Reitschul-Test: Reiten im Münsterland

Reiten im Münsterland: Gestüt Forellenhof

In Borken reitet Miriam Kreutzer ein Schweres Warmblut, das häufig vor der Kutsche läuft. Kann man die Stute trotzdem fein reiten?

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer

Schulpferd Lotte ist gerade mit Trainerin Claudia Schmidt und einer Reitschülerin im Wald unterwegs. Ich bin etwas zu früh und gucke mich auf dem gepflegten Forellenhof um: Es gibt eine 70 x 32 und eine 22 x 50 Meter große Reithalle, einen großen Springplatz, eine Führanlage, tolles Ausreitgelände sowie über 140 Pferdeboxen. Dazu kommen zahlreiche Weiden – beste Bedingungen für Training und artgerechte Pferdehaltung.

Rund 20 Schulpferde sind hier im Einsatz, davon sieben Großpferde, sieben Reitponys und eine Gruppe Shettys. Im Sommer haben alle 24 Stunden Weidegang. Im Winter gibt es täglich Auslauf auf Paddocks oder bei besonders schlechtem Wetter in der Reithalle.

Die Lehrpferde teilen sich eine Kiste mit Gemeinschaftsputzzeug. „Wir hatten mal Putzbeutel für jedes Pferd, die Kinder schmeißen jedoch eh alles durcheinander. Also reinige und desinfiziere ich das Putzzeug lieber regelmäßig“, erklärt Reitlehrerin Claudia Schmidt. Sie legt Wert auf Sicherheit. Bei der Anmeldung informiert sie, dass ich eine Reitkappe mitbringen soll. Alternativ könne ich eine schriftliche Erklärung abgeben, dass ich keine Kappe tragen will.

Claudia Schmidt erzählt, dass sie keinen Trainerschein hat und auf Reitanfänger, Kinder sowie Wiedereinsteiger spezialisiert ist. Die Schulpferde hätten eine Grundausbildung, fortgeschrittene Reiter würde sie gerne zu einem anderen Reitlehrer schicken. „Oberste Priorität ist, dass unsere Pferde brav sind.“ Die Schulpferde werden auch zu Kutschfahrten eingesetzt. Da die Trainerin diese meist nicht einplanen kann und kein Pferd bei ihr mehr als zwei Stunden täglich arbeiten soll, würden die Schulpferde nur selten von ihr Korrektur geritten.

Info: So testet CAVALLO Reitschulen

Reitschul-Test: Reiten im Münsterland

Claudia Schmidt möchte beobachten, wie ich reite, bevor sie entscheidet, ob sie die Dreieckszügel einsetzt, die um Lottes Hals hängen. Die Reitstunde ist inhaltlich eher einfach gestaltet. Ich reite überwiegend selbstständig und denke mir Lektionen aus. Lotte, ein neunjähriges Schweres Warmblut, ist anfangs steif im Genick, der Rücken ist fest. Um die Hinterhand zu aktivieren, übe ich Schenkelweichen und reite Wendungen. Die Trainerin lobt das und ermuntert mich, so abwechslungsreich wie möglich zu reiten. Konkreter wird Claudia Schmidt nicht.

Lotte neigt dazu, über die Schultern wegzulaufen. Im Galopp wird sie schnell. Damit sie vorne weicher und hinten aktiver wird, soll ich die Zügel kurz am Oberschenkel feststellen und Lotte in die Hand treiben, bis sie nachgibt. Richtig angewandt, kann eine festgestellte Hand für bessere Reaktionen auf Zügelhilfen sorgen (siehe CAVALLO 11/2013). Wer die Zügel jedoch einfach irgendwie festhält, sorgt schnell für zu viel Spannung und erreicht das Gegenteil. Also bewege ich Lotte lieber mit Hilfe von Kreuz und Schenkel zum Nachgeben. Nach 45 Minuten gelingt das.



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„Das ist ein Diesel“, meint die Trainerin, als Lotte entspannt abschnaubt und sich vorwärts abwärts dehnt. Meine Meinung: Die Stute ist kaum ausgebildet und gymnastiziert. Rechts hat Lotte generell mehr Probleme als auf der linken Hand. Das merkt man vor allem im Galopp, in dem sich die Stute wie ein unausbalanciertes Jungpferd anfühlt. Doch auch auf der besseren linken Hand schafft sie nur zwei bis drei Zirkelrunden. Lotte erhält ein halbes Hufeisen. Sie ist brav und zuverlässig. Doch muss ein gutes Lehrpferd darüber hinaus auch rittig sein. Gerade Einsteiger sollten fühlen können, wie sich ein gelöstes Pferd anfühlt. Auf einem steifen Pferd dagegen lernen sie weder Sitz noch Hilfen.

Für über 60 Minuten Einzelstunde bei ungeteilter Aufmerksamkeit der Trainerin zahle ich 18 Euro. Das ist günstig, allerdings bekam ich kaum Tipps. Auch vom Schulpferd lernte ich wenig. Ein Hufeisen fürs Preis-Leistungs-Verhältnis.

Reitschul-Test: Reiten im Münsterland

Claudia Schmidt bekommt ein Eisen. Sie achtete sehr auf Sicherheit und betreute mich gut, vermittelte jedoch wenig Wissen. Dem pferdegerechten Betrieb gebe ich zweieinhalb Hufeisen. Abzüge gibt es nur fürs Gemeinschaftsputzzeug.

Bewertung

Schulpferd: ein halbes von drei Hufeisen
Reitlehrer: eins von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eins von drei Hufeisen

Kontakt

Gestüt Forellenhof
Zum Homborn 9
46325 Borken
Tel. 02861-2448
www.gestuet-forellenhof.de


15.12.2013
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe Dezember 2013 /2013