Sattelanpassung: Statische und dynamische Sattel-Mess-Systeme

Sattelpassform - Problemfall Widerrist

Handarbeit gegen Technik: Statische und dynamische Mess-Systeme sollen Sattlern ihre Arbeit erleichtern. Ist eine der Methoden besser? Wie lässt sich sicher feststellen, welcher Sattel einem Pferd passt?

 

Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
Foto: Rädlein Der Warmblut-Wallach hat durch seinen extrem steilen Widerrist eine problematische Sattellage. Der Sattelgurt liegt sehr weit vorne, der Bauch erschwert die Gurtung zusätzlich.

Ein extremer Widerrist und ein schwieriges Exterieur verlangen vom Sattler ein gutes Augenmaß. Oder Unterstützung durch technische Messgeräte. Der Warmblut-Wallach ist ein Extremfall für jeden Sattler. Sein Widerrist fällt stark ab, die Muskeln sind zurückgebildet. „Das nennt man Problemsattellage“, sagt Anemone Lamparter. „Für dieses Pferd einen Sattel zu bekommen, ist schwierig.“ Besonders kritisch sieht sie das Dreieck, dass sich vom höchsten Punkt des Widerrists über den Drehpunkt der Schulter bis zum 14. Brustwirbel spannt: „Das ist zu lang und wird Probleme mit der Kopfeisenlänge geben.“ Auch die Gurtlage ist schwierig: Der Gurtverlauf liegt weit vorne, und das Pferd hat viel Bauch.

Die Problemzone sitzt eindeutig vorne: Der Sattel des Wallachs liegt auf dem Widerrist auf, wodurch er auf den Widerristknorpel drückt. Die Ortspitze des Kopfeisens hört zu weit oben auf, sie drückt ebenfalls. Das Kopfeisen ist folglich zu kurz. Zudem sind die Gurtstrippen am Kopfeisen befestigt, wodurch der Sattel auf die Schulter gezogen wird. „Der Sattel knackt vorne den Widerrist und drückt schon beim Aufsteigen schmerzhaft dagegen“, sagt Anemone Lamparter. Der Lendenwirbelsäule bietet der Sattel dagegen ausreichend Platz. „Die Sattellänge ist gut, ebenso der Schwerpunkt. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass diesem Pferd ein gängiger Sattelbaum passt.“

 

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Foto: Rädlein Bereits im Stand ohne Reiter liegt der Sattel auf dem Widerrist auf.

Christoph Rieser stösst mit dem Topograph Pro fast schon an seine Grenzen. Über dem steilen Widerrist können die blauen Rippen dem Körper gerade noch folgen. Das Ergebnis: Der Sattel bietet dem Pferd keinerlei Bewegungsfreiheit, die Mitte dagegen ist frei. Der Sattel bildet eine Brücke, was zu punktuellem Druck führt. Die Auflagefläche des Sattels ist sehr klein, ein deutliches Zeichen, dass der Sattel zu eng für den Wallach ist. Zudem bietet er aufgrund seiner schlechten Muskelsituation nicht viel Auflagefläche für einen Sattel.

Die beengten Verhältnisse macht die Messmatte von Medilogic noch einmal deutlich. „Am Widerrist, wo eigentlich kein Druck sein sollte, ist deutlich Druck zu erkennen“, sagt Frank Obenaus. Im Stand ist der vordere Bereich zwar noch in Ordnung, im Schritt kommt es am Widerrist aber bereits zu Quetschungen. „Die Belastung müsste außerdem weiter außen sein, weg von der Wirbelsäule.“

Fazit: Die Mess-Systeme geben die Meinung der Sattlerin wieder, machen aber deutlich, was man unter dem Sattel nur vermuten kann. Die Ergebnisse der Messmatte sind erschreckend: Man sieht nicht nur deutlich, wo der Sattel drückt, sondern auch mit welcher Kraft.

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CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Krämer Pferdesport
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: dt-saddlery
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Busse

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CAVALLO Damensattelreiten Aachen 2012 Foto: J.-M. Mangen 2012
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13.12.2012
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012