Statische und dynamische Sattel-Mess-Systeme

Ohne Sattel ist Anpassung nicht möglich

Handarbeit gegen Technik: Statische und dynamische Mess-Systeme sollen Sattlern ihre Arbeit erleichtern. Ist eine der Methoden besser? Wie lässt sich sicher feststellen, welcher Sattel einem Pferd passt?

 

Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
Foto: Rädlein Sattlerin Anemone Lamparter prüft die Passform des Sattels unter dem Reiter.
Um herauszufinden, wie der Reiter im Sattel sitzt, tastet sie auch die Sitzfläche ab.

In einem sind sich alle drei Experten einig: Ohne das Fachwissen eines Sattlers ist eine Sattelanpassung weder mit der Medilogic-Matte noch mit dem Topograph Pro möglich. „Denn eine rein dynamische Messung gibt keine Auskunft darüber, ob das Pferd Muskeln aufgebaut hat. Das zeigt dafür der Topograph“, erklärt Christoph Rieser.

Die Druckmessung dagegen bezieht die Belastung des Reiters mit ein und gibt ein Druckbild in der Bewegung ab. „Die Druckverteilung ist bei der Sattelanpassung sehr wichtig“, sagt Frank Obenaus. Die Möglichkeit fehlt beim Topograph Pro, er gibt ein Standbild des Rückens wieder. Anemone Lamparter ist wichtig, dass die Messgeräte von Sattlern benutzt werden. „Es bringt zum Beispiel nichts, wenn jemand mit einer Messmatte Sättel verkauft, den Sattel aber nicht umbauen kann“, sagt die Sattlerin. „Wer das Pferd vermisst, muss in der Lage sein, den Sattel entsprechend anzupassen.“

Pferde verändern sich zudem immer wieder. Durch Krankheiten etwa bilden sich Muskeln zurück, und das Pferd muss erst wieder über längere Zeit auftrainiert werden. In solchen Fällen ist das Fachwissen des Sattlers gefragt. „Manchmal ist zum Beispiel ein halbes Jahr Bodenarbeit angesagt, weil die Rückenmuskulatur noch zu schwach ist“, so Lamparter. „Oder der Sattler muss anfangs mit Korrekturpads arbeiten, weil der Sattel vom Druck her nicht optimal passt. Erst wenn sich das Pferd muskulär weiterentwickelt hat, passt der Sattel ohne Hilfsmittel.“ Statische oder dynamische Mess-Systeme können in solchen Fällen die Arbeit des Sattlers unterstützen.

Das zeigt, dass die beiden Systeme keine Konkurrenten sein sollten, sondern sich ergänzen. Sie dienen beide der Kontrolle, ob der Sattel passt. „Jede Messung beachtet nur einen Aspekt: entweder Druck oder Passform“, sagt Christoph Rieser. „Für den idealen Sattel bräuchte man beide Systeme sowie einen Sattler. Der sorgt dafür, dass der Sattel an den Pferderücken angepasst wird.“

Fotostrecke: Fotostrecke: Klassische Ausbildung im Damensattel

11 Bilder
Reiten im Damensattel Foto: Stappenbeck
Reiten im Damensattel Foto: Stappenbeck
Reiten im Damensattel Foto: Stappenbeck
12.12.2012
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012