Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

So enstehen Fell- und Farbvarianten

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Fohlen 2012
Foto: Keranen_privat Fohlen haben oft ein lockiges Haarkleid.

Junge Fohlen haben, unabhängig von der Rasse, oft lockiges Haar. Allerdings ist die wollige Pracht schnell hinüber. „Im Lauf des Wachstums entstehen neue Fibroblasten, die wieder für runde Haarfollikel sorgen“, sagt Professor Meyer. Obwohl Hautzellen seit 65 Millionen Jahren nach einem ererbten Programm funktionieren, wurden sie durch Mutationen ständig verändert. So wich die Einheits-Haut des Wildpferds Dutzenden von Fell- und Farbvarianten, während der Mensch auf das Pferd kam. Seit er Rösser züchtet und der Natur ins Erb-Werk pfuscht, nehmen auch Haarwirbel zu. Deren Zahl und Sitz sind so unverwechselbar wie ein menschlicher Fingerabdruck. Wirbel gelten deshalb, zusammen mit Abzeichen, seit neuestem im Equidenpaß als Kennzeichnungs-Alternative zu Brand oder Chip.

In der Natur dienen Wirbel einem biologischen Zweck: Sie sitzen dort, wo der Haarstrich seine Richtung ändert. So verlaufen die Haare am Rücken von vorn nach hinten, an den Beinen von oben nach unten. Dadurch funktioniert das Fell wie ein angeborener Regenmantel, leitet Wasser ab und verhindert außerdem, daß sich das Fell gegen den Wind sträubt, wenn das Pferd rennt. Was allerdings manchmal hinter Wirbeln vermutet wird, hält keiner wissenschaftlichen Untersuchung stand. „Ansichten wie im Mittelalter“, kommentiert Professor Meyer knapp die Meinung, aus Wirbeln den Charakter eines Pferds ablesen zu können.

Es gibt noch mehr Märchen über die Haut und ihre verhornten Anhängsel, Haare und Hufe. So sollen Beine mit Abzeichen und hellen Hufen anfälliger für Krankheiten sein – doch das bestätigte sich bisher nur hinsichtlich der Sonnenempfindlichkeit.

Professor Meyer macht auch dafür Programmstörungen in den Zellen verantwortlich. „In der rosafarbenen, unpigmentierten Haut unter weißen Abzeichen fehlt schützendes Melanin, weil die Pigmentzellen dort defekt sind.“ Solche weißen Beine sind anfälliger für Blasen und Krusten, wenn das Pferd in der Sonne steht. Der englische Forscher Tony Stannard gab dem Leiden den unaussprechlichen Namen „Leukocytoclastic-photoaggravated pastern dermatitis“, weil er vermutet, daß diese Fessel-Dermatitis durch UV-Licht und Immunreaktionen ausgelöst wird. Ärger mit solchen Sensibelchen, die sofort Sonnenbrand bekommen, könnte man sich sparen, findet Tierheilpraktiker Ulrich Becker aus Neunkirchen. „Kommt weg von unpigmentierten Pferden“, empfiehlt er den Züchtern, „aber sie lassen sich ja von Heilpraktikern nichts sagen.“ So werden eben weiterhin schicke breite Blessen oder modische Cremellos gezogen.

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Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000