Wo lahmt mein Pferd? Lameness Locator hilft Reitern

Tierärzte erkennen Lahmheiten nicht

Läuft das Pferd nicht rund, stehen Reiter und Tierarzt oft vor einem Rätsel. Welches Bein ist lahm? Jetzt gibt es Hilfe: Drei kleine Würfel setzen dem Ratespiel ein Ende.

 

CAVALLO Lameness Locator Lahmheit Medizin
Foto: hfr_privat Drei Sensoren spüren Lahmheiten zuverlässig auf: Die Würfel stecken voll Hightech und wiegen nur jeweils etwa 30 Gramm. Sie werden an Kopf, Vorderbein und Kruppe befestigt.

Erfunden hat dieses clevere Hilfsmittel der amerikanische Pferdetierarzt Professor Kevin Keegan von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Missouri. Seit über zwanzig Jahren beschäftigt er sich mit dem Gangbild gesunder sowie kranker Tiere. Dafür untersuchte er auch unzählige Pferde nach der klassischen Methode, bei der das Tier vom Besitzer vorgeführt wird und der Doc die Bewegung mit bloßem Auge analysiert. Doch das stellte ihn nie zufrieden, da es dabei immer wieder zu falschen Diagnosen kommen kann. „Viele Lahmheiten bleiben sogar gänzlich unerkannt und werden nie behandelt“, sagt Kevin Keegan. „Das kann dazu führen, dass der Besitzer sein Pferd früher in Rente schicken muss als eigentlich nötig.“

Man kann Tierärzten keinen Vorwurf machen, dass sie manche Lahmheit nicht sofort bemerken oder auch mal eine falsche Vermutung äußern. Irren ist menschlich und in vielen Fällen nur bedingt abhängig davon, welche Ausbildung der Doc absolviert hat. Der entscheidende Faktor sind unsere Augen. Sie sind von Natur aus schlichtweg zu langsam für solche komplexen Analysen, da sie bloß 14 bis 18 Bilder pro Sekunde wahrnehmen und verarbeiten können. Eine Hochgeschwindigkeitskamera belichtet hingegen rund eine Million Bilder pro Sekunde.

Stellt sich die Frage, warum Tierärzte nicht routinemäßig jedes Pferd beim Vortraben filmen und danach das Video im Zeitlupentempo analysieren. Prinzipiell ist das eine gute Idee, jedoch beansprucht das viel Zeit, und die Interpretation bleibt nach wie vor dem menschlichen Auge überlassen. Sinnvoller ist es, ein Computer übernimmt die Analyse, überlegte sich der technikinteressierte Tierarzt Kevin Keegan vor einigen Jahren und fing an zu tüfteln.

„Ich suchte nach einer objektiven Methode, Lahmheiten aufzuspüren.“ Mit vielen seiner Kollegen konnte er über das Projekt nicht sprechen. „Sie schüttelten darüber nur den Kopf“, berichtet Keegan. Doch das ließ ihn kalt. Durch Zufall traf er eines Tages drei japanische Technik-Experten. „Sie verstanden mich und mein Problem“, sagt Keegan. Fortan bastelten sie gemeinsam am Lahmheits-Detektor. Inzwischen ist das Gerät wissenschaftlich geprüft, in der Praxis getestet und wird über die Firma Equinosis vertrieben.

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11.07.2014
Autor: CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012