Statische und dynamische Sattel-Mess-Systeme

Knackpunkt Pferdeschulter


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Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
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Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
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Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
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Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
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Handarbeit gegen Technik: Statische und dynamische Mess-Systeme sollen Sattlern ihre Arbeit erleichtern. Ist eine der Methoden besser? Wie lässt sich sicher feststellen, welcher Sattel einem Pferd passt?

Wenn der Sattel Schulter und Widerrist in die Zange nimmt, wird das Problem durch Mess-Systeme deutlicher sichtbar. Reitsportsattlerin Anemone Lamparter aus Münsingen/Baden-Württemberg begutachtet erst das Pferd ohne Sattel. Dabei gleitet ihr Blick prüfend über das Fell, ihre Hände ertasten verspannte Muskeln oder verstopfte Talgdrüsen. Sie erkennt die Problemzone der kleinen Araber-Appaloosa-Stute schnell. „Ihre Sattellage ist sehr kurz, die Gurtlage recht weit vorne.“

Anemone Lamparter fällt auf, dass der Rücken der Stute links mehr abfällt. „Ein Grund könnte sein, dass das Pferd auf dieser Seite stärker belastet wird, wahrscheinlich durch den Reiter.“ Das bestätigt der Blick auf den Sattel. Sattlerin Anemone Lamparter fährt mit den Händen über die Sattelauflage, kontrolliert die Polster und prüft die Sitzfläche.

„Die Polsterung hat sich nach oben verschoben. In der Sitzfläche sehe ich zwar keine deutlichen Sitzspuren, spüre aber links eine deutlichere Kuhle als rechts“, sagt die Sattelexpertin. Der Sattel ist vorne sehr schmal, die Breite des Wirbelkanals jedoch in Ordnung. Der Schwung des Sattelbaums passt ihrer Meinung nach nicht mehr zum Körperbau des Pferds. „Der Sattelbaum ist zu gerade, das heißt, er folgt der Rückenform nicht optimal.“ Das kann zu punktuellem Druck im Rücken führen. Aufgrund der Gurtlage des Pferds vermutet Anemone Lamparter, dass der Sattel in der Bewegung nach vorne rutscht. „Das wäre für die Stute nicht gut, da sie bereits vorderlastig und der Sattel vorne zu eng ist.“

 

Sattelmessung Systeme Rieser Equiscan
Foto: Rädlein Die Araber-Appaloosa-Stute ist kurz und kompakt gebaut. Ihre Bauchmuskeln sind wenig ausgeprägt, die Sattellage kurz und die Gurtlage recht weit vorne.

Nach der ersten Begutachtung kontrolliert Anemone Lamparter den Sattel mit Reiter auf dem Pferd. Bereits im Stand prüft sie die Passform des Sattels. Ihre Hand passt kaum unter den Vorderzwiesel, so eng ist der Sattel. Er liegt fast schon auf der Wirbelsäule. „Auch hinten ist sehr viel Druck im Rücken. Das Pferd verkrampft in der Bewegungsmuskulatur, in Wendungen quetscht der Sattel gegen die Wirbelsäule“, so Lamparter.

Ein paar Runden läuft die Sattlerin im Schritt neben Pferd und Reiter her und beobachtet das Paar von hinten. So erkennt sie etwa gut, dass die Reiterin nach links sitzt. Erkennen die beiden Mess-Systeme diese Punkte? Zuerst ermittelt Sattler Christoph Rieser von der Firma Equiscan die Rückendaten der Stute mit seinem Messgerät „Topograph Pro“. Welche Erkenntnisse bringt das blaue Gerippe? „Das Kopfeisen des Sattels ist wesentlich .flacher als die Kissen, der Sattel ist vorne sehr eng. Der Schulter bietet er keine Freiheit“, bestätigt Christoph Rieser die Einschätzung der Sattlerin. Der Topograph entdeckt zudem eine leichte Hohllage des Sattels und zeigt, dass der Sattelbaum ansonsten nicht der Oberlinie des Pferds entspricht. „Dieser Sattel bietet in der Biegung keinen Freiraum“, erklärt Christoph Rieser. Das erkannte auch Lamparter.

Im letzten Schritt wird unter den Sattel die Messmatte der Firma T&T medilogic Medizintechnik aus Berlin gelegt. Sie überträgt per Funk die Druckdaten an den PC, während Pferd und Reiter in der Bahn ihre Runden drehen. Schon im Stand erkennt Vertriebsleiter Frank Obenaus, dass der Sattel dem Pferd im vorderen Bereich Probleme macht. „Vorne links zeigt sich ein deutlicher Druckpunkt. Dort ist der Sattel eindeutig zu eng, er bietet keine Schulterfreiheit.“ Sehr schön zu sehen ist die ungleich verteilte Polsterung. Hinten sind dagegen nicht so starke Druckspitzen zu erkennen.

Fazit: Die zwei Mess-Systeme stimmen in wesentlichen Punkten mit der Sattlerin überein: Der Sattel ist vorne zu eng und drückt. Der Topograph deckt zusätzlich eine leichte Hohllage auf, laut Messmatte ist der Druck hinten nicht so drastisch.

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CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Krämer Pferdesport
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: dt-saddlery
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Busse

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CAVALLO Damensattelreiten Aachen 2012 Foto: J.-M. Mangen 2012
CAVALLO Damensattelreiten Aachen 2012 Foto: J.-M. Mangen 2012
CAVALLO Damensattelreiten Aachen 2012 Foto: J.-M. Mangen 2012
13.12.2012
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012