Ergonomische Gebisse für Pferde im Test

Welche Gebisse für Pferde sind maulfreundlich?


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CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test
Foto: Rädlein

 

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CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test
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Maulfreundlich, sanft und präzise? Unser Test zeigt: Gebisse, die besonders angenehm fürs Pferd sein sollen, halten nicht immer, was sie versprechen.

Echte Maulschmeichler sollen ihre Gebisse sein. Dafür lassen sich Hersteller einiges einfallen – von der anatomischen Form über platzsparende Mundstücke mit geschmeidigen Rollen bis hin zu seitlichen „Flügeln“. Wir wollten wissen, wie angenehm fünf verschiedene Gebiss-Modelle tatsächlich fürs Pferd sind.

Der CAVALLO-Test betrachtete die Gebisse dabei von zwei Seiten: Zunächst überprüfte Sabrina Sudheimer-Köster, Pferdedentalpraktikerin nach IGFP (www.pferdedentalpraxis-sudheimer-koester.de), wie die Gebisse bei drei Testpferden im Maul lagen.

Dressurausbilderin Elke Potucek-Puscha und Bereiter Patric Puscha (www.potucek.de) testeten die fünf Gebisse anschließend beim Reiten und beurteilten das Anlehnungsverhalten der Pferde, ihre Maulaktivität und die Wirkung der Hilfen.

Die Testergebnisse zeigen: Jedes Gebiss wirkt individuell. Unser Test kann Ihnen daher zwar gute Anhaltspunkte für die Gebisswahl geben. Ob es dann wirklich passt, lassen Sie aber am besten einen Dentalpraktiker und Ihr Pferd entscheiden.

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CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test
Foto: Rädlein

Anatomic

TYP: anatomisch geformte Wassertrense,
doppelt gebrochen
GEBISSWEITE: 12,5 bis 15,5 cm
GEBISSSTÄRKE: 16 mm
MATERIAL: Argentan
PREIS: rund 35 Euro
HERSTELLER: Lancade

DER HERSTELLER: Durch die anatomische Form soll sich der Druck gleichmäßiger auf die Zunge und über diese auf das gesamte Maul verteilen. Die Anlehnung soll sich verbessern.

DIE DENTALPRAKTIKERIN: Für Pferde mit ausgeprägter Schleimhaut vor den ersten unteren Backenzähnen („Pouchy Flesh“, Foto re.) würde Sudheimer-Köster generell eher kein anatomisch geformtes Gebiss empfehlen. Durch seine halbrunde Form kann es die Schleimhaut
eher von außen auf die Backenzähne drücken.

Problem beim Gebiss „Anatomic“: Das Mittelstück ist sehr lang. „Nehme ich den Zügel auf einer Seite an, rutscht das Gelenk schnell in den Maulwinkel und könnte ihn so quetschen“, stellt Sudheimer-Köster fest. Die Dicke des Gebisses war für eher zierliche Mäuler in Ordnung. Kamen flacher Gaumen und fleischige Zunge zusammen, war es zu dick und drückte die Zunge leicht nach unten.

DIE TESTREITER: Pferde, die generell sensibel auf unterschiedliche Gebisse reagieren, kauten auf dem Gebiss „Anatomic“ hektisch herum und spielten viel mit der Zunge.

Ein besonders sensibles Testpferd hörte nicht auf, extrem zu kauen und akzeptierte das Gebiss nicht, weshalb Elke Potucek-Puscha mit ihm lieber auf einen Testritt verzichtete. Auch Pferde, die normalerweise eine ruhige Maultätigkeit zeigen, zogen teilweise die Zunge zurück und spielten mit der Trense. Auch die Anlehnung war weniger konstant.

Die Testpferde traten nicht genug ans Gebiss heran, oder suchten zwar den Kontakt zur Reiterhand, sperrten bei stärkerer Verbindung aber das Maul auf. Dadurch entzogen sie sich immer wieder den Hilfen.

UNSER FAZIT: Das Gebiss scheint für im Maul eher überaktive Pferde weniger geeignet. Bei zu träger Maultätigkeit könnte es dagegen zum gewünschten Kauen animieren. Die Lage im Maul muss im Vorfeld sorgfältig geprüft werden.

 

CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test
Foto: Rädlein

Novocontact

TYP: Wassertrense, einfach
gebrochen, ovale Gebissschenkel
GEBISSWEITE: 11,5 bis 14,5 cm
GEBISSSTÄRKE: 16 mm
MATERIAL: Sensogan
PREIS: rund 100 Euro
HERSTELLER: Sprenger

DER HERSTELLER: Das zur Mitte hin abgeflachte Gebiss soll bei normaler Zügelverbindung satt auf der Zunge aufliegen und platzsparend sein. Bei Zügelanzug dreht es sich laut Hersteller über die Zunge nach vorne. Die Hilfen sollen dann punktueller und effektiver sein. Das Gebiss wird für Pferde empfohlen, die nicht richtig an die Hand herantreten.

