Reitschul-Test: Reiten im Raum Bad Essen

Reiten in Bad Essen: Mobile Reitschule Paetz

Bei der Definition von "englischer" und "klassischer" Reiterei stiftet die Reitlehrerin Verwirrung. Auch das verletzte Schulpferd wirft Fragen auf.

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Bad Essen

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CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest in Bad Essen Foto: Miriam Kreutzer

Auf mich wartet heute Araberwallach "Kleiner Onkel". Der Fliegenschimmel ist zwölf Jahre alt und wurde kurz zuvor in einer Springstunde geritten. Seine etwa 4,30 x 2,70 Meter große Box ist frisch mit Stroh eingestreut. Die vier Schulpferde dürfen jeden Tag bis 14 Uhr auf der Weide oder auf Paddocks verbringen.

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Ab 15 Uhr beginnt der Schulunterricht. Ein Reitschüler erzählt mir, dass sich bis zu acht Personen die vier Schulpferde in einer Reitstunde teilen. Beim Putzen bemerke ich eine Wunde an Kleiner Onkels Karpalgelenk. Sie ist offen. Der Wallach hat außerdem Sattelzwang: Beim Satteln legt er die Ohren an und schnappt beim Gurten in die Luft. Kein Wunder, der Wallach hat Gurtdruck. Hinter dem rechten Ellbogen hat er eine Wunde.

Zur Schonung des Wallachs ist der Sattelgurt mit einem Lammfell ausgestattet. Pferde mit solchem Gurtdruck sollten gar nicht gesattelt werden, bevor die Wunde geheilt ist. In der Reithalle spreche ich Pferdewirtin und Trainerin B Alice Paetz auf die Probleme des Lehrpferds an. "Der hat nichts", sagt sie. "Bei uns kommt alle drei Monate eine Physiotherapeutin, und ich habe ihn mehrfach vom Tierarzt untersuchen lassen. Der Sattelzwang ist eine Marotte."

Reiten in Bad Essen: Mobile Reitschule Paetz

Die Wunde am Karpalgelenk habe sich Kleiner Onkel bei einem Überschlag im Gelände zugezogen. Die Reitstunde selbst beginnt mit einer Frage, die mich verwirrt: "Kennen Sie den Unterschied zwischen englischer und klassischer Reiterei?" fragt Alice Paetz.

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Der Begriff "englische Reiterei" ist ein Sammelbegriff für Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten, während sich Klasssiker darauf berufen, nach klassischen Grundsätzen zu reiten. Dies kann man in allen genannten Disziplinen praktizieren. Alice Paetz dagegen versteht unter der "englischen" Reitweise das Reiten mit Armkraft. Den korrekten, feinen Reitstil nennt sie "klassisch" und ordnet hier auch ihre eigene Reitweise ein.

Von dieser Einstellung zunächst positiv überrascht, erwartet mich die nächste Ernüchterung:
Kleiner Onkel streckt die Zunge heraus und reißt bei jeder Kurve den Kopf hoch. Auf der rechten Hand deutet er immer wieder Steigen an. Mein Dilemma mit Kleiner Onkel tut Alice Paetz ebenfalls mit dem Begriff "Marotten" ab. "Sie müssen sich erst einmal einfummeln." Mehrfach versichert sie mir, dass Kleiner Onkel unter ihr selbst problemlos läuft. Das hilft mir wenig weiter.

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Im Lauf der Reitstunde löst sich Kleiner Onkel ein wenig. Beim nächsten Handwechsel oder Zirkel muss ich jedoch wieder von vorne anfangen und ihn erneut über leichte Paraden entspannen. Zwischendurch stolpert der Wallach immer wieder. Kann es tatsächlich sein, dass Gurtzwang, Stolpern, Zungenstrecken und Unmutsäußerungen in Kurven nur Marotten sind?

Mein Fazit: Kleiner Onkel gehört nicht zu den Schulpferden, die Reitschülern zeigen können, was richtig oder falsch ist. Auch wehrt er sich gegen den Reiter. Ich habe am Testtag den Eindruck, dass er Schmerzen hat. Das Schulpferd erhält keine Empfehlung. Alice Paetz gebe ich ein halbes Hufeisen. Sie unterhält sich während der Stunde mit anderen, mehrfach läuft mir ihr etwa zweijähriger Sohn fast unters Pferd.

Zwischendurch ist sie aufmerksamer, gibt Tipps zum Sitz: Ich soll das Becken abkippen und aufrechter sitzen. Es folgen Wendungen, Schultervor und halbe Zirkel. Wozu die Lektionen gut sind, erfahre ich nicht. Zudem fordert Paetz ständiges Nachtreiben. Sie weiß offenbar, was Pferden schadet, ihr Unterricht am Testtag ist aber wenig zielführend. Den klassischen Ansatz erkenne ich nur vage.

Der Betrieb, in dem Alice Paetz Einstellerin ist, erhält zwei Hufeisen. Er punktet mit einer Reithalle, täglichem Auslauf und ausgiebiger Heufütterung. Abzüge gibt‘s für die fensterlose Innenbox, auch wenn sie groß und am Testtag sauber gemistet war. Für die Reitstunde mit einer Mitreiterin zahle ich zwölf Euro. Das ist preiswert. Jedoch war der Unterricht wenig lehrreich, das Schulpferd schien nicht fit zu sein. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erhält kein Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: keines von drei Hufeisen
Reitlehrer: einhalbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: keines von drei Hufeisen

Kontakt

Mobile Reitschule Paetz, Hof Begemann
Maschweg
49152 Bad Essen
Tel. 0170-7312582


29.09.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 2 / 2014 /2014