Reitschul-Test: Reiten im Raum Paderborn

Reiten in Paderborn: Reitverein Schloss Neuhaus

Schulpferd Ronja kann ihre Mitstreiter aus der Lehrpferd-Truppe nur auf der Koppel leiden. In der Bahn bockt sie, sobald ihr ein anderes Pferd in die Quere kommt. Bleibt Miriam Kreutzer oben?

Fotostrecke: Reitschul-Test: Reiten in Paderborn

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CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Paderborn Foto: Miriam Kreutzer

Am Testtag stehe ich zunächst vor dem falschen Stall. Bei der telefonischen Anmeldung hatte Trainerin Jana Sprekelmeier vergessen mir zu sagen, dass der Verein umgezogen ist. Glücklicherweise wissen Einsteller des Hofs, auf dem ich mich befinde, wo ich hin muss.

Der neue Stall des Vereins hat einen 20 x 40 Meter großen Reitplatz. Die Pferde sind tagsüber auf den Koppeln des Betriebs. Sie kommen nur nachts in den Stall. Die Boxen sind ordentlich eingestreut, der Stall aber dunkel, die Decke niedrig. Jana Sprekelmeier teilt mir Schulpferd Ronja zu.

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Die Westfalenstute ist zwölf Jahre alt und hat einen leichten Karpfenrücken. Ihre vier beschlagenen Hufe müssten dringend vom Schmied bearbeitet werden, da sie zu lang sind. Der Hufschmied komme am nächsten Tag, sagt Jana Sprekelmeier, als ich sie auf die Hufe anspreche. Schulpferd Ronja hat kein eigenes Putzzeug. Das gab es wohl mal, beim Umzug sei aber alles durcheinander gekommen, sagt die Trainerin. Beim Satteln ist Ronja brav. Sie leidet aber unter Gurtzwang und legt die Ohren an, als ich gurte.

Reiten in Paderborn: Reitverein Schloss Neuhaus

Mit drei anderen Reitern teile ich mir die Bahn. Wir sollen selbstständig reiten und darauf achten, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Das gilt besonders für Ronja, die ihre Schulpferd-Kollegen in der Bahn nicht leiden kann. Kommt uns einer zu nah, fängt die Stute an zu bocken. Das ist nicht angenehm, weil sich Ronja dabei in der Luft dreht. Ich bleibe zwar oben, kann mir aber vorstellen, dass weniger geübte Reiter bei solchen Sprüngen schnell am Boden liegen. Dazu kommt, dass Ronja wegen ihrer zu langen Hufe ab und an stolpert. In Schritt, Trab und Galopp geht sie gegen den Zügel. „Nehmen Sie den Zügel an, und geben Sie erst nach, wenn das Pferd nachgibt.“ rät Jana Sprekelmeier.

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Am Bein ist Ronja stumpf, lässt sich also nur schwer an den Zügel herantreiben. Die Stute reagiert nur, wenn der Reiter mit den Hacken massiv insistiert. Weil der Schenkelgehorsam nur mäßig ist, kippt Ronja bei Zügeldruck sofort mit dem Kopf ab und verkriecht sich hinterm Zügel. Ich versuche gefühlvoll nachzugeben und die Stute immer wieder über den Schenkel an den Zügel herantreten zu lassen.

In den Kurven hat Ronja Balanceprobleme und läuft über die Schulter weg. Schenkelweichen klappt nur ansatzweise, ein Hinterbein wirkt steif. Das fällt noch stärker auf, als ich wieder am Boden bin und die nächste Reitschülerin auf der Stute beobachte.

Ronja ist kein Schulpferd, von dem ich etwas lernen konnte. Sie sollte schonend Korrektur geritten werden. Ein halbes Hufeisen für die Stute, weil sie im
Umgang brav war.

Reiten in Paderborn: Reitverein Schloss Neuhaus

„Zügel kürzer, Zügel durchhalten, innen Paraden geben.“ Das waren die Tipps, die ich von Jana Sprekelmeier am Testtag bekam. Wichtige Aspekte wie Sitz und Schenkeleinwirkung fehlten, obwohl Paraden ohne diese Hilfen nicht funktionieren. Ich hätte mir mehr Hinweise zu Sitz und Einwirkung gewünscht. Der Trainerin gebe ich ein halbes Hufeisen.

Für den Betrieb notiere ich Abzüge. Laut Trainerin bekommen die Schulpferde keinen Korrekturberitt, weil sie sonst überlastet würden. Jedes der sechs Schulpferde des Vereins laufe schon drei Stunden am Tag. Eine vierte Stunde wäre für die Tiere zu viel. Diese Rechnung geht nicht auf: Denn ohne regelmäßige Gymnastizierung durch gute Reiter bleibt jedes Schulpferd am Ende auf der Strecke. Dem Verein gebe ich ein Hufeisen, da die Pferde tagsüber auf Koppeln kommen.

Ich zahle für eine Unterrichtsstunde mit drei Mitreitern 13 Euro. Für wenig lehrreichen Unterricht auf einem schlecht ausgebildeten Pferd ist auch das zu viel. Der Verein würde sicher besser dastehen, wenn die Pferde sinnvoll ausgebildet würden. Dann könnte er mehr Geld für die Reitstunde verlangen, die Trainer könnten besseren Unterricht geben, und ein weiteres Schulpferd könnte die zu leistende Reitstundenzahl mittragen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erhält kein Eisen.

Bewertung

Schulpferd: ein halbes von drei Hufeisen
Reitlehrer: ein halbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistung: keines von drei Hufeisen

Kontakt

Reitverein Schloss Neuhaus
33104 Paderborn-Sennelager
Tel.: 01234-565656
www.rv-schlossneuhaus.com


21.10.2014
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO