Reitschul-Test: Reiten im Raum Hannover

Reiten in Hannover: Reiterverein Hannover e.V.

Die Reitschule des RV Hannover befindet sich mitten in der City von Hannover. Hier testet Miriam Kreutzer Schulpferd Princesse. Die Stute zuckt mit dem Kopf. Woran liegt das?

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Hannover

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CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer

Heute habe ich mich für eine Fortgeschrittenen-Reitstunde angemeldet. Trainerin Sibylle van Meel teilt die Pferde ein. Ich soll Schulpferd Princesse reiten, laut Website des Reitvereins Hannover „eine Dressurballerina“.

Am Testtag ist es 20 Grad warm und Princesse trägt eine dicke Winterdecke. Bei solchen Temperaturen sollten Pferde tagsüber von ihren Decken befreit werden. Die 17-jährige Hannoveraner-Stute hat eigenes Putz- und Sattelzeug. Alles befindet sich ordentlich beschriftet in der Sattelkammer.

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Ich hole die Stute aus ihrer 3,50 x 4,60 Meter großen, dick mit Stroh eingestreuten Außenbox. Die meisten der 13 Schulpferde und -ponies stehen im ehemaligen Kavalleriegebäude der Anlage. Ein historischer Stall, der nicht gerade lichtdurchflutet ist. Da der RV Hannover keine Weiden hat, kommen die Schulpferde jeden Morgen auf Paddocks. „Manchmal auch abends,“ sagt eine Mitreiterin.

Princesse hat einen passenden Dressursattel. Beim Satteln merke ich, dass an einem Steigbügelriemen die Naht kaputt ist. Noch besteht keine Reißgefahr, aber Reparaturbedarf. Die einfach gebrochene Olivenkopftrense, die mit einem kombinierten Reithalfter angelegt wird, erscheint mir zu dick für das kleine Maul der Stute.

Reiten in Hannover: Reiterverein Hannover e.V.

Die Reitstunde findet in der 20 x 80 Meter großen Reithalle des Vereins statt, die mit Stangen in zwei Hälften geteilt ist. Sieben Reiter nehmen an der Gruppenstunde teil. Wir sollen eigenständig reiten, die Trainerin sagt Handwechsel an.

Sibylle van Meel, FN-Trainerin A, schnallt Princesse direkt zu Beginn der Stunde Dreieckszügel ein. Als ich frage, ob das notwendig sei, antwortet sie: „Ja, oder man muss das Pferd direkt an den Zügel reiten.“ Ich hake nach: „Sollte man nicht in der Lösungsphase eher ein entspanntes Vorwärts-Abwärts zum Ziel haben?“ Van Meel lächelt mich freundlich an: „Das sind nicht meine Regeln. Der Verein wünscht sich das so.“

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Die Dreieckszügel sind locker verschnallt. Dennoch scheint Princesse die Hilfszügel unangenehm zu finden. Gebe ich eine Parade oder nehme den Zügel leicht an, bleibt die Stute fast stehen und zuckt mit dem Kopf ruckartig nach oben. Dabei begrenzt der Dreieckszügel jedes Mal unsanft die Kopfbewegung.

Ich habe das Gefühl, als würde Princesse gleich steigen. Mit Dreieckszügeln finde ich die Vorstellung eines steigenden Pferds erschreckend. Das kann zu schlimmen Unfällen führen, da sich das Pferd mit dem Kopf nicht mehr richtig ausbalancieren kann. Sibylle van Meel versichert mir, dass Princesse nicht steigen würde. Die Stute hätte eben einen Tick.

Princesse lässt sich nach links weder stellen noch biegen. Sobald ich ein wenig mehr Stellung verlange, macht sich die Stute steif und zuckt mit dem Kopf. Ansonsten ist Princesse fein zu reiten und reagiert prompt auf jede Hilfe. Rechts klappt sogar ein Schulterherein. Nun lässt die Stute auch im Rücken los. Am Ende des Unterrichts sind sogar Schritt-Galopp-Schritt-Übergänge ein Kinderspiel. Die Reitstunde machte Spass, Princesse arbeitete willig mit. Sie reagierte fein auf Gewichts- und Schenkelhilfen. Auf der rechten Hand lief sie deutlich besser als auf der linken. Bei einem gut gymnastizierten Pferd sollte die Händigkeit aber weniger stark ausgeprägt sein.

Reiten in Hannover: Reiterverein Hannover e.V.

Der Verein sollte Princesse von einem Tierarzt untersuchen lassen, um auszuschließen, dass sie aufgrund von Schmerzen mit dem Kopf zuckt. Das Schulpferd erhält eineinhalb Hufeisen.

Reitlehrerin Sibylle van Meel lobte am Testtag viel, aber sie erklärte wenig. Eine Mitreiterin erzählte mir nach der Stunde, dass die Trainerin manchmal auch nur Handwechsel ansage. Von gutem Unterricht können Reitschüler deutlich mehr erwarten. Der Trainerin gebe ich ein halbes Hufeisen.

Nach der Schnupperstunde für 20 Euro kann man eine Zehnerkarte für 160 Euro kaufen. Nach acht Unterrichtsseinheiten beginnt jedoch schon die Mitgliedschaft im Verein. Diese kostet 240 Euro im Jahr. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerte ich mit einem Hufeisen.

Der Verein hat eigenes Putzzeug und Paddocks für die Schulpferde sowie gute Trainingsmöglichkeiten. Neben der Halle gibt es zwei Dressurplätze, einen Vielseitigkeitsparcours und eine Rennbahn. Abzüge gibt’s für Princesses kaputten Steigbügelriemen, fehlende Weiden und dunkle Boxen anderer Schulpferde. Zudem war am Testtag die Selbstränke in der Box meines Schulpferds defekt. Der Betrieb erhält ein Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: ein halbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eins von drei Hufeisen

Kontakt

Reiterverein Hannover e.V.
Am Jagdstall 25
30179 Hannover
Tel.: 0511-632280
www.reiterverein-hannover.de


Inhaltsverzeichnis

21.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 6 / 2014 /2014