Test: Reitschulen im Raum Fulda

PferdeSportGemeinschaft Molzbach e. V.

Wakuthi hat einen runden Bauch und stämmige Vorderbeine, deren Röhren ab dem Karpalgelenk nach hinten knicken. Reiter nennen das vorbiegig; das Schulpferd geht deshalb etwas paddelig.

 

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Laut Reitlehrerin Carolin Baier wurde der Weltmeyer-Nachkomme, den der Verein als Voltigierpferd kaufte, mehrfach medizinisch durchgecheckt. Auf Verdacht wurde er auch schon akupunktiert und im Aquatrainer therapiert. „Seine Vorhand ist steif. Aber kein Tierarzt findet heraus, was er hat.“ Ich kraule den netten Neunjährigen, der sich mit einem anderen Pferd eine riesige Außenbox in einem nagelneuen Stall teilt. Die Boxen haben keine Trenngitter und ermöglichen Kontakt, demnächst sollen Paddocks angebaut werden.

Zwischen den Vereinsgebäuden liegt ein euer Dressurplatz, ein Springplatz wurde frisch eingesät. Viele Koppeln säumen das hügelige Gelände um den Stall, jedes Pferd darf bei gutem Wetter täglich grasen. An die ebenfalls neue, helle Reithalle (20 x 40 Meter) ist ein Stall mit breiter Gasse gebaut – auf einer Seite Boxen mit Außenfenstern, auf der anderen Seite Panelboxen mit Ponys. „Unsere Ponys sind bei Wind und Wetter draußen, wir holen sie nur zur Reitstunde rein“, erzählt Carolin Baier, die ich Caro nennen soll.

Das gepflegte Sattelzeug hängt in einer aufgeräumten, beheizten Kammer, die ich gar nicht mehr verlassen mag. Baiers, Landwirte mit Pferdeverstand, halten die Temperatur im Stall so kalt wie draußen. Das tut Pferden ebenso gut wie das gesamte Haltungskonzept des Betriebs, der dafür und für seine optimalen Trainingsmöglichkeiten drei Hufeisen bekommt.



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„Ihr seid heute nur zu dritt“, freut sich Caro, die in den hohen Leistungsklassen voltigiert und Springturniere reitet. Sobald die Studentin und Trainerin C Voltigieren Zeit hat, möchte sie die Ausbildung zum Trainer C Reiten beginnen. Sie bleibt beim Putzen und Satteln an meiner Seite und kontrolliert, ob ich alles richtig mache. Ich fühle mich willkommen und vorbildlich betreut.

In der Halle wird es voller als erhofft. Zu drei Schülern kommen vier Privatreiter, drei von ihnen reden ununterbrochen auf ihre Pferde ein. Bahnregeln werden ignoriert, immer wieder parkt jemand auf dem Hufschlag, fegt kreuz und quer durch die Bahn und schneidet seine Mitreiter. „Reitet ihr immer auf zwei Händen?“ frage ich Caro. „Ja, aber nur, wenn es kein Chaos gibt“, antwortet sie.

Na, wenn das kein Chaos sein soll. Die junge Reitlehrerin sollte hier härter durchgreifen und Ordnung in der Halle schaffen – schon aus Gründen der Sicherheit. Ansonsten gefällt mir ihr Unterricht recht gut. Passend zur ausführlichen Betreuung vor und nach der Reitstunde lässt mich Caro auch in der Halle keine Sekunde aus den Augen und gibt mir auf dem zähen Wakuthi wertvolle Tipps. Dafür muss ich keinen Cent bezahlen, weil bei Baiers jeder Neuling vier Probestunden gut hat. Regulär kostet die Stunde 12 Euro für Erwachsene, was immer noch sehr günstig ist und dem Preis-Leistungs-Verhältnis drei Hufeisen bringt.

„Wakuthi ist groß und lang. Der braucht eine etwas längere Aufwärmphase als andere“, erklärt Caro beispielsweise, während ich den Wallach mächtig treiben muss. „Bleib vorne ganz weich und reite viele gebogene Linien, damit er locker wird und sich in den Rippen biegt. So bekommst du ihn an Bein und Hilfen.“ Immer wieder korrigiert sie meine Handhaltung.

„Stell deine Hände aufrechter nebeneinander und zieh sie nicht zum Oberschenkel. Das passiert, weil du viel zu steif bist“, sagt Caro und weiß Rat: „Atme locker durch, Schultern zusammen. Einfach mal durchparieren, wenn du nicht mehr kannst.“ Sie erkennt, dass ich gleich in der ersten Stunde zu viel von mir und Wakuthi verlange. Statt mich in Ruhe auf dem neuen Pferd einzufühlen, packt mich der Ehrgeiz, sofort schön reiten zu wollen.

Dank Carolin Baiers Hilfe komme ich auf den Boden zurück und sitze nach einer Stunde entspannt auf einem weichen Pferd. Dafür gebe ich der Reitlehrerin zwei Hufeisen. Eins verliert sie, weil sie in der Halle nicht für Disziplin sorgte. Wakuthi bekommt ebenfalls zwei Hufeisen. Er blieb trotz Chaos und falschem Ehrgeiz ierruhig, wirkte zu Beginn etwas phlegmatisch und maulig. Als ich entspannte, wachte Wakuthi auf, machte mit und ging weich an den Hilfen. Seine Paddeligkeit fiel gar nicht mehr auf.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: drei von drei Hufeisen
Preis-Leistungs-Verhältnis: drei von drei Hufeisen

Kontakt
PferdeSportGemeinschaft Molzbach e. V.
Am Webich 6
36088 Hünfeld
Tel: (06652) 2441
www.molzbachervoltis.nixfree.de

Inhaltsverzeichnis

08.09.2008
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 01/2008