Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Wie kommt es zu Krankheiten der Pferdehaut?

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Rädlein
Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Redaktion CAVALLO Die Pferdehaut ist neben der Witterung auch Bakterien, Pilzen und Insekten ausgesetzt.

Das Corpus delicti fühlt sich etwas schmierig an, ist unten grün und sträubt die Haare wie ein Malerpinsel. Es ist nur ein Fitzel krankes Fell – aber ein wichtiges Puzzleteil für den Tierarzt, der sich ein Bild vom Leiden eines Pferds macht. In diesem Fall prasselte täglich Regen auf dessen Haut und machte daraus ein weiches, feuchtwarmes Bett für Bakterien.

Solche Winzlinge mit dem exotischen Namen Dermatophilus congolensis sind nicht die einzigen, die das größte Organ des Pferds täglich auf die Zerreißprobe stellen. An der Haut nagen zig andere Bakterien, Pilze, Insekten, dazu Sonne und Regen. Die Haut ist Aufprallschutz, Klimaanlage und Wärmedämmung; ihre Hornschicht bildet Haare und Hufe; ihre Drüsen verströmen Düfte, mit denen Pferde kommunizieren. Zudem speichern spezielle Depots Fett und Pigmente, die faszinierende Farbmuster ins Fell malen und UV-Strahlen abschirmen. Alle diese Schutzdienste lassen kaum eine Haut auf Dauer heil. Besonders strapaziert wird sie bei Pferden, die unter freiem Himmel leben – der Nachteil einer artgerechten Haltung. „Offenstallhaltung begünstig Infektionen wie Dermatophilose. Daran leiden immerhin zehn von hundert Pferden mit Hautproblemen“, sagt Professor Karl Heinz Böhm, Mikrobiologe an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Er entdeckte 1993, daß Dermatophilus congolensis nicht nur in den Tropen vorkommt, wie lange geglaubt. Auch im naßkalten Deutschland befällt es immer mehr Bestände – am liebsten auf Paddocks und Weiden. Die an sich ja pferdefreundlichste Wohnform läßt die Haut häufig im Regen stehen.

Carola Bromberg erfuhr dies bei ihrem sechsjährigen Wallach, dem Trakehner-Traber-Mix Cash. „Nach der Umstellung in den Offenstall begann das Drama. Der Sommer war verregnet, im Herbst wuchsen Knubbel auf dem Rücken“, erzählt die Holsteinerin aus Hohenlockstedt. „Ein Pilz“, meinte der erste Tierarzt – der übliche Schnellschuß, wenn Pferde Haare lassen. „Praktiker neigen dazu, bei Haut- und Fellveränderungen auf Pilze oder Milben zu schließen“, beobachtet Dr. Gerhard Loesenbeck, der im Bad Kissinger Tiermedizin-Labor Laboklin Hautproben analysiert. Je schneller die Diagnose, desto falscher ist aber oft die Behandlung.

Cash wurde alle drei Tage mit pilztötenden Shampoos gewaschen, dann verlor er das Fell bis zur Schweifrübe und hinunter zu den Beinen. Ein zweiter Veterinär vermutete Stoffwechselstörungen und empfahl, mehr zu reiten – Cash müsse schwitzen und kräftig gestriegelt werden.

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000