Reitschul-Test: Reiten im Raum Hannover

Reiten in Hannover: Hof Klussmann

Reitschul-Testerin Miriam Kreutzer trifft auf eine Reitlehrerin, die konkrete Fragen zu Schulpferd und Reiten zu nerven scheinen. Wie lehrreich ist der Unterricht?

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Hannover

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CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer

Enrica Zumnorde übernimmt mittwochs die Reitstunden im Reitstall Klussmann. Die bis Klasse M erfolgreiche Dressurreiterin hat keinen Trainerschein.

Ich treffe sie im Innenhof, wo sie mir Fuchsstute Florentine, kurz Flo, vorstellt. Die zwölfjährige Hannoveraner-Stute soll laut Hofbesitzerin Ursula Klussmann in Dressur und Springen bis L-Niveau ausgebildet sein. Enrica Zumnorde zeigt mir, wo ich das Putzzeug und Flos restliche Ausrüstung finde. Dann lässt sie mich allein.

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Flo steht bei 15 Grad Celsius mit einer Winterdecke (Füllung geschätzt 150 Gramm) in der sauber eingestreuten Box. Als ich die Decke abnehme, stelle ich fest, dass die Stute Fellprobleme hat: Überall, wo das Pferd schwitzt, verliert es so viele Haare, dass die Stellen fast kahl sind. Ich mache die Trainerin auf diese Stellen aufmerksam. Enrica Zumnordes Reaktion wirkt auf mich gereizt: „Füchse haben eben eine empfindlichere Haut. Außerdem ist Flo gerade im Fellwechsel.“ Ich rüste Flo mit englischem Reithalfter, Martingal und Springsattel aus.

Enrica Zumnorde hilft mir beim Aufsitzen. Als ich frage, ob ich einen Hocker nehmen soll, um den Pferderücken zu schonen, wirkt die Trainerin genervt.

Reiten in Hannover: Hof Klussmann

Sie holt einen Stuhl und murmelt: „Wenn man gegen hält, braucht man das nicht.“

Direkt zu Anfang der Stunde empfiehlt Enrica Zumnorde: „Setzen Sie sich richtig in den Sattel und zeigen Flo gleich, was Sie wollen. Sonst ist sie sehr triebig.“ Tatsächlich ist die Stute am Anfang faul. „Stehen Sie im Leichttraben nicht so hoch auf“, rät die Trainerin.

Enrica Zumnorde sorgt für eine Lösungsphase in Schritt, Trab und Galopp. Schulpferd Flo ist aber nicht entspannt, als ich schließlich aussitzen soll. Ich soll mich „richtig schwer hinsetzen“ und das Kreuz einsetzen. Treiben soll ich mit der äußeren Muskulatur der Oberschenkel. Da Flo den Rücken nicht hergibt, ist das Aussitzen unangenehm und anstrengend. „Bringen Sie eine positive Spannung in ihren Körper“, fordert die Reitlehrerin.

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Ich komme mir vor, als müsse ich Flo vorwärts tragen, die Zügel sind schwer. Enrica Zumnorde lässt mich Volten und Schlangenlinien reiten und den Zirkel verkleinern sowie vergrößern. Auch im Galopp macht mir Flos verspannter Rücken zu schaffen. Erst als ich einige Runden im leichten Sitz galoppieren darf, lässt Flo im Rücken los.

Als der Wind einen Plastikstuhl auf den Hufschlag weht, weicht die Stute zunächst erschrocken aus. „Sie müssen den Pferdekopf immer von dem Gegenstand, vor dem das Pferd Angst hat, wegdrehen“, meint die Trainerin. Fürs Lernen ist eine andere Sichtweise effektiver: Wenn das Pferd selbst erkennen kann, dass es keine Angst haben muss, nimmt es Reize letztlich gelassener.

Mit mir auf dem Platz reitet eine Frau, die ihr Pferd sehr eng einstellt und mich mehrmals fast umreitet. Dabei sind wir nur zu zweit auf dem 20 x 60 Meter großen Viereck. Ich frage die Trainerin nach der Reitstunde, ob das andere Pferd nicht zu eng eingestellt sei. „Nein, der ist ja genau an der Senkrechten“, antwortet Zumnorde. Ein offenes Genick mit der Nase leicht vor der Senkrechten, wie es sein sollte, habe ich nicht gesehen. Auf ein Gespräch darüber lässt sich Enrica Zumnorde nicht ein: „Das ist sowieso eine blöde Diskussion.“

Ich gebe der Reitlehrerin ein halbes Hufeisen.

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Sie baute die Reitstunde sinnvoll auf, der Unterricht blieb am Testtag aber eher oberflächlich. Aha-Effekte fehlten, ich lernte nichts Neues. Zusammenhänge, Hilfen oder Hintergründe erklärte sie nicht, wirkte zum Teil unwillig, wenn ich konkrete Fragen stellte. Schulpferd Flo entspannte sich erst zum Ende des Reitunterrichts. Dann merkte man, dass die Stute eine gute Grundausbildung hat. Die Leichtigkeit, die ein Reitschüler bei einem bis Klasse L ausgebildeten Dressurpferd erwarten kann, fehlte. Für ihre Leistung erhält die Fuchstute eineinhalb Hufeisen. Für eher unterdurchschnittlichen Einzelunterricht bezahlte ich 30 Euro. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erhält ein Hufeisen.

Der Betrieb punktet mit weitläufigen Weiden. Im Winter kommen die Schulpferde laut Trainerin alle zwei Tage auf Paddocks. Es gibt zwei Reithallen und zwei große Außenreitplätze. Flos geräumige Box ist am Testtag sauber gemistet. Einige Pferde stehen allerdings in dunkleren Gitterboxen. Abzüge gibt es für das Gemeinschaftsputzzeug. Zudem sollten die Stallbetreiber darauf achten, dass Pferde bei wärmeren Temperaturen nicht dick eingedeckt in der Box stehen. Den Betrieb bewerte ich mit eineinhalb Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: ein halbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eins von drei Hufeisen

Kontakt

Hof Klussmann
31303 Burgdorf-Schillerslage
Tel.: 05136-84937
www.hof-klussmann.de


21.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 6 / 2014 /2014