DIE DENTALPRAKTIKERIN: Das Gebiss lag gut auf der Zunge auf und passte auch in Mäuler mit wenig Platz. „Außen an den Rändern ist das Gebiss zwar relativ dick, innen aber flacher geformt und nimmt dadurch nicht zu viel Platz im Maul ein“, so Sabrina Sudheimer-Kösters Urteil. Auffällig war, dass das Gebiss eher klein ausfällt. In der sonst üblichen Weite war es tendenziell zu kurz. „Liegt das Loch für den Gebissring zu nah am Maulwinkel, besteht bei Wassertrensen generell die Gefahr, dass die Schleimhaut darin eingeklemmt wird.“

DIE TESTREITER: Die Testpferde traten zunächst gut ans Gebiss heran und suchten die Anlehnung; im Laufe der Zeit tendierten sie aber dazu, schwerer in der Hand zu werden oder gegen das Gebiss zu drücken. Eines der Testpferde nahm die Hilfen im Vorwärts-Abwärts gut an, kam in der Arbeitsphase bei vermehrtem Aufnehmen aber eher hinter den Zügel. Anfangs lag das Gebiss auch bei sonst oft übertrieben kauenden Pferden angenehm ruhig im Maul; bei längerem Reiten begannen sie zu viel zu spielen.

UNSER FAZIT: Die Trense motiviert zurückhaltende Pferde tatsächlich, den Kontakt zum Gebiss zu suchen. Für Pferde, die sich gern auf die Hand legen, scheint dieses Gebiss dagegen weniger geeignet.

 

CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test
Foto: Rädlein Ergonomic TYP: Anatomisch geformte Olivenkopftrense, einfach gebrochen

Ergonomic

TYP: Anatomisch geformte Olivenkopftrense,
einfach gebrochen
GEBISSWEITE: 12,5 bis 16,5 cm
GEBISSSTÄRKE: 16 mm
MATERIAL: Edelstahl
PREIS: rund 20 Euro
HERSTELLER: Loesdau

DER HERSTELLER: Das Mundstück des Olivenkopfgebisses ist anatomisch geformt und soll besonders weich und angenehm im Pferdemaul liegen.

DIE DENTALPRAKTIKERIN: Das Gebiss ist in der Mitte relativ schlank. Auch eine dicke Zunge wurde nicht nach unten gedrückt. In zierlichen Mäulern hatte das Gebiss ebenso genug Platz. „Anatomisch geformte Gebisse verteilen den Druck besser auf der Zunge“, so Sudheimer-Köster. Das liegt an ihrer gebogenen Form: Das Gebiss lässt sich in der Mitte nicht so stark zu einem V abknicken. Es wirkt daher auch auf die Ränder der Zunge und weniger punktuell auf deren Mitte und die Laden. „Wird massiv Druck am Zügel gemacht, besteht allerdings auch eher die Gefahr, dass die Zunge gequetscht wird“, so die Dentalpraktikerin. „Das Olivenkopfgebiss liegt sicher sehr ruhig. Die Ringe drehen sich nicht.“ Einfach gebrochene Gebisse bewegen sich generell weniger
als doppelt gebrochene.

DIE TESTREITER: Die Pferde kauten ruhig und gleichmäßig und wehrten sich nicht gegen das Gebiss, indem sie das Maul öffneten. Auch oft nervös spielenden und kauenden Pferden vermittelte es genügend Ruhe. Alle drei Testpferde suchten mit diesem
Gebiss eine konstante Verbindung zur Reiterhand. Durch die stabile Anlehnung und die ruhige Lage im Pferdemaul kamen die Hilfen gut an. Ein Pferd wurde beim Testritt im Galopp allerdings etwas zu schwer in der Hand.

UNSER FAZIT: Sehr gut geeignet für im Maul überaktive und sensible Pferde. Die ruhige Lage könnte manche Pferde allerdings dazu verleiten, sich auf das Gebiss zu legen.

Fotostrecke: Reiten ohne Gebiss: Tipps für Gebissloses Reiten

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Gebisslos reiten Zaum Zäumung Foto: Lisa Rädlein
Gebisslos reiten Zaum Zäumung Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Pferdemaul: So finden Sie das passende Gebiss

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CAVALLO Gebiss-Test Foto: Arturo Rivas
CAVALLO Gebiss-Test Foto: Arturo Rivas
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Fotostrecke: Leserfotos: Pferde gebisslos reiten

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CAVALLO Gebisslos reiten - Leserfotos Foto: Riedinger_privat
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11.08.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe /2016