Reitschul-Test: Reiten im Raum Stuttgart

Reiten im Raum Stuttgart: RG Hegnach-Oeffingen

Die sechsjährige Peaches schnappt und soll unterm Reiter ab und zu buckeln. Doch in der Reitstunde wendet sich das Blatt erstaunlich.

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer

Autsch! Peaches Zähne treffen meine Schulter. Zum Glück dämpft meine Outdoorjacke, die als Regenschutz dienen sollte, den Biss.

Die Vereinsreitlehrerin wird heute durch Jacki vertreten, deren Nachnamen ich nicht erfahre. Angemeldet bin ich für eine Gruppenstunde – als sattelfeste Reiterin und nach einigen Monaten Reitpause. Peaches ist eine sechsjährige Warmblutstute und seit einem Dreivierteljahr im Schulbetrieb. „Vielleicht hat Peaches schlechte Laune, weil sie wegen des Regens nicht auf die Koppel durfte“, vermutet Jacki. Tatsächlich kann es Pferden die Stimmung vermiesen, wenn der gewohnte Auslauf fehlt. Beißen darf ein Pferd dann trotzdem nicht.

Doch die Schimmelstute schnappt immer wieder in die Luft oder nach mir. Auch weicht sie aus, wenn ich die Flanken berühre oder eine Hand mit dem Striegel hebe. Da ich beim Putzen alleine bleibe, bin ich etwas ratlos. Ich bewege mich ruhig und massiere einen Akupunkturpunkt unter der Oberlippe. Das beruhigt Peaches, sie kaut und entspannt sich. Gestern soll sie in der Reitstunde gebuckelt haben. Was kommt nun auf mich zu?

Beim Trensen drängt Peaches nach vorne. Ich schnalle den Kinnriemen bewusst falsch herum ein. Jacki merkt das und korrigiert den Sitz der Trense. Auch prüft sie sorgfältig, ob der Sattel richtig liegt. Damit punktet die Trainer-Vertretung.

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Reitschul-Test: Reiten im Raum Stuttgart

In der 20 x 40 Meter großen Reithalle soll ich Dreieckszügel einschnallen und aufsitzen. Im Schritt ist Peaches steif, auch die ersten Trabrunden sind eher holprig. Peaches Rücken ist fest und schwingt nicht, die Hinterhand schleift. Die Zunge der Stute ist umso aktiver und schlabbert links aus dem Maul. Die Sechsjährige stützt sich so schwer aufs Gebiss, dass ich nach vorne gezogen werde und fast die Balance verliere.

„Setz dich mehr nach hinten und treibe mit dem inneren Schenkel an den äußeren Zügel“, rät Jacki. „Schultern zurück.“ Der Rat ist richtig, hilft mir jedoch zunächst nicht weiter. Ich soll auf den Zirkel abwenden. „Reite Übergänge und denk an Pausen, in denen du und das Pferd sich entspannen können.“ Mit feinen Paraden am inneren Zügel und einer konstanten äußeren Hand soll ich Peaches durchlässiger machen. Leichter wird das nach dem ersten Galopp, wobei ich jeden Sprung deutlich heraustreiben muss, weil Peaches sonst ausfällt. Das nehme ich dem Lehrpferd nicht übel. Im Gegenteil erzieht Peaches Reiter so zu konsequenten und verständlichen Hilfen. Dann lässt die Stute allmählich los und wird fleißg.

Jacki ist keine Profitrainerin, hat aber ein gutes Auge und merkt sofort, wenn Hilfen oder Sitz nachlässig werden. Das beobachte ich auch, wenn sie meine Mitreiterin korrigiert. Jackis Tipps sind hilfreich, könnten manchmal jedoch etwas anschaulicher sein. Beim Putzen hätte sie einen neuen Reitschüler nicht alleine lassen sollen. Sie bekommt eineinhalb Eisen.



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Das junge Schulpferd ist nach 30 Minuten wie ausgewechselt. Jacki schnallt die Dreieckszügel aus. Peaches unterlässt die Zungenspiele, kaut auf dem Gebiss und schwingt durch den Rücken. Unterm Sattel ist sie aufmerksam und willig. Weil sie konsequente Hilfen fordert, zwingt sie zu korrektem Reiten.

Gegen Ende soll ich wenige Tritte Schulterherein in Schritt und Trab probieren. Darin ist die Sechsjährige noch ungeübt, bemüht sich jedoch eifrig und setzt die Hilfen gut um. Zum Abschluss üben wir Zulegen und Einfangen im Galopp. Weich komme ich mit den Paraden durch, der starke Galopp ist angenehm und gut durchgesprungen. Peaches bekommt ein halbes Hufeisen, weil sie beim Reiten gut mitmachte. Punkte kostet das Beißen im Stall. Dieses Verhalten ist im Schulbetrieb gefährlich. Reaktionen der Stute wie das Ausweichen vor erhobenen Händen deuten auf schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit hin; bevor Reitschüler die Stute sicher händeln können, müsste sie erst Vertrauen zum Menschen aufbauen.

Reitschul-Test: Reiten im Raum Stuttgart

Der Betrieb erhält zwei Hufeisen. Das Sattelzeug ist gepflegt, es gibt eigenes Putzzeug und ein Tagebuch, in dem steht, wer sich wann um die Pflege der Schulpferde und ihre Ausrüstung kümmert. Die Pferde kommen täglich auf die Koppel.

Der 60-minütige Unterricht mit zwei Teilnehmern kostete 20 Euro. Vereinsmitglieder zahlen 58 Euro im Monat für eine Reitstunde wöchentlich. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerte ich mit zwei Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: ein halbes von drei Hufeisen
Reitlehrer: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt

RG Hegnach-Oeffingen
Hartweinbergstraße 11
71334 Waiblingen,
Tel. 07151-57291
www.rg-hegnach.de


14.12.2013
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe November 2013/2013