Wurmkur fürs Pferd: Selektive Entwurmung und Weidehygiene

Pferde selektiv und effektiv entwurmen

Foto: Stuewer CAVALLO Connemara
Mit unserem Enwurmungs-Planer entwurmen Sie ihr Pferd gezielt und effektiv.

Beängstigend flexible Würmer trüben das Weidevergnügen: Mit der bisher vierteljährlich empfohlenen Dosis Chemie sind sie nicht auszurotten. Immer mehr Schmarotzer überleben, weil falsch und zu oft entwurmt wird. Sie werden resistent, die gängigen Medikamente verlieren ihre Wirkung. Droht jetzt eine Parasitenschwemme, weil alle Waffen versagen?

Parasiten sind nicht von Natur aus böse

Parasitologen befürchten genau das und haben daher bereits vor einigen Jahren die Notbremse gezogen. Sie empfehlen, die Entwurmungs-Strategie drastisch umzustellen und nur noch gezielt zur Wurmkur zu greifen. Clevere Pferdebesitzer sollten nicht mehr alle Vierteljahr zu einer Chemieampulle greifen, sondern nur noch entwurmen, wenn es wirklich nötig ist. Der Name dieser Taktik: zeitgemäße und selektive Entwurmung.

Vorreiter in Deutschland sind Professor Kurt Pfister, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie der Veterinärmedizinischen Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), und Tierärztin Dr. Anne Becher aus Riedering in Bayern (www. entwurmungpferd.de), die jetzt beide in der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäße (+ Selektive) Entwurmung e.V. tätig sind.

„Die selektive Therapie ist die Chance, der steigenden Zahl von resistenten Würmern zu begegnen“, sagt Anne Becher. Kurt Pfister fordert ein Umdenken: „Würmer sind nicht das Böse schlechthin – solange sie nicht resistent sind.“ Jede Wurmkur ohne Wurm- und Wirkungsnachweis erhöht jedoch genau diese Gefahr. „Es wird viel zu viel entwurmt“, warnt Pfister.

Die beiden Experten haben daher eine neue Entwurmungs-Empfehlung entwickelt. Pferdebesitzer, Stallbetreiber und Tierärzte müssen dafür an einem Strang ziehen. Das klingt komplizierter als es ist. Mit unserer Anleitung können Sie Schritt für Schritt das nachhaltige Parasiten-Programm starten.

Was heißt zeitgemäße und selektive Entwurmung?

Hört sich gut an, doch wie sicher ist die Taktik? „Das Testverfahren ist zuverlässig“, sagt Anne Becher. „Unterhalb des Schwellenwerts von 200 Strongyliden- oder Spulwurm-Eiern pro Gramm Kot (EpG) muss niemand befürchten, dass sein Pferd stark verwurmt ist. Das wurde bereits bei mehreren tausend Pferden nachgewiesen.“

Kleine Strongyliden, die häufigsten Parasiten, verursachen ohnehin nur dann Symptome wie stumpfes Fell, Gewichtsverlust und Durchfall, wenn das Pferd massenhaft befallen ist. „Ich kenne Pferde, die 4000 Strongyliden-Eier pro Gramm Kot ausscheiden und pumperlgesund sind“, sagt Becher. Den höchsten Wert registrierte sie bisher bei einem Jährling mit 7000 EpG. „Der hatte struppiges Fell“, so die Expertin.

Unterscheidung zwischen Spulwürmern und Bandwürmern

Spulwürmer sind für junge Pferde tatsächlich eine Gefahr; sie können schlimmstenfalls Verstopfungskoliken verursachen. „Bei erwachsenen Pferde kommen sie dagegen nicht mehr vor, weil diese immun werden“, sagt Anne Becher. Diese Immunitäts-Altersgrenze setzt Kurt Pfister - mit Sicherheitsbonus - bei drei Jahren an.

Bandwürmer wiederum lassen sich in Kotproben einzelner Pferde nicht sicher nachweisen: Die Schmarotzer scheiden Eier nur unregelmäßig aus. Bandwurmglieder finden sich nicht unbedingt in den Pferdeäpfeln.

Hier gibt die Masse der Proben Sicherheit. „Wenn Sie in einem Bestand mit 10 Pferden im ersten Jahr der selektiven Entwurmung bei jedem Tier vier Kotproben untersuchen und in keiner findet sich ein Hinweis auf Bandwürmer, dann gibt es diese dort auch nicht“, sagt Pfister. Hat andererseits ein Pferd Bandwürmer, sind mutmaßlich alle Weidegenossen betroffen – und zwar für alle Zeit.

Richtig entwurmen - viele Pferde brauchen keine Chemie

Dass viele Pferde gar keine Wurmkur brauchen, belegt eine wissenschaftliche Studie von Anne Becher. Von März bis November 2008 untersuchte sie bei 129 Pferden aus 19 Beständen im Salzburger Raum in Abständen von vier Wochen Kotproben. Insgesamt stocherte die Tierärztin also über 1000 Mal in Pferdeäpfeln, immer auf der Suche nach den winzigen Strongyliden-Eiern.

Nur 38 Pferde (29,5 Prozent) überschritten den Schwellenwert und mussten tatsächlich entwurmt werden. Wurden die Weiden mindestens einmal wöchentlich abgeäpfelt, brauchten sogar nur 17 Prozent der Pferde eine Wurmkur. Weidehygiene ist also tatsächlich wirksam – und in Kombination mit der selektiven Entwurmung aktuell die beste Waffe gegen die fiesen Schmarotzer.

Zugegeben, anfangs ist der Aufwand höher, weil Sie Kotproben versenden und bezahlen müssen (etwa 160 Euro für vier Proben). Doch weil Sie Medikamente sparen, rechnet sich das bald – und dient in erster Linie dem Wohl der Pferde.

Noch mehr Infos zum Thema Entwurmen, eine Adressliste der zertifizierten Labore sowie kompetente Ansprechpartner für individuelle Fragen finden Sie hier.

Hier gibt es den aktuellen Entwurmungsplan zum Download:

25.04.2014
Autor: Redaktion CAVALLO/Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe 04/2012