Reithosen mit Grip im Test

Das bringen Reithosen mit Grip?


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Reithosen mit Grip im Test
Foto: Rädlein

 

Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks
Foto: Lisa Rädlein

 

Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks
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Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks
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Test Grip-Reithosen Cavallo Caja Grip
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Grip-Reithosen liegen im Trend. Doch beim Test löste sich der Besatz zum Teil schnell in Luft auf. Es gab große Qualitätsunterschiede.

Kaum ein Reiter kommt heute mehr am Trend zum Grip-Besatz vorbei: Viele Hersteller setzen inzwischen ganz auf Silikon und Co., Hauptgrund sei die Nachfrage der Kunden. CAVALLO hat bereits 2015 Reithosen mit Silikon- und Polyurethan-Besatz in der Praxis getestet. Bei einem Modell löste sich der Silikon-Druck damals schon nach wenigen Ritten ab.

Wir wollten deshalb genauer wissen, wie haltbar die trendigen Hosen sind und haben aktuelle Modelle zum Scheuertest ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Gripbesätze sind deutlich schneller beschädigt als herkömmlicher Kunstlederbesatz. Das zeigt der Vergleich zu einem Reibetest mit Kunstlederbesatz-Hosen, den CAVALLO 2014 durchführte. Außerdem gab es erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Grip-Modellen.

Insgesamt ließen wir acht verschiedene Modelle stundenlang im Labor scheuern:

  • „Valerie Grip“ von Spooks,
  • „Caja Grip“ von Cavallo,
  • „Lucinda Grip“ von Pikeur,
  • „Gala“ von ELT,
  • „Sophia“ von Felix Bühler,
  • „Lagoa“ von Black Forest,
  • „Cargo Golden Gate“ von HKM und
  • „Energy Knee Grip“ von EURO-STAR.

Die Hälfte der Proben war nach dem Test komplett blankgescheuert. Bei zwei weiteren Hosen war der Besatz nach 30.000-mal Scheuern im Prüfgerät deutlich angescheuert oder teilweise abgescheuert. Nur zwei Modelle überstanden den Test mit lediglich angescheuertem Grip: die Hosen von Pikeur und Cavallo. „Dass sich Gripmaterialien abscheuern, ist für uns nichts Neues“, sagt Diplom- Ingenieur Kai Tinschert, der den Versuch am PFI leitete. „Punktuell auf Textil applizierte Materialien bieten viele Angriffspunkte für Reibung, zum Beispiel vorstehende Ecken und Kanten.“

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Fotostrecke: Test: 8 Reithosen mit Grip

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Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein
Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein
Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein

Auf Material, Verankerung und Form achten

Damit der Grip gut hält, müssen verschiedene Faktoren stimmen. Für die recht großen Qualitätsunterschiede zwischen den Reithosen können laut Tinschert ganz unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein: „Das kann etwa am Material selbst, an der Verankerung zum Untergrund und an der Form des Grips liegen“, erklärt er.

„Je nachdem, ob der Grip als kleine Streifen, Dreiecke oder Zickzack aufgebracht ist, bieten sich unterschiedliche Angriffsflächen.“ Das könnte auch erklären, warum sich der in Zickzack-Reihen gestaltete Grip beim Modell „Valerie Grip“ von Spooks im Labortest schnell ablöste. „Ein kantiges Zickzack-Muster bietet mehr Elemente, die sich verzahnen können“, so Tinschert. „Das kann für die Haftung im Sattel zwar gut sein, aber auch zu einem größeren Verschleiß führen.“

Auch der Herstellungsprozess entscheidet über Haltbarkeit

„Das Gripmaterial wird flüssig aufgetragen, entweder in einzelnen Punkten oder großflächig mit einer Walze“, erklärt Franz Schäfer, der für die Produktentwicklung beim Reitsportausrüster EURO-STAR zuständig ist. Der Grip kann unterschiedlich fest im Material verankert werden. „Wie fest er sitzt, ist zum Beispiel abhängig von den angewendeten Hitzestufen im Trocknungskanal“, sagt Schäfer. Bei EURO-STAR wird viel experimentiert, um die richtige Haftung des Grips auf dem Hosenstoff zu erreichen. „Die silikonartigen Massen für den Grip und der Stoff müssen dafür richtig aufeinander abgestimmt sein.“

Entscheidend für die haltbare Verbindung des Grips mit dem Stoff ist auch dessen Saugfähigkeit. Sind Textilien etwa mit Anti-Schmutz-Beschichtungen ausgerüstet, taugen sie nicht als Trägermaterial. „Das flüssige Gripmaterial schwimmt dann wie ein Wassertropfen auf einer Regenjacke“, so Schäfer. Hat der Stoff dagegen eine leicht raue Oberfläche, kann der flüssige Kunststoff eindringen und sich so verankern. Neben dem Trägerstoff spielt auch das Material des Grips eine Rolle.

Polyurethan soll haltbarer sein als Silikon

Der Grip besteht meist aus Silikon, teilweise aber auch aus Polyurethan, etwa bei Pikeur und Cavallo. „Vorteil gegenüber Silikon ist die bessere Abriebfestigkeit“, so Carolin Haget von Pikeur. Tatsächlich schnitten die beiden mit Polyurethan beschichteten Reithosen von Pikeur und Cavallo in unserem Test sehr gut ab. Der Besatz aus Polyurethan war nach 30.000 Touren nur angescheuert und flacher, aber nicht abgescheuert, wie bei vielen anderen Modellen.

