TTouch für Pferde: Linda Tellington-Jones im Porträt

TTouches motivieren vom Sattel aus

Linda Tellington-Jones, die mit ihrem Mann auf Hawaii lebt, hat die weltberühmten TTouches für Pferde erfunden. Ihr internationaler Durchbruch begann in Deutschland 1975 auf der Pferdemesse Equitana in Essen. CAVALLO stellt ihr Trainingsmethode vor.

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CAVALLO Linda Tellington-Jones Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Linda Tellington-Jones Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Linda Tellington-Jones Foto: Udo Schönewald

 

CAVALLO Linda Tellington-Jones
Foto: Udo Schönewald Mit einer Hand am Schweif und dem Daumen zwischen den Rippen gibt Linda Tellington-Jones dem Pferd eine Idee davon, wie es sich biegen soll.

Auch im Sattel können Sie anhand der TTouches zugreifen. Linda Tellington-Jones erinnert die bewegungsfreudige Zarin daran, den Kopf tiefer zu nehmen und im Genick nachzugeben: Sie beugt sich nach vorne und drückt sanft mit den Fingerkuppen hinter den Ohren. Die Fuchsstute gibt nach. Zwischendurch berührt die Reiterin das Pferd immer wieder mit kreisenden Bewegungen hinterm Sattel. „Das aktiviert die Hinterhand“, sagt Linda Tellington-Jones, die hoch zu Ross immer noch so geschmeidig sitzt wie mit 30 Jahren.

Zur Wirkung der TTouches gibt es mittlerweile eine Reihe Untersuchungen und wissenschaftliche Arbeiten. Studien von Neurologen zeigen beispielsweise, dass die Eineinviertel-Kreisbewegungen des TTouches Gehirnwellen bei Menschen und Pferden aktivieren, wie sie in einem idealen Lernzustand entstehen – sowohl bei demjenigen, der behandelt wird, als auch bei dem, der die TTouches ausführt. Andere Messresultate lassen den Schluss zu, dass der TTouch auch auf Zellebene wirksam ist und etwa die Heilung von Wunden fördert. Forscher der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Bari/Italien fanden aktuell heraus, dass Sportpferde bei 20-minütiger Anwendung Stresshormone abbauten und sich eher entspannten als bei Massage oder Putzen.

Wer Linda Tellington-Jones live erleben möchte, kann das auf einem ihrer Kurse, Vorträge oder Vorführungen. Sechs Monate ist die 75-Jährige, die schon über eine halbe Million Bücher verkauft hat, weltweit auf Achse. Ans Aufhören denkt sie nicht. „Ich will 104 Jahre alt werden – so lange reisen und lehren, wie ich noch lernen kann“, sagt sie und erkundigt sich in ihrer entwaœ nenden Art, ob die Frisur noch sitzt. „Ich mag keine zerrupften Haare.“

Nach dem Reiten steckt sich Linda Tellington-Jones eine Blüte ins Haar, die zuvor noch am Cowboyhut pinnte. Was bei anderen albern wirkt, macht die Trainerin nur noch zauberhafter. Ihre Methode ist allerdings kein Hexenwerk. Mit ein wenig Gefühl kann jeder Reiter die TTouches lernen. Und mit den magischen Kreisen nicht nur für Wohlfühl-Momente sorgen, sondern auch die Intelligenz und das Vertrauen seines Pferds aufbauen.


01.09.2013
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe Juli 2013/2013