Reitschul-Test: Reiten im Raum Nürnberg

Reiten in Nürnberg: Aglas Hof

Ein bisschen Western, etwas Klassisch, eine Portion Rai – das sind die Zutaten für den Unterricht bei Kerstin Wolf. Kommen Ross und Reiter damit zurecht?

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer

Ein Tag Dauerregen hat Spuren hinterlassen: Auf dem Reitplatz stehen tiefe Pfützen. Die sechs betriebseigenen Islandpferde leben in Offenstallhaltung und haben bei Schlechtwetter Zugang zum Reitplatz. Zwei von ihnen sind heute für meine Mitreiterin und mich gedacht. Die Stuten tragen Decken, weil sie mächtig nass wurden. Betriebsinhaberin und Reitlehrerin Kerstin Wolf lässt uns die Tiere holen, während sie den Rest der kleinen Herde in den Stall treibt und den Zugang zum Reitplatz verschließt.

Ich führe die 15-jährige Isländerstute Kylja zum Putzplatz. Meine Mitreiterin soll mir alles zeigen, Kerstin Wolf schaut aber auch selbst nach dem Rechten. "Die Ohren des Pferds sind sehr empfindlich", erklärt sie. Beim Trensen soll ich jedes Ohr einzeln vorsichtig nach hinten legen und das Genickstück nicht einfach drüberziehen. "Kylja hat keinen Nasenriemen, weil die bei den Isländern sowieso nie richtig passen." Da Kyljas Widerrist recht ausgeprägt ist, trägt sie einen Sattel, der den Widerrist ausspart – so kann dieser nicht eingeklemmt werden.

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Zurück auf dem Reitplatz steht zunächst Bodenarbeit an. Wir sollen die Stuten in der sogenannten Hengstposition bewegen: neben statt vor dem Pferd gehen – treibend, nicht führend. Zum Anhalten drehe ich mich zum Pferd und sage "Kylja und hoh", zum Weitergehen drehe ich mich nach vorne und sage "Kylja und komm". Zuverlässig reagiert das Pferd auf die Kommandos. Schließlich steigen wir vom Zaun aus auf, lösen die Tiere im Schritt und gymnastizieren sie mit Volten. Kylja geht von Anfang an locker durchs Genick. "Wenn sie den Kopf runternimmt, viel Zügel lassen", rät die Reitlehrerin.

Kylja entpuppt sich als fein ausgebildetes Pferd. Ich teste sie beim Antraben mit einer minimal zu festen Anlehnung. Irritiert drückt sie mein äußeres Bein an den Zaun, trabt aber nicht an. Ich sitze aufrecht mit leichter Körperspannung, wie es der klassischen Reitweise entspricht. Ein Viergänger interpretiert diese Haltung jedoch als Hilfe zum Tölten – was Kylja prompt umsetzt. "Nie vom Tölt in den Trab oder umgekehrt wechseln", mahnt Kerstin Wolf.

Reiten in Nürnberg: Aglas Hof

"Immer erst zum Schritt durchparieren, dann neu antraben oder antölten." Nur so kann man die Gänge sauber reiten, und es gibt keinen Gangsalat. Bevor meine Mitreiterin und ich Vorhandwendungen reiten, fragt Wolf die Hilfen dafür ab. Dann sollen wir unsere Tiere jeweils einzeln Schritt für Schritt um die Vorhand wenden. Ich lasse Kylja probehalber zwei Schritte vorlaufen: "Mit dem inneren Zügel begrenzen. Das ist die Bremse, damit Kylja nicht vorläuft." Zuletzt darf ich tölten. Kerstin Wolf läuft nebenher und spornt Kylja an, indem sie mit der Gerte wedelt. Dennoch komme ich nicht richtig in den Takt. Laut der Trainerin bin ich zu angespannt. Das gehe anfangs vielen Umsteigern so, die aus der klassischen Reitweise kommen.

Kerstin Wolf will es dabei belassen, weil Kylja gut mitgearbeitet hat und wir die Reitstunde nicht mit einem Frusterlebnis beenden sollen. Kerstin Wolfs Unterricht war gewissenhaft, intensiv und voller Lerneffekte. Sie hat keine Reitlehrerausbildung, kombiniert jedoch geschickt klassische Lektionen mit Elementen aus Signal- und Rai-Reiten. Das ist eine gebisslose Reitweise nach Trainer Fred Rai, bei der unter anderem ohne Gerte und Sporen geritten wird. Für den vielschichtigen, abwechslungsreichen Unterricht gebe ich zweieinhalb Hufeisen.

"Kylja" ist isländisch und heißt übersetzt "Windstoß". Der Name klingt zu heftig für die leichtrittige Stute, die eher wie eine sanfte Brise schmeichelt. Sie reagiert perfekt auf Stimme und Gewichtshilfen. Abzug gibt es dafür, dass sie mich beim Antraben an den Zaun drückte. Das Schulpferd bekommt zweieinhalb Hufeisen.

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Reiten in Nürnberg: Aglas Hof

Normalerweise sind die Pferde tagsüber auf der Wiese, ansonsten leben sie zu sechst im Offenstall. Fünf Isländer werden auf dem Atlas Hof für den Schulbetrieb eigesetzt. Kyljas Hufe sind ordentlich beschlagen, das Sattelzeug ist gepflegt. Die Sattelkammer ist geräumig und aufgeräumt. Abzüge für den Betrieb gibt es lediglich, weil weder Reitplatz noch Halle in Standardmaßen vorhanden sind. Der Betrieb erhält zwei Eisen.

Die 60-minütige Reitstunde zu zweit kostete 20 Euro. Für überdurchschnittlich guten Unterricht auf einem ebensolchen Lehrpferd ist das günstig. Hier könnte Kerstin Wolf mehr verlangen und dauerhaft in großzügigere Reitplätze investieren. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerte ich mit zweieinhalb Hufeisen.



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Bewertung

Schulpferd: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zweieinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Aglas Hof
Suddersdorf 16
91575 Windsbach
Tel. 09871-657538
www.aglashof.de


17.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 1 / 2014 /2014