CAVALLO Sattel-Ratgeber: Ein Sattel nur für Frauen

Frauensättel oder Sättel für Frauen?

"Ein Problem hatte mich einmal lange Zeit beschäftigt", sagt Sattelmeister Jochen Schleese, "es gibt Reiter - männlich wie weiblich - mit scheinbar angeborenem Talent". Jedoch: etwas fehlte ihnen zur Perfektion.

Hervorragend in ihrer Disziplin wurden sie dann FN - Bereiter oder FN - Reitlehrer. Auch andere Reiter hatten scheinbar jeden Vorteil auf ihrer Seite: ein gutes Pferd, natürliches athletisches Können, Beharrlichkeit im Training.

Frauen im Nachteil?

Bereits vor ca. 20 Jahren schrieb die bekannte amerikanische Autorin Dr. Deb Bennett (PhD) einen Artikel über genau dieses Phänomen. In einer detaillierten Studie verglich sie die unterschiedlichen Muskel- und Knochenstrukturen von Männern und Frauen, und wie diese sich auf das Reiten auswirken. Ihre Folgerung war, daß Frauen im Nachteil sein können wegen ihrer Anatomie .

Besonders in der Dressur ist es wichtig und schwierig für Frauen, die gerade „Schulter-Hüfte-Ferse-Linie“ zu erreichen, weil das Zusammentreffen der Hüfte mit dem Becken anders ist als beim Mann. Es tut einfach weh, auf dem Schambein zu sitzen, und folglich knicken Frauen mit dem Oberkörper nach vorne um diesem Schmerz auszuweichen. Das Bein schießt dadurch nach vorne und die Reiterin versucht dauernd, die richtige Position zu erhalten, statt sich aufs Reiten zu konzentrieren. Haltung und Balance sind jedoch von größter Bedeutung in jeder Reitdisziplin. Die Gesäßknochen sind das Fundament für Position und Balance.

Video Teil I: So wird ein Schleese-Sattel für Frauen angepasst




Video Teil II: So wird ein Schleese-Sattel für Frauen angepasst




Männer im Vorteil?

Männern stellt sich dieses Problem nicht. Männer haben zwei V-förmige Sitzknochen, die sehr nahe aneinander sind, so dass sie wie auf einem Zweifußgestell sitzen. In der Vergangenheit haben die Sattelhersteller zwar dieser Anatomie Aufmerksamkeit geschenkt, aber die Ansprüche der Frauen vergessen. Leider reiten viel zu viele Frauen in Sätteln, die für Männer gebaut und bestimmt sind, was dann den bekannten „Stuhlsitz“ verursacht.

Frauen haben viele verschiedene Hüftformen und alle sollten im Sattelbau berücksichtigt werden. Im Gegensatz zum „V“ der Gesäßknochen beim Mann sind die Gesäßknochen der Frau meist flach, außerdem ist das Schambein betonter. Dieser Aufbau bewirkt, dass die Frau wie auf einem Dreifußgestell sitzt. Und hier liegt das Problem für viele Frauen: wenn das Becken nicht perfekt gerade ist (was bei den wenigsten Frauen der Fall ist), so beeinträchtigt der Vorderzwiesel das Schambein, was sehr weh tun kann. Wenn dann die Bauchmuskeln nicht benutzt werden, um dagegen zu wirken, so ist es fast unmöglich, korrekt im Sattel zu sitzen.

Herkömmliche (Männer-) Sättel sind ziemlich breit im Schnitt – der Satteltaille - gebaut, jedoch schmal in der Sitzfläche. Diese Sättel sind für Frauen unbequem. Die Hüften werden nach außen gedrückt und die Gesäßknochen sitzen direkt auf der Kedernaht vom Sattel. Jedoch bestimmt die weibliche Anatomie, dass die Sättel enger in der Taille und breiter in der Sitzfläche gebaut werden sollten.

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14.09.2010
Autor: Jochen Schleese
© CAVALLO