Wurmkur fürs Pferd: Selektive Entwurmung und Weidehygiene

Entwurmungsplan für Pferde

Foto: Jeff Rogers
Mit dem Parasiten-Planer entwurmen Reiter ihre Pferde jetzt gezielt und effektiv. Die vorbeugende Wurmkur für Pferde ist ausgelutscht. Plus: Entwurmungs-Plan für Pferde!

Die Taktik gegen Parasiten: Mit diesem Entwurmungs-Plan startet Ihr Pferd gesund in die Weidesaison! Die selektive Entwurmung beim Pferd beginnt im ersten Jahr mit dem Einstieg in das nachhaltige Parasiten-Programm. Wichtig: Alle im 1. Jahr erarbeiteten Untersuchungs-Ergebnisse sind unerlässlich für die ab dem 2. Jahr für den jeweiligen Bestand entwickelte Strategie einer selektiven Wurmbekämpfung.

1. Untersuchung aller Pferde des Bestands mittels McMaster-Verfahren im April. Bedingung für Aussagekraft dieses Tests: Letzte reguläre Entwurmung war vor mindestens 12 Wochen!

Erwartete Aussage:
a) Kenntnis darüber, wie viele Pferde des Bestands tatsächlich Ausscheider von Wurmeiern sind.
b) Kenntnis der Höhe der Eiausscheidung (Anzahl Eier pro Gramm Kot = EpG) der Wurmei-positiven Pferde.
c) in großen Beständen: Kenntnis des restlichen Wurmspektrums.
d) in kleinen Beständen (weniger als 10 Pferde): Kenntnis des Wurmspektrums. Zusätzlich kombinierte Sedimentations-Flotations-Methode notwendig.

2. Welche Wurmkuren wirken im Bestand? Test nach Kenntnis der Ergebnisse von 1.
Durchführung des Wirksamkeitstests (Eizahlreduktionstest, siehe unten) bei allen Pferden eines Bestands, die mehr als 200 EpG Strongylideneier bzw. Spulwurmeier ausscheiden.

a) Entwurmung mit einer Wirkstoff-Gruppe (z.B. Pyrantel) nach Körpergewicht und genauer Dosierung.
b) Untersuchung einer Kotprobe 14 bis 21 Tage nach der Entwurmung.
c) Bei der nächsten Entwurmung andere Wirkstoff-Gruppe verwenden und wieder testen.

Kotuntersuchung (McMaster-Verfahren) 14 bis 21 Tage nach Entwurmung; anschließend Berechnung der Wirksamkeit nach der Formel (EZRT): Benzimidazol-Präparate und Pyrantel-Präparate gelten als wirksam gegen Strongyliden falls Wirksamkeit > 90 % Ivermectin-Präparate und Moxidectin-Präparate gelten als wirksam gegen Strongyliden falls Wirksamkeit > 95 % Unwirksame Präparate dürfen im Bestand nicht mehr eingesetzt werden.

3. Welche Pferde müssen in Zukunft noch entwurmt werden?
a) Im 1. Jahr bei allen Pferden des Bestands mindestens vier Proben untersuchen lassen zur EpG-Bestimmung mittels Kotuntersuchung zur Erfassung des Verlaufs der Eiausscheidung während der Weidezeit.
b) Entwurmung ausschließlich von Pferden mit Werten über 200 EpG.

4. Falls nach EZRT wirksam: Entwurmung mit Pyrantel-Präparaten oder Benzimidazol-Präparaten.
5. Falls unwirksam: Wechsel zu Ivermectin-Präparaten.
6. Moxidectin-Präparate möglichst erst als Reserve einsetzen.

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Zweites Jahr (und folgende Jahre): Selektive Entwurmung

1. Neuankömmlinge wie im 1. Jahr untersuchen und behandeln.
2. Pferde, die im 1. Jahr immer weniger als 200 EpG ausgeschieden haben, zweimal untersuchen (April/Mai und Hochsommer).
3. Hohe Ausscheider aus dem 1. Jahr: Regelmäßige Entwurmung mit wirksamem Wirkstoff (Pyrantel alle 6 Wochen; Ivermectin alle 8 Wochen; Moxidectin alle 12 Wochen).
4. Bei nachgewiesenem Bandwurmbefall: in der Regel 1x Entwurmung des gesamten Bestands im Herbst (vor Aufstallung); je nach Einschätzung des Infektionsdrucks zusätzlich eine Bandwurmbehandlung im Sommer.
5. Bei bekanntem Magendasselbefall: Behandlung nach Aufstallung.
6. Wenn möglich: Wirksamkeitstest bei je 5 Pferden mit Wirkstoffen, die im Vorjahr noch wirksam waren (zwecks Überprüfung der Bestandssituation).

Wichtig: Sprechen Sie das kon- krete Vorgehen immer mit Tierarzt und Labor ab, da die unangebrachte Gabe von Wurmmitteln in Einzelfällen schwerwiegende Folgen fürs Pferd haben kann. Da Laboruntersuchungen unter möglichst gleichen Bedingungen durchgeführt werden sollten, ist es sehr vorteil-haft, mit einem spezialisierten Parasitologie-Labor zusammenzuarbeiten

Die Kotprobe fürs Labor

Faustgroße Menge frischer Pferdeäpfel in ein verschließbares Plastikgefäß füllen; Probe im Kühlschrank abkühlen. Gefäß in offene Plastiktüte stecken, verpacken und mit einem Untersuchungsantrag (online über www.tropa.vetmed.uni-muenchen.de) plus der Adresse Ihres Tierarztes ans Labor schicken (bei Wärme mit Kühlakku); vor Versand fragen, ob Paket am selben Tag verschickt wird (sonst Probe über Nacht im Kühlschrank aufbewahren). Das Ergebnis und die Rechnung gehen an den Tierarzt. Anschrift und Info: Parasitologisches Speziallabor Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, LMU München, Leopoldstr. 5, 80802 München, Tel. (089) 2180 3622. Tipp: Plastikdöschen gibt‘s etwa im Baumarkt.

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08.05.2012
Autor: Redaktion CAVALLO/Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe 04/2012