Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Reiten in der Kurpfalz: Tinkerhof Reinhard

Tinker-Stute Kira ist sensibel am Bein, aber halbe Paraden kommen nur schwer bei ihr an. Hat Reitlehrerin Kerstin Reinhard die richtigen Tipps für Testerin Miriam Kreutzer?

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Reitschultest in der Kurpfalz Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest in der Kurpfalz Foto: Miriam Kreutzer
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Mitten in einer kleinen Siedlung außerhalb von Heidelberg steht ein unauffälliges Wohnhaus. Dahinter verbirgt sich ein großer Reitbetrieb. Begrüßt wird man auf dem Hof von einer frisch geschorenen Gruppe Alpakas, Ziegen, Kaninchen und Hunden. Sie erinnern ein wenig an die Bremer Stadtmusikanten.

Danach erreicht man Ställe, Paddocks und schließlich den Außenreitplatz. Dort treffe ich Reitlehrerin und Betriebsinhaberin Kerstin Reinhard. Die Tinker-Stute Kira hat schon eine Reitstunde hinter sich, und ich übernehme sie am Reitplatz. Kerstin Reinhard schnallt die Dreieckszügel aus und lässt uns am langen Zügel warmreiten.

"Das Pferd soll nicht versteifen, weil es gleich am Anfang am Zügel gehen muss", sagt sie. Ich soll Bahnfiguren reiten, was aber alleine mit Gewichts- und Schenkelhilfen nicht funktioniert. "Beim Handwechsel schon mal die Zügel annehmen", rät die Reitlehrerin, als es nicht klappt. "Kira ist ein wenig speziell, was Paraden betrifft", sagt Kerstin Reinhard. "Die müssen Sie schon ganz deutlich geben."

Am Bein sei die 16-Jährige ganz sensibel. Ich soll die Zügel aufnehmen, der Unterricht startet. Schnell stellt sich heraus, dass Kira feine Paraden nicht gerne annimmt. Ich muss den Zügel deutlich annehmen und fast daran ziehen, damit die Parade im Maul ankommt und die Stute im Genick nachgibt.

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Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Kerstin Reinhard stellt sich neben mich und veranschaulicht mit ihrer Hand die zupfende Aufwärtsbewegung, die sie meint. Die Reitlehrerin legt großen Wert auf eine gleichmäßige Anlehnung und korrektes Vorwärts-Abwärts-Reiten. "Bei Kira ist die Haltung dann richtig, wenn der Hals waagerecht ist und der Kopf senkrecht", erklärt Kerstin Reinhard. Sie schnallt die Dreieckszügel ein, damit sich Kira leichter dehnt. "Mit Hilfszügel ist es noch genug Arbeit", sagt die Trainerin.

Kurze Zeit später kaut Kira auf der Trense und wölbt nach und nach den Rücken auf. Die Stute ist ein sehr gehfreudiges Schulpferd. Sie trabt und galoppiert fleißig vorwärts. Dabei ist sie in allen Gangarten schön zu sitzen. "Sie ist unser bequemstes Pferd", bestätigt die Trainerin. Manchmal ist ihr Tempo fast zu flott, aber mit Volten und Zirkeln kann man sie gut regulieren. Diese Lektionen helfen dem Reiter, die Scheckstute in die richtige Innenstellung zu bringen.

Kira hat ein Stockmaß von 1,52 Metern. Sie kam als Dreijährige direkt aus Irland und ist seit 13 Jahren auf dem Tinkerhof. "Sie reagiert leider schon immer sehr empfindlich auf die Gerte, da muss mal was vorgefallen sein", sagt Kerstin Reinhard. Sie sei aber das absolute Verlasspferd. Die willige Stute bekommt zwei Hufeisen. Ein Eisen ziehe ich ab, weil feine Paraden nur schwer ankommen.

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Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Betriebsinhaberin Kerstin Reinhard ist Trainerin C. Im Unterricht legt sie besonders Wert auf eine gute Stellung und Biegung des Pferds. Ihre Übungen sind anspruchsvoll, sie gibt dem Reiter im Verlauf der Stunde die richtigen Tipps zum richtigen Zeitpunkt. Abzug gibt es, weil sie mich anfangs bei den Bahnfiguren am langen Zügel nur wenig unterstützte. Der sonst sehr intensive Unterricht der Reitlehrerin bekommt am Ende zwei Hufeisen.

Auf dem Tinkerhof gibt es keine Reithalle. Ein achteckiges Reitzelt mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern steht für ganz schlechtes Wetter zur Verfügung, ansonsten findet der Unterricht wie am Testtag auf dem etwa 20 x 40 Meter großen Reitplatz statt. Schulpferd Kira steht nur nachts oder bei Gewitter und Sturm in ihrer etwa 2,50 x 2,50 großen Außenbox. Ansonsten ist sie in der Herde auf dem Paddock oder auf der Koppel. Dort stehen auch die anderen sechs Schulpferde. Kiras unbeschlagene Hufe sind sauber ausgeschnitten. Sattel und Zaumzeug passen. Die Stute hat eine eigene Putzkiste in einer ordentlichen Sattelkammer. Kiras Langhaarmähne ist eingeflochten, damit sich der Reiter nicht darin verheddert und sie ihr beim Fressen nicht in die Quere kommt.

Der Betrieb züchtet und bildet die Pferde selbst aus. Nach einiger Zeit als Schulpferd gehen sie in Privatbesitz. Der Tinkerhof punktet mit zweieinhalb Hufeisen, ein halbes Hufeisen ziehe ich ab, weil eine Halle in Standardmaßen fehlt. Die 45-minütige Einzelstunde hat 30 Euro gekostet. Das ist für den gewissenhaften Unterricht ein guter Preis, der im Preis-Leistungs-Verhältnis mit zwei Hufeisen abschneidet. Zu zweit in der Gruppe zahlt man 20 Euro, in einer Gruppe bis vier Mitreitern je nach Teilnehmerzahl zwölf bis 15 Euro.

Bewertung:

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt:

Tinkerhof Reinhard
69124 Heidelberg
Tel. 0176-31239310
www.tinker-vom-kurpfalzhof.de

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Reitanlage Reitschule Pferdehof Reiterhöfe Pfalz Foto: Miriam Kreutzer
Reitanlage Reitschule Pferdehof Reiterhöfe Pfalz Foto: Miriam Kreutzer
Reitanlage Reitschule Pferdehof Reiterhöfe Pfalz Foto: Miriam Kreutzer
Autor: CAVALLO Redaktion Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2012