Reitschul-Test: Reiten im Raum Hannover

Reiten in Hannover: Reitstall Stolberg

CAVALLO testete den Reitstall Stolberg bereits einmal 1997. Damals gab es null Hufeisen. Hat sich seitdem etwas verändert? Miriam Kreutzer ist neugierig und macht sich auf zum Testritt.

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Hannover

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CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Hannover Foto: Miriam Kreutzer

„Reiter, die ihre Pferde jeden Tag auf die Wiese stellen, sind faul“, findet Stallbetreiber Hans-Joachim Stolberg. Er führt mich am Testtag über seinen Hof und erzählt, dass die Anlage früher zur Galopprennbahn von Hannover gehörte. Heute stehen hier immer noch Vollblüter, außerdem vier Schulpferde und Leihponys für Kinder. Koppeln gibt es nicht. Hinter der Anlage erstreckt sich ein Naturschutzgebiet, das die Reiter des Hofs zum Training nutzen können.

Stallbetreiber, Anlage und Konzept sind seit dem Jahr 1997, als CAVALLO den Hof erstmals testete, dieselben. Der Betrieb konnte damals weder mit Unterricht noch Schulpferd oder Haltung punkten. Hat sich das geändert? Ich entdecke beim Rundgang schon einmal Paddocks, die es damals nicht gab.

Info: So testet CAVALLO Reitschulen

Für den Reitunterricht soll ich eine halbe Stunde vor Beginn der Reitstunde da sein. Ich darf ohne Anmeldung vorbeikommen. Das ist praktisch, aber problematisch, da sich der Trainer kaum gezielt auf den Unterricht vorbereiten kann. Reitlehrer Jakob wird von allen „Kobi“ genannt. Ich soll Tigerschecke „Großer kleiner Onkel“, reiten. Der Wallach, genannt „Onkel“, sieht aus wie eine Mischung aus Knabstrupper und Tinker. Seine Box liegt in einer recht dunklen Stallgasse. Für Frischluft und Licht in seiner Box sorgen Fenster, die nach dem letzten CAVALLO-Test eingebaut wurden.

Reiten in Hannover: Reitstall Stolberg

Onkel hat eigenes Putzzeug, das in einer Stofftasche an der Boxentür hängt. Reitlehrer Kobi lässt uns beim Putzen und Satteln alleine. Meine Mitreiter zeigen, wo ich Onkels Ausrüstung finde – ein kombiniertes Reithalfter und einen Springsattel.

Der Nasenriemen der Trense sitzt zu dicht am Jochbein. Korrekt wäre zwei Fingerbreit darunter. Das Martingal ist kaputt, schlackert zwischen den Vorderbeinen. Das ist gefährlich, weil das Pferd mit den Vorderbeinen hängenbleiben kann.

Onkels Launen sollen wechselhaft sein. „Manchmal rennt er einen um, beißt oder drückt einen an die Wand“, sagt eine Mitreiterin. Das geschilderte Verhalten erinnert an Schulpferd Winnipeg, die sich 1997 ähnlich aufführte. Bisher ist Onkel allerdings brav.

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Die etwa 15 x 35 Meter große Reithalle der Anlage ist unverändert düster und fensterlos. Zum Aufsitzen gibt es einen Hocker, eine Frau überprüft das Sattelzeug. Sie richtet das Martingal so, dass es Pferd und Zügelführung nicht behindert.

Reitlehrer Jakob lässt die Gruppe mit insgesamt vier Reitern schon nach zwei Runden Schritt antraben. Das ist zu kurz, um Pferde aufzuwärmen. Wir sollen eigenständig Bahnfiguren reiten, der Reitlehrer sagt die Handwechsel an. Ich lasse meinen Kopf übertrieben schlackern. Reagiert Jakob? Tatsächlich hält der Reitlehrer mich an und erklärt: „Durch den unruhigen Kopf verspannen Sie sich in den Schultern. So können Sie nicht in der Mittelpositur mitschwingen.“ Das stimmt.

Reiten in Hannover: Reitstall Stolberg

Onkel versucht dem Gebiss zu entkommen, indem er die Zunge seitlich herausstreckt. Sein Genick ist steif, vorne rechts tritt er kürzer. Darauf angesprochen erklärt Jakob, der Wallach sei auf einer Seite fester. „Das hängt auch damit zusammen, dass wir von links aufsitzen und führen.“ Ein solcher Taktfehler sollte nicht vorkommen, wenn das Schulpferd regelmäßig trainiert und korrigiert wird.

Onkel läuft brav Schritt, Trab und Galopp. Eine weitere Ausbildung erkenne ich am Testtag nicht. Das Pferd verspannt sich im Rücken und wird erst nach dem zweiten Galopp lockerer. Onkel erhält ein halbes Hufeisen. Er müsste häufiger Korrektur geritten werden.

Reitlehrer Jakob korrigierte meinen wackelnden Kopf, Sitzfehler anderer Schüler sprach er hingegen nicht an. Das Aufwärmen fiel zu kurz aus, Erklärungen und Tipps zur Hilfengebung fehlten. Dafür riet er einer Ponyreiterin: „Hau mal ordentlich auf den Frack! Du musst Dich durchsetzen!“ Kommandos, die zum Schlagen auffordern, sind tabu. Der Reitlehrer bekommt kein Hufeisen.

Onkel steht in einer Außenbox. Die meisten Schulpferde stehen in fensterlosen Boxen, teils ohne Kontakt zu anderen Pferden. Sie haben eigenes Putz- und Sattelzeug. Es gibt eine Halle und zwei Außenplätze. Ob sie die Paddocks nutzen dürfen, bleibt offen. Der Betrieb bekommt ein halbes Hufeisen.

Die Reitstunde kostet 16 Euro. Bei fundierterem Unterricht auf rittigen Pferden könnte der Reitstall sicher mehr verlangen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erhält ein halbes Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: ein halbes von drei Hufeisen
Reitlehrer: keines von drei Hufeisen
Reitbetrieb: ein halbes von drei Hufeisen
Preis-Leistung: ein halbes von drei Hufeisen

Kontakt

Reitstall Stolberg
Lindemannallee 27
30173 Hannover
Tel.: 0172-5427050
www.reitstall-stolberg.de


21.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 6 / 2014 /2014