Gebisslose Zäume für Pferde im Test

Zaum für extrovertiere Pferde

Fein und sicher gebisslos reiten? Dazu sollten Sie wissen, wie gut die Beziehung zu Ihrem Pferd ist. Ausbilderin Sonja Tiehuis zeigt, wie Sie den perfekten Zaum für Ihr Pferd finden.

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CAVALLO Gebisslose Zäume im Test Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Gebisslose Zäume im Test Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Gebisslose Zäume im Test
Foto: Lisa Rädlein „Das Reitgefühl war überraschend vertraut. Auch zum Sprung konnte ich mein Pferd prima steuern.“ Lilli Fink ist CAVALLO-Praktikantin und trainiert mit ihrer Warmblutstute Cookie (5) für Springturniere.

Extrovertiere Pferde können unter vertrauten Umständen so brav sein wie ein gutes Kinderpony. Bei Stress drehen sie jedoch auf und werden aktiv. Der Vorteil: Anders als introvertierte Pferde, zeigen extrovertierte Typen deutlich, dass sie angespannt oder überfordert sind – und der Mensch kann unmittelbar darauf eingehen. Auch diese Signale sind typisch für solche Pferde: Sie nehmen Reiterhilfen vorweg, reagieren mit Tänzeln, Schweifschlagen oder sogar Durchgehen, manche werden dem Menschen gegenüber aggressiv. Gerade Vollblüter und Warmblüter mit hohem Vollblutanteil sind häufig aktive Stresstypen.

Springpferd Cookie ist ein extrovertieres Pferd. Im Stechtrab saust sie durch den offenbar unheimlichen Paddock. Dabei ist die Braune sonst die Ruhe selbst – im Gelände genauso wie beim Turnier.

Das Abstreichen soll dem Pferd Sicherheit vermitteln. Sonja Tiehuis zeigt Besitzerin Lilli Fink, wie die Reiterin die Beine ihres Lieblings ausstreichen kann, damit das Jungpferd alle vier Hufe bewusster wahrnimmt und selbstsicherer auftritt. „So souverän die Stute sonst vielleicht sein mag: sie ist noch sehr jung“, sagt Sonja Tiehuis. „Ob extrovertiert oder nicht: Es ist ganz natürlich, dass ein junges Pferd nicht gleich mit jeder Situation klar kommt.“

Beruhigen Sie Ihr nervöses Pferd daher erst einmal, bevor Sie überhaupt an einen gebisslosen Zaum denken. Denn im Zweifel verlieren Sie tatsächlich die Kontrolle. Für Cookie und Lilli Fink bedeutet das: „Solange sich die Kleine nicht entspannt und auf den Menschen konzentriert, werden wir sie auch nicht reiten – egal ob mit oder ohne Gebiss“, erklärt Sonja Tiehuis.

Lassen Sie extrovertierten Pferden viel Zeit für den Beziehungscheck mit Führen, Freiarbeit und Berühren. Wichtig: Konzentrieren Sie sich aufs Pferd und strahlen Sie Sicherheit aus. „Erschreckt das Pferd dennoch, niemals streicheln“, betont die erfahrene Ausbilderin. „So bestätigt man das unerwünschte Verhalten nur.“

Bringen Sie den Angsthasen lieber dazu, sich Ihnen anzuschließen. Bei der Freiarbeit läuft Sonja Tiehuis ruhig zu Cookie, streichelt die Braune mit gesenktem Blick an der Stirn. Dann wendet sie sich wortlos ab. Cookie folgt der Trainerin sofort. „Sie sucht Sicherheit bei mir, ist kommunikationsbereit“, sagt Sonja Tiehuis. Haben Sie die Aufmerksamkeit Ihres Pferds gewonnen, können Sie mit Ihrer Körpersprache spielen und prüfen, wieviel Einwirkung Ihr Pferd benötigt.

Extrovertierte Pferde, die Hilfen gerne vorweg nehmen, brauchen in der Regel wenig Energie, damit sie in Schwung kommenb. Da zu viel Druck sofort Stress auslösen würde, rät Sonja Tiehuis ihren Schülern, bewusst ruhig zu atmen. Wie gut das wirkt, zeigt sich bei Cookie: Das Pferd senkt den Kopf und schnaubt ab.

Extrovertierte Pferde brauchen wenig Einwirkung. „Und eine feinfühlige Führung“, sagt Sonja Tiehuis. Für die Wahl einer gebisslosen Zäumung bedeutet dies: Sonja Tiehuis entscheidet sich für ein Modell aus Stufe 2 – ein mildes Hackamore. Bereits 2006 testete CAVALLO einen fast baugleichen gebisslosen Zaum namens „LGZaum“. Den brachte die Erfinderin Monika Lehmenkühler 2004 unter dem Namen „Glücksrad“ heraus.

Ähnlich wie der LG-Zaum besteht auch Sonia Tiehuis’ Modell aus zwei metallenen Speichenrädern sowie einem Nasen- und einem Kinnriemen, die sich beide je nach gewünschter Einwirkung unterschiedlich einstellen lassen. „Locker verschnallt wirkt diese Zäumung nur auf die Nase und sogar sanfter als ein Sidepull aus Stufe 3“, erklärt Sonja Tiehuis. „Wer mehr will, kann die Riemen anziehen und die Zügel weiter vorne im Rad einhängen, so dass sich Hebel und Druck aufs Genick verstärken.“

Die klare Führung vermittelt nervösen Pferden Sicherheit. „Manche Pferde laufen mit einem milden Hackamore sogar besser in Balance als mit Gebiss“, beobachtet Sonja Tiehuis. „Bei Pferden mit Anlehnungsproblemen empfehle ich den Zaum allerdings nicht: Sie wehren sich oft gegen den Druck auf der Nase.“ Gut ausgebildete Pferde können Reiter mit dem Rad indes perfekt in Anlehnung reiten und seitlich recht präzise einwirken. Für eine stärkere Einwirkung können Reiter längere Anzüge im Rad einschnallen.

Und was sagt Lilli Fink zum Reiten mit Rad? „Ich habe mein Pferd perfekt unter Kontrolle“, freut sich die Springreiterin. Sie möchte daher gerne noch einen Sprung wagen. Mühelos taxieren Cookie und Lilli Fink das Hindernis, fliegen in einem geschmeidigen Satz darüber. Lilli Fink beschließt, künftig öfters gebisslos zu reiten. „Das scheint Cookie gut zu tun.“

Im Springparcours könnte die Reiterin die Zügel weiter vorne in das Rad schnallen – und Cookie in engen Wendungen prima lenken, ohne Druck aufs empfindliche Maul auszulösen. Eine feine Sache!

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CAVALLO Ergonomische Gebisse für Pferde im Test Foto: Rädlein
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08.11.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe /2016