Die meisten anderen Hersteller verwenden unterschiedliche Arten von Silikon für ihre Besätze. Welches Silikon genau verwendet wird, ist für Kunden nicht erkennbar.

Sichtbar sind dagegen Spielereien wie in den Grip eingearbeitete Glitzerelemente, etwa beim Modell „Valerie Grip“ von Spooks. Sie könnten neben der Zickzackform des Grips ein weiterer Faktor für den schnelleren Verschleiß sein. „Es kann sein, dass sich bei Reibung einzelne Glitzerelemente aus dem Materialverbund lösen“, erklärt Tinschert. Dadurch entsteht im restlichen Gripmaterial ein kleiner Hohlraum. So wird es anfälliger für die scheuernde Beanspruchung.“

Warum setzen Hersteller auf Grip?

„Durch den Grip lassen sich Reithosen sportlicher und attraktiver gestalten“, sagt Franz Schäfer von EURO-STAR. Das große Angebot an Gripreithosen erklären die Hersteller zudem mit der Nachfrage der Kunden: Viele würden den Tragekomfort durch die sehr elastische Gripware, die Atmungsaktivität und die gute rutschhemmende Wirkung des Besatzes schätzen, erklärt Carolin Haget von Pikeur. Doch bei allen Vorteilen gegenüber Hosen mit herkömmlichem Kunstlederbesatz können die Gripreithosen in Punkto Strapazierfähigkeit nicht mit Kunstleder mithalten.

CAVALLO führte im Jahr 2014 beim PFI schon einmal einen Scheuertest durch – mit sechs Kunstlederbesatz-Reithosen. Auch damals ließen wir den Besatz 30.000-mal scheuern und immer wieder zwischendurch begutachten. Bei der ersten Kontrolle (1.600 Scheuertouren) wies der Kunstlederbesatz bei allen Reithosen damals nur geringe Veränderungen auf oder war maximal leicht angescheuert.

Bei den Gripreithosen im aktuellen Test stellten die Prüfer bei der ersten Kontrolle bereits auffälligere Veränderungen fest: Zwar war bei einer Hälfte der Reithosen der Grip ebenfalls erst leicht angescheuert. Bei der anderen Hälfte notierten die Prüfer aber bereits das Ergebnis „angescheuert“. Gripreithosen reagieren also schneller auf Beanspruchung als Kunstlederbesatz-Hosen. Käufer müssen damit rechnen, dass die Hose nicht ganz so lange wie neu bleibt und der Halt im Sattel schneller schwindet.

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Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein
Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein
Test Grip-Reishosen Valerie Grip Spooks Foto: Lisa Rädlein

Kunstlederbesatz übersteht den Reithosen-Test besser als Grip

Am Ende des Tests (nach 30.000 Scheuertouren) zeigten sich die Unterschiede zwischen Grip und Kunstleder besonders deutlich: Während alle Kunstlederbesätze im alten Test nur etwas angescheuert oder maximal angescheuert waren, fehlte bei der Hälfte der aktuell getesteten Gripreithosen der Besatz am Schluss komplett. Fuhr man mit dem Finger über die Stoffproben, waren diese glatt, vom Grip nichts mehr zu spüren. Die übrigen Grip-Hosen überstanden den Test mit dem Ergebnis „teilweise abgescheuert“, „deutlich angescheuert“ oder zumindest „angescheuert“. Auch bei den nur angescheuerten Reithosen war deutlich spürbar, dass die erhabenen Gripelemente flacher geworden sind.

Kleine Hersteller sind beim Grip bei Reithosen noch zurückhaltend

Unser Test zeigt: Wer eine Gripreithose kauft, muss mit schnellerem und deutlicherem Verschleiß rechnen als bei einer Kunstlederbesatzhose. Das ist auch der Grund, warum gerade kleine Hersteller noch kaum auf den Grip-Trend setzen. So gab ein Hersteller an, dass er zu viele Reklamationen erwarte, wenn er mit Grip arbeiten würde. Erst wenn der Grip genauso haltbar sei wie hochwertige Kunstleder, würde er ihn einsetzen – das sei momentan nicht der Fall. Teils würden billige Materialien verwendet und teuer verkauft.

Auch Simone Zahn vom Reitbekleidungshersteller Signorinetta, der in Deutschland produziert, ist beim Grip noch eher zurückhaltend. „Wir haben Gripbesätze mit positivem Ergebnis getestet und auch für Turnierreithosen im Angebot. Bisher haben wir aber auf Kunstleder gesetzt und werden das auf jeden Fall beibehalten.“ Qualität auf Dauer sei extrem wichtig, da Signorinetta in Deutschland bis zu zwei Jahre Garantie auf Reithosen gewähre. Generell habe es zu Beginn des Grip-Trends viele Probleme gegeben. „Der Grip blieb etwa optisch nicht klar oder löste sich bei Beanspruchung“, so Zahn. Mittlerweile habe es viele Verbesserungen gegeben. „Trotzdem glaube ich, dass Kunstleder haltbarer ist, obwohl es natürlich auch hier Qualitätsunterschiede gibt.“

Wägen Sie beim Reithosenkauf ab

Wer oberste Priorität auf Strapazierfähigkeit und Langlebigkeit setzt, ist mit Kunstleder besser beraten. Wer dagegen viel Wert auf Design und Tragekomfort legt, wählt Grip und orientiert sich an unseren Testergebnissen.

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Winterreithosen Foto: Lisa Rädlein
Winterreithosen Foto: Lisa Rädlein
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18.08.2017
Autor: Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe 08/2017