. Bleibt das Pferd immer unter dem Schwellenwert, muss es in den Folgejahren nur noch jeweils zweimal kontrolliert werden. Übrigens müssen nur etwa ein Drittel der Pferde gegen Würmer behandelt werden. Betroffen sind vor allem junge und ältere Tiere.

Was Sie noch tun können, um Wurmkuren zu vermeiden

Wenn Sie die Weide ein- bis zweimal in der Woche abmisten und Geilstellen ausmähen, können Sie die Wurmpopulation gut eindämmen. Versuchen Sie, die Besitzer der Koppelkumpel Ihres Pferds zu überzeugen, ebenfalls kontrolliert zu entwurmen. Denn schon ein einziger hoher Wurmausscheider innerhalb einer Pferdegruppe kann die Weide stark verunreinigen.

Wir hoffen deshalb, dass noch mehr Pferdepensionsbetriebe ihre Entwurmungspraxis überdenken. So würden nicht nur Würmer wirkungsvoll bekämpft. Auch Aufwand und Kosten für jeden Pferdebesitzer wären deutlich geringer. Und letztendlich würde auch das Risiko für Resistenzen minimiert.

21.07.2017
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 06/2017