Reitschul-Test: Reiten im Raum Paderborn

Reiten in Paderborn: Islandpferdegestüt Gut Wertheim

Schulpferd Diljá ist eine ziemlich übereifrige Pferde-Omi. Welche Tipps bekommt unsere Testerin von der Trainerin, damit sich die Isländerstute besser konzentriert?

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Paderborn

10 Bilder
CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer

Simone Sauer ist IPZV Trainerin B und arbeitet seit fünf Jahren beim Islandpferdegestüt Gut Wertheim von Bärbel Daye. Sie gibt heute Unterricht und hat schon ein Pferd für mich ausgesucht – die 24 Jahre alte Isländerstute Diljá. Ich habe mich als Reiterin auf A-Niveau für eine Einzelstunde angemeldet und erzählt, dass ich gerne meine Einwirkung im Tölt verbessern möchte. Stute Diljá scheint das passende Lehrpferd zu sein: Sie soll sich für fortgeschrittene Reiter eignen und gerne tölten.

Wir holen Diljá gemeinsam aus dem Offenstall. Hier wohnt die Stute mit rund 15 anderen Pferden. Die zirka 90 Pferde des Betriebs sind im Winter gruppenweise in Offenställen mit Liegebereich und Paddock untergebracht; im Sommer dürfen die Tiere teils rund um die Uhr auf die Koppeln des Hofs.

Info: So testet CAVALLO Reitschulen

Diljá lässt sich brav führen. Ich putze die Isländerstute mit Bürsten aus einer Putzkiste, die für alle Pferde benutzt wird. Diljás Mähne ist schuppig, weil sie unter Sommerekzem leidet. Das Schulpferd hat einen eigenen Sattel, der mit einem Schweifriemen bestückt ist. Der Riemen soll verhindern, dass der Sattel nach vorne rutscht. Schweifriemen können sich aber selbst bei korrekter Verschnallung negativ auf den Rücken des Pferds auswirken. Die meisten Tiere versuchen, dem Druck des Riemens zu entkommen, indem sie den Rücken wegdrücken. Zu locker verschnallt ist ein Schweifriemen nutzlos. Das Gurten ist der Stute sichtlich unangenehm, sie legt die Ohren an.

Reiten in Paderborn: Islandpferdegestüt Gut Wertheim

Simone Sauer überprüft vor dem Unterricht das Sattelzeug und hilft mir in der Reithalle beim Aufsteigen. Die Trainerin bittet mich schon bald, die Zügel aufzunehmen und Diljá zu lösen. In der Lösungsphase achtet sie aufs Vorwärts-abwärts.

„Geben Sie Paraden und animieren Diljá zum Kauen“, sagt Simone Sauer und beschreibt, wie das funktionieren soll: „Ganz schnell links und rechts am Zügel zupfen, ohne dass sich der Kopf bewegt“. Dieses Zupfen ist in Isländerkreisen verbreitet, jedoch kontraproduktiv: Der Reiter erreicht damit keine vertrauensvolle, stete Anlehnung. Bei Diljá sind die Nachteile des Zupfens gut zu erkennen: Sie kaut kaum, so dass sich der Kiefer nicht löst, und hat Probleme mit der Anlehnung.

Diskutieren Sie im CAVALLO-Forum über Reitschulen

Am Testtag ist die Stute stets über oder hinterm Zügel. Die Trainerin gibt Tipps zur Korrektur: Nimmt Diljá den Kopf hoch, soll ich mit den Zügeln dran bleiben und treiben. Wenn die Stute nachgibt, soll ich ebenfalls mit der Hand nachgeben und weiter treiben, damit sie sich nicht verkriecht. Und zwischendurch wiederholt zuppeln. Das Anlehnungs-Jo-Jo zieht sich dennoch durch die gesamte Reitstunde.

Problematisch ist zudem das Anhalten: Die Isländerstute reagiert nur, wenn ich vermehrt die Zügel einsetze. Gewichts- und Schenkelhilfen ignoriert sie. Diljà ist lieber flott unterwegs. Deswegen wird sie bei Ausritten mit Reitschülern meist von Simone Sauer selbst geritten.

Als Lehrpferd punktet die 24-jährige Diljá im Verlauf des Unterrichts, weil sie fein aufs Bein reagiert. So kann sich der Reiter gut auf seinen Sitz konzentrieren und auf die Anweisungen der Trainerin achten.

Reiten in Paderborn: Islandpferdegestüt Gut Wertheim

Simone Sauer verlangt Lektionen wie Schenkelweichen und Schultervor auf der Zirkellinie sowie Schlangenlinien. Auch im Tölt reite ich viele Wendungen. „Die innere Hand kurz etwas höher nehmen, damit Diljá in der Wendung die Schulter besser hebt“, rät die Trainerin. Sonst würde das Pferd über die Schulter weglaufen. Simone Sauer begleitet meinen Ritt bei jedem Schritt, kommentiert die Hilfengebung und lässt mich Diljá auch im Tölt das Vorwärts-abwärts suchen, was gut gelingt. Die Trainerin bekommt zwei Hufeisen. Abzüge gibt es für die ständige Aufforderung zum Zupfen an den Zügeln.

Die 24-jährige Diljá ist ein Pferd für fortgeschrittene Reiter, wie die Trainerin vor dem Unterricht sagte. Vor allem die Anlehnung ist problematisch. Defizite bei der Ausbildung äußern sich darüber hinaus beim Halten. Die Stute ist auch nicht gleichmäßig gymnastiziert: Links hat sie eine schwierigere Seite. Der gut töltenden Isländerstute gebe ich ein Hufeisen.

Der Betrieb erhält zweieinhalb Eisen für artgerechte Pferdehaltung und umfassende Ausstattung wie eine neu angelegte Ovalbahn. Eine neue Reithalle ist in Planung. Abzüge gibt es fürs Gemeinschaftsputzzeug.

Der etwa halbstündige Einzelunterricht kostet 25 Euro. Bei engagiertem Unterricht auf einem durchschnittlichen Lehrpferd bewerte ich das Preis-Leistungs-Verhältnis mit anderthalb Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eineinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Islandpferdegestüt Gut Wertheim
33014 Bad Driburg
Tel.: 05259-8161
www.islandpferde-gutwertheim.de


21.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO