Reitschul-Test: Reiten in der Pfalz

Reiten in der Pfalz: Erlebnisreiten

Auf dem Wanderreithof liegt der Fokus auf abwechslungsreichem Freizeitreiten. Wie setzt der Unterricht diesen Schwerpunkt um?

Pferde und Reiter brauchen Abwechslung. Das findet Dina Uhland, Bereiterin und Trainerin C von Erlebnisreiten beziehungsweise „Wanderreiten à la Carte“, wie sich der Betrieb auch nennt. „Ein Pferd ist nicht dafür gemacht, stur im Kreis zu laufen“, sagt sie. Deshalb werde bei ihr Abwechslung großgeschrieben mit einem Mix aus Reiterspielen, Bodenarbeit, Springen und Geländetraining. Es gehe auch nicht darum, wie gut jemand reiten könne, sondern welche Einstellung er gegenüber dem Pferd habe, betont Uhland.

Das Wohl der Tiere ist für sie oberstes Gebot

Nach diesen Ausführungen bin ich sehr neugierig auf den Unterricht. Der startet schon beim Putzen von Quarter-Mix-Wallach Luca, den ich heute reiten werde. „Beim Putzen sehen Sie, wie das Pferd drauf ist und das Tier spürt, wie es Ihnen geht. Außerdem wird dabei seine Durchblutung angeregt.“ Uhland zeigt mir eine frische Bissverletzung am Widerrist, die ich großzügig aussparen soll. „Luca ist als Herdenführer zwar dominant, bekommt dennoch auch mal eins auf die Nase.“

Die Reitstunde mit einer Mitreiterin findet auf dem Außenplatz statt, der etwa 12 x 38 Meter misst. Uhland erklärt zunächst die Phasen des Unterrichts: „Erst wollen wir das Pferd kennenlernen und lösen. Dann folgt die Arbeitsphase und am Ende die Erholungsphase.“ So handhabt sie den ganzen Unterricht: Alles wird erläutert, hinterfragt und erklärt. Die Schritt-Halt-Übergänge klappen beispielsweise nicht auf Anhieb. Uhland erklärt, wie Reiter beim Pferd ein Kommando in bis zu drei Stufen durchsetzen: „Erst bitten wir. Passiert nichts, fordern wir auf. Und wenn dann immer noch nichts geht, verlangen wir es.“ Die Praxis: Ein „Whoa“ und leichtes Einsetzen in den Sattel zum Anhalten. In der nächsten Stufe energischer einsitzen und das „Whoa“ deutlicher ausrufen. Hält das Pferd immer noch nicht, wird der Zügel eingesetzt.

Die letzte Stufe ist bei Schulpferd Luca nicht nötig. Ich reite mit Knotenhalfter und Seil ohne Anlehnung. Das Seil brauche ich nur unterstützend für die Richtungsangabe beim Abwenden oder Figurenreiten. Luca reagiert so fein auf Schenkel und Gewicht, dass auch diese Unterstützung nur minimal ausfällt.

Die Pferde richtig vorwärtsabwärts zu reiten, ist einer der Schwerpunkte des Unterrichts. Wir üben außerdem Galopp-Schritt-Wechsel und Rückwärtsrichten. Wieder erfahren wir den Sinn der Übung: Der Reiter soll sich so beim Pferd durchsetzen lernen und sein Pferd parallel gymnastizieren.

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Reitschul-Test: Reiten in der Pfalz

Dina Uhland sorgt mit ihrem Unterricht für einen Aha-Effekt nach dem anderen, liefert viel Hintergrundwissen und zu jeder Zeit konkrete Hilfestellungen. Der anschauliche, lehrreiche Unterricht der Trainerin verdient drei Hufeisen. Die Bestnote bekommt auch der 16-jährige Luca. Der Quarter-Mix ist ein gut ausgebildetes, sensibles und durchlässiges Schulpferd, das wie am seidenen Faden läuft. Er reagiert auf feine Hilfen ebenso gut wie auf Stimme.



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Bei der Pferdehaltung punktet der Betrieb: Die Tiere stehen tagsüber im Herdenverband auf einer Koppel mit Unterstand, nachts im Offenstall. Lucas Hufe sind gepflegt und frisch beschlagen. Spätestens alle sieben Wochen kommt der Schmied, weil die Pferde viel im Gelände sind. Das Reitangebot selbst ist umfangreich. Man kann sowohl regelmäßig Unterricht nehmen als auch im Gelände trainieren und an Halbtages- oder Tagesritten teilnehmen. Alle Angebote sind individuell miteinander kombinierbar. Dem Hof fehlen für die Bestnote lediglich eine Reithalle und ein größerer Reitplatz. Das ergibt zweieinhalb Hufeisen für den Betrieb.

Reitschul-Test: Reiten in der Pfalz

Der 60-minütige Unterricht zu zweit hat 20 Euro gekostet. Diese Pauschale ist unabhängig von der Anzahl der Reiter, maximal werden jedoch nur drei pro Gruppe angenommen. Für den herausragenden Unterricht ist das sehr günstig. Hier könnte der Betrieb durchaus mehr verlangen und mit der Zeit in eine Halle investieren. Zweieinhalb Hufeisen für das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein zweistündiges Geländetraining und ein Halbtagesritt kosten jeweils 50 Euro, ein Tagesritt 85 Euro.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zweieinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Erlebnisreiten
67071 Ludwigshafen
Tel. 0621-524308
www.erlebnisreiten.de

23.09.2013
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 06/2013