Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Reiten in der Kurpfalz: Wersauer Hof

Weil Reitlehrerin Rosi Lindner nicht unterrichtet, reitet Miriam Kreutzer auf eigene Faust. Kann Connemara-Stute Mable überzeugen?

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Reitschultest in der Kurpfalz Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest in der Kurpfalz Foto: Miriam Kreutzer
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Eine Teilnehmerin der Gruppenstunde nimmt mich aufgeregt in Empfang. Betriebsinhaberin Sandra Winter habe mich nicht erreichen können, mir aber eigentlich die Stunde absagen wollen. Schulpferd Caddy, das mir zugeteilt war, sei krank. "Wir beide sollen uns jetzt Mable teilen, jeder hat dann eine halbe Stunde Unterricht", sagt sie.

Mable geht in der Stunde davor und ist in der Halle. Die Stute ist 15 oder 16 Jahre alt und ein Connemara-Pony. Meine Mitreiterin reitet zuerst. Nach 20 Minuten übergibt sie die Schimmelstute, die lustlos und triebig wirkte. Reitlehrerin Rosi Lindner übernimmt mich und sagt: "Ich schau mir erst einmal an, wie Sie reiten. Gewöhnen Sie sich im Schritt an das Pferd." Als mir das zu langweilig wird, reite ich Bahnfiguren.

Einige Zeit später sagt Lindner, ich solle Mable antraben, auf beiden Händen galoppieren und selbstständig weiterreiten. Es ist die letzte Anweisung für die Stunde. Es folgen keine Korrekturen, keine Tipps, die Reitlehrerin verlangt keine Lektionen von mir. Mable galoppiert auf der linken Hand gut. Auf der rechten rennt sie im Trab los, sobald die Galopphilfe bekommt. Derweil unterhält sich Rosi Lindner am Hallentor. Sie hat sich vom Unterricht abgewendet. In dieser Zeit erhalten auch meine beiden Mitreiterinnen in der Gruppenstunde keine Korrekturen.

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Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Nach etwa der Hälfte meiner 30-minütigen Stunde kommt Betriebsinhaberin Sandra Winter in die Bahn. Sie stellt sich vor und möchte wissen, ob ich nun regelmäßig kommen werde. "Es gehen acht Pferde im Unterricht, davon zwei Ponys. Manche sind in Privatbesitz und für den Unterricht geliehen – wie Mable beispielsweise", sagt Winter. Sie verabschiedet sich. Ich bin weiter auf mich gestellt. Als sich Rosi Lindner wieder der Reitgruppe zuwendet, frage ich nach dem Galopp auf der rechten Hand. "Das kann Mable nicht", sagt sie. "Sie ist eher ein Freizeitpferd, geht viel ins Gelände und ist nicht fürs Galoppieren in der Bahn ausgebildet."

Ich frage, was ich tun kann, um sie rechts richtig anzugaloppieren. "Gar nichts", antwortet Lindner. "Einfach auf dieser Hand nicht galoppieren, sondern eben nur auf der linken." Dadurch wird Mable nie beidseitig gymnastiziert. Am Ende der Stunde lobt Lindner mein fortgeschrittenes Können. Ihr Unterricht hat sich bei mir ausschließlich aufs Zuschauen beschränkt, wodurch ich nichts gelernt habe. Ich hätte auch mit Mable alleine in der Bahn üben können. Meine beiden Mitreiterinnen bekamen wenig Unterstützung. Jede hatte Schwierigkeiten.

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Reitschul-Test: Reiten in der Kurpfalz

Das eine Pferd rennt im Trab, statt zu galoppieren. "Nein, falsch", sagt die Trainerin, erklärt aber nicht, wie es besser geht. Rosi Lindner beauftragt die Mitreiterinnen, mich beim Absatteln zu unterstützen und geht. Für die Reitwartin, die selbst bis S-Springen ritt, gibt es kein Hufeisen. Schimmelstute Mable entpuppt sich im Laufe der Stunde als rittiges Pferd. Sie lässt sich leicht flott machen. Im Schritt löst sie sich schnell und kaut entspannt auf der Trense. Sie dehnt sich vorwärts-abwärts. Nachdem ich sie mit der Gerte angetippt habe, trabt sie in fleißigem Tempo.

Mable hat schöne Gänge und ist bequem zu sitzen. Auf Schenkelhilfen und Paraden reagiert sie fein und gibt weich im Genick nach. Ein Eisen ziehe ich ab, weil ihr die beidseitige Gymnastizierung im Galopp fehlt. Zwei Eisen für das brave Schulpferd. Der Betrieb punktet in der Haltung. Mable wohnt in einer Paddockbox. Die Schulpferde kommen täglich auf die Weiden, im Winter auf die Matschkoppeln und Paddocks. Schulpferd Caddy hustet am Testtag und wird geschont. Das ist fürsorglich. Die Sattelkammer ist sauber, ebenso Mables Sattel und Zaumzeug.

Die Hufe der Stute sind beschlagen und in einem gutem Zustand. Der Betrieb verfügt über eine 20 x 40 Meter große Reithalle, einen 20 x 60 Meter großen Außenreitplatz, Roundpen und Longierzirkel. Der Sandbelag staubt am Testtag sehr. Nach der Stunde habe ich rote Augen. Ob Caddys Husten damit zusammenhängt, kann man nur vermuten. Insgesamt gibt es ein Hufeisen Abzug, es bleiben zwei.

Die 30-minütige Probestunde war kostenlos, weswegen das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gewertet werden kann. Es gibt Zehnerkarten für 180 Euro, egal, ob 60 Minuten in der Gruppe mit maximal vier Reitern oder einzeln geritten wird. Das ist ein günstiger Preis. Hier könnte der Betrieb mehr verlangen und in zusätzliche Qualifikationen des Reitlehrers investieren.

Bewertung:

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: null von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: keine Wertung

Kontakt:

Wersauer Hof
68799 Reilingen
Tel. 0152-28798050
www.abenteuerreiten-winter.de

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
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03.12.2012
Autor: CAVALLO Redaktion Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2012