Reitschul-Test: Reiten in Hamburg

Reiten in Hamburg: Boberger Reitverein

Fjord-Wallach Intervall ist das Verlasspferd des Reitvereins – solange man ihn in Ruhe lässt. Fordert ihn der Reiter, lupft er sein Hinterteil. Wie reagiert die Reitlehrerin?

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Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
Reitschulen im Test Foto: Miriam Kreutzer
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Die Vor- und Nachnamen der Reitlehrer vom Boberger Reitverein in Hamburg haben zufällig einen Gleichklang. Sie beginnen mit dem gleichen Buchstaben: Jule Jacke, Birte Bars und Stefanie Stanelle. Letztere treffe ich bei meiner Anmeldung im Büro des Reitstalls.

Sie hat gerade die Nachricht bekommen, dass in Schleswig-Holstein das Herpes-Virus grassiert. "Schlimm ist das. Da sollte kein fremdes Pferd auf die Anlage kommen. Turniere sind tabu", erklärt sie verantwortungsbewusst.

Am Testtag soll ich Fjord-Wallach Walli reiten, der eigentlich Intervall heißt. Er ist 17 Jahre alt und hat ein Stockmaß von etwa 1,40 Metern. Walli ist eins von 15 Schulpferden. Seine Box ist etwa 3 x 2,80 Meter groß. Eigenes Putzzeug liegt in einem Spind an der Box.

Auf einem Schild ist zu lesen, dass Walli drei Mal täglich Hafer und Silage bekommt. Ich sattele Walli mit einem Vielseitigkeitssattel, nachdem ich ihn vom Paddock geholt habe. Dort hat er seinen Nachmittag verbracht.

Beim Boberger Reitverein sind die Schulpferde jeden Tag draußen. Es gibt Weiden und Paddocks, die alle gepflegt sind. Dasselbe gilt für die zwei Reithallen und den Außenreitplatz. "Ich gebe Ihnen heute Walli, weil ich nicht genau weiß, wie gut Sie reiten," begründet Stanelle.

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Reitschul-Test: Reiten in Hamburg

Walli und Rapunzel sind ihre zuverlässigsten Schulpferde, die sie Neulingen aus Sicherheitsgründen gibt. Auch dass ich die Dreieckszügel sofort einschnallen soll, begründet sie damit, mich nicht zu kennen. Es reiten vier weitere Reitschüler in der etwa 20 x 40 Meter großen Reithalle.

Das entspricht der Aussage auf der Internetseite, dass in der Gruppenstunde maximal mit fünf Mitreitern gerechnet werden muss. Jeder von uns darf reiten, wie er möchte, inklusive Richtungswechsel. Das finde ich angenehm.

Nicht so angenehm wirkt Walli. Er ist steif, legt sich auf die Hand und ist triebig. Auf den Schenkel reagiert er unwillig. Ich soll eine Gerte nehmen, aber vorsichtig sein. Walli werfe den Hintern in die Luft, wenn man ihn antippe. "Viele Schüler verzichten daher auf die kleine Aufmunterung", erzählt Stefanie Stanelle.

Tatsächlich macht der Fjord-Wallach Bocksprünge, sobald ich ihn touchiere. Er wird aber deutlich wacher, und die kleinen Buckler sind für mich problemlos zu sitzen. Ich reite viel Schritt, Schulterherein und Tempowechsel. Nach und nach wird Walli nachgiebiger an der Hand und löst sich.



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Reitschul-Test: Reiten in Hamburg

Auf der rechten Hand lässt er sich nur schwer stellen. Beim Angaloppieren springt er zunächst falsch an. Walli hat eine erkennbare Ausbildung. Er sollte aber häufiger Korrektur geritten werden, damit er wieder feiner auf den Schenkel reagiert. Ich gebe dem Fjord-Wallach ein Hufeisen.

Stefanie Stanelles Unterricht ist für mich nicht hilfreich. Die Reitlehrerin macht nur selten Vorschläge, was geritten werden sollte. "Jetzt könnt ihr mal Schritt-Galopp-Übergänge machen", ruft sie zum Beispiel. Sie sitzt auf einem Stuhl an der langen Seite der Halle und kann gerade so über die Bande gucken. "Setzen Sie sich etwas aufrechter hin und versuchen Sie, Ihre Hände mehr zu tragen." Das ist der einzige Kommentar der Reitlehrerin zu meinem Ritt.

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Ich bin etwas verunsichert und frage deshalb am Ende nach. Sie sei mit mir zufrieden gewesen und habe deswegen nicht weiter korrigiert, sagt Stefanie Stanelle. Die Reitlehrerin hat sich Gedanken um die Sicherheit gemacht und mir ein Pferd gegeben, das zuverlässig ist, solange man nichts von ihm verlangt. Abzüge gibt‘s beim Unterricht, der sich auf wenige Kommandos beschränkte. Bei einem Mitreiter übersieht sie eine viel zu hohe Hand, die den Kopf des ausgebundenen Pferds weit hinter die Senkrechte zieht. Ein halbes Eisen für die Reitlehrerin.

Der Schulunterricht wird vom Boberger Reitverein betrieben. Die Anlage punktet mit guter Organisation und Koppelgang für die Schulpferde. Ein Hufeisen ziehe ich ab, weil Walli in einer vergitterten Innenbox ohne Fenster lebt. Ich gebe dem Betrieb zwei Hufeisen.

Für Reitschüler besteht die Möglichkeit, zehn Probereitstunden zu nehmen. Dann muss man sich entscheiden, dem Verein beizutreten. Die Aufnahmegebühr beträgt einmalig 100 Euro. Zusätzlich müsste man einen Monatsbeitrag von 20 Euro bezahlen und 50 Euro im Monat für eine Reitstunde wöchentlich. Das ist grundsätzlich ein fairer Preis für die Gruppengröße. Weil aber weder die Reitlehrerin noch das Schulpferd voll überzeugen konnten, vergebe ich beim Preis-Leistungs-Verhältnis ein Hufeisen.

Bewertung:

Schulpferd: ein von drei Hufeisen
Reitlehrer: einhalbes von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: ein von drei Hufeisen

Kontakt:

Boberger Reitverein
21033 Hamburg
Tel. 0172-8778842
www.boberger-reitverein.de

Fotostrecke: Test: Reitschulen im Erzgebirge

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Reitschultest Erzgebirge Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest Erzgebirge Foto: Miriam Kreutzer
Reitschultest Erzgebirge Foto: Miriam Kreutzer
30.11.2012
Autor: CAVALLO Redaktion Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 09/2012