CAVALLO Sattel-Ratgeber: Sattel muss zum Reiter passen

Ein Sattel muss zur Figur des Reiters passen

Viele Reiter fühlen sich in ihren Sätteln unwohl, weil sie nicht zu ihrer Figur passen. Die Folge: Schlechter Sitz, kaputte Rücken und verspannte Pferde.

 

CAVALLO Passender Sattel
Foto: Rädlein Groß, klein, kräftig, sportlich: Diese vier Reiter-Typen wurden beurteilt.

"In allen Sätteln gerecht“ ist jemand, der viele Posten perfekt ausfüllt. Ausgerechnet auf Reiter trifft dies freilich selten zu, denn sie kommen kaum in ihrem einen, einzigen Sattel zurecht: Mal kneift er am Schenkel, mal ist er eng am Po, knapp am Knie, üppig an der Wade, zwingt ins Hohlkreuz oder in den Stuhlsitz.

Während inzwischen in aller Hirn ist, daß der Sattel dem Pferd passen muß, wird das Sitzwohl des Reiters noch vernachlässigt. „Dabei ist beides wichtig, auch im Sinne des Pferds“, sagt Sattlermeister Martin Breitler aus Fehraltdorf bei Zürich. „Wenn der Sattel den Reiter falsch setzt oder blockiert, behindert er das Pferd, belastet es an den falschen Stellen und kann keine präzisen Hilfen geben.“

Der Sattel, so Breitler, ist des Reiters Instrument: „Je besser es gestimmt ist, desto besser kann er reiten. Ist es verstimmt, wirkt sich das beim schwächeren Reiter natürlich stärker aus als beim Könner, der Paßformmängel eher ausgleichen kann.“

Umso ärgerlicher stimmt es Fachleute, was ganz normalen Reitern als gute Sitz-Gelegenheit angedreht wird – „oft von Sattelhändlern, die unter ‘Sattler’ laufen, aber nie eine entsprechende Ausbildung machten und entsprechend schlecht beraten. Was die teils verkaufen, ist unanständig“, findet Sattlermeister Marc Lubetzki aus Berlin in Schleswig-Holstein. Er paßte erst Sättel großer Hersteller an, ehe er seine Marke „La Selle“ aufbaute.

Lubetzki und Breitler sind zwei von sechs Experten, die CAVALLO zum Paßform-Test bat. Sie analysierten vier Reiter unterschiedlichen Typs: Wie gut passen ihre Sättel bekannter deutscher Marken, maximal fünf Jahre alt und vom Fachhändler angepaßt, zur Figur? Wie beeinflussen sie Sitz und Pferd? Wie sieht der ideale Sattel für kleine, große, dicke, dünne Reiter aus?

Er dürfte generell nicht so wuchtige Pauschen und so schmale Blätter haben, wie man sie an vielen Sätteln sieht – eine Mode, die Ausbilder Michael Putz seit Jahren kritisiert. Der Lüneburger Bewegungswissenschaftler Eckart Meyners, der Sitz-Seminare für angehende Berufsreiter gibt, sekundiert: „Es herrscht ein falsches Verständnis vom Sitz. Der Reiter wird im Sattel eingezwängt, weil er so angeblich ruhiger sitzt. Aber das Gegenteil ist richtig: Er muß sich bewegen können, damit er ruhig sitzen kann. Was optisch ruhig aussieht, ist in Wahrheit ein extremer Unruhezustand.“

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Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 07/2006