Test: Reitschulen im Raum Fulda

Reitschule Höhler

Durch die Halle traben drei Fohlen und Ursula Höhler, mit der ich eine Probestunde vereinbart habe – nach zwei Jahren Reitpause, wie ich zum Test angab.

 

Pferde reiten Reitsport CAVALLO
Foto: CAVALLO

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Ich beneide die Reitlehrerin ein wenig um ihr Aufwärmprogramm, denn es ist bitterkalt. Also biete ich meine Hilfe beim Laufenlassen der Fohlen an, doch das ist bereits beendet. „Die kommen sonst täglich auf die Koppeln, bei dem Wetter geht das aber leider nicht“, erklärt Ursula Höhler.

Die Reitanlage liegt am Waldrand, die meisten Pferde stehen in hellen, sauberen Innenboxen, von wo aus sie über die Stallgasse hinweg in die Reithalle gucken können. Wenn sie sich vom Stalltrubel zurückziehen wollen, können sie ihre Köpfe durch Außenfenster strecken oder den Boxennachbarn durch eine Öffnung in der Zwischenwand beschnuppern.

Draußen gibt es unterschiedlich große Paddocks und viele Koppeln, so dass auch die 17 Schulpferde möglichst täglich raus dürfen. Hinzu kommen eine Führanlage für vier Pferde und ein großer Außenreitplatz. Weil die etwa 20 x 60 Meter große Reithalle, eine ehemalige Holzlagerhalle, etwas dunkel ist, gebe ich dem Betrieb zweieinhalb Hufeisen. Ich habe den Eindruck, dass die Schulpferde und auch ihre Ausrüstung hier bestens gepflegt werden.

Uschi stellt mir jedes ihrer Pferde ausführlich mit Namen, Herkunft und Charakter vor. Für 120 Euro im Monat kann man sich auf Wunsch an einem der Schulpferde beteiligen, die höchstens einmal täglich im Unterricht geritten
werden. Weil sie von ihren Reitbeteiligungen individuell betreut werden, stumpfen sie nicht so schnell ab.



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Nach über einer Stunde sind wir fertig mit dem Rundgang. Meine Fingerkuppen kann ich kaum noch bewegen, beiße aber die Zähne zusammen. „Oh je, jetzt haben wir uns festgequatscht“, stellt Uschi mit Blick auf die Uhr fest. Wir einigen uns auf eine halbe Probestunde für zehn Euro statt einer ganzen für 18 Euro. „Ich möchte heute sowieso nur mal sehen, wie du dich auf dem Pferd hältst. Nach der langen Pause sollst du dich in Ruhe einfühlen.“

Reitunterricht will sie mir heute noch nicht geben. Deshalb kann ich ihre Qualitäten als Lehrerin ebensowenig mit Hufeisen bewerten wie das
Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich soll Dornröschen reiten, ein zehnjähriges Springpferd guter Abstammung, das laut Uschi Höhler jedoch früh in falsche Hände kam und nicht viel lernte. Im März erwartet die Fuchsstute ein Fohlen. „Das gönn’ ich ihr so, weil ich sie so gerne hab’“, lächelt Uschi verträumt und lacht im Anschluss über sich selbst. „Ich bin manchmal einfach viel zu sentimental für die Pferdebranche.“

Röschen beschnuppert mich kurz, wendet sich beim Putzen aber wieder ihrem Heu zu. Solange ein Schulpferd umgänglich bleibt, ist mir diese demonstrative
Gleichgültigkeit recht. Die gibt Röschen allerdings kurz auf, als ich ihren Bauch berühre, und legt ein wenig die Ohren an. Irgendetwas ist ihr unheimlich. Dafür, dass das Fohlen erst in vier Monaten zur Welt kommt, hat die Warmblutstute schon eine gewaltige Kugel. Laut Uschi kann man das Fohlen schon ertasten.

Auch unterm Sattel sei Dornröschen nicht mehr ganz die Alte, sagt sie. „Früher rannte sie ihren Reitern gern unterm Hintern weg, jetzt testet sie mehr und macht eher das Gegenteil.“ Tatsächlich schlurft die Stute träge durch den Hallensand. Beim Antraben fällt sie nach jedem fünften Tritt in den Schritt. Erst nachdem ich ihr energisch zurede und einen Gertenklaps versetze, polt sich die trächtige Stute auf Arbeit um und trabt motivierter. Ich reite ein paar Zirkel auf jeder Hand, ein paar Übergänge und galoppiere dann an. Der Galopp schaukelt zunächst unangenehm.

Immerhin wird Röschen nun zunehmend fleißiger. Sie kaut sanft auf dem Gebiss und entspannt den Rücken, so dass ich plötzlich in jeder Gangart weich sitzen kann. Nur wenn ich mich selber verspanne oder härter in der Hand werde, blockt die Stute wieder ab. Damit ist sie ein feines Lehrpferd, das den Schüler testet und auf Fehler aufmerksam macht.

Ich gebe Röschen zwei Hufeisen. Ein bisschen Durchsetzungsvermögen braucht ihr Reiter. Doch dann wird aus der Stute ein angenehmes Reitpferd auch für Wiedereinsteiger, das brav und ausgeglichen wirkt. Dass sie mit ihrem Fohlenbauch zunehmend bequemer wird und möglicherweise auch deshalb beim Bauchputzen kurz zickt, kann man ihr nicht ankreiden. Nach dem Reiten verzichtet sie darauf, sich zu wälzen. Auch das zeigt: Ganz geheuer ist der Stute die Aussicht auf ihre erste Mutterschaft wohl noch nicht.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: keine Wertung
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistungs-Verhältnis: keine Wertung

Kontakt
Reitschule Höhler
Reitanlage Fröhlich
36100 Petersberg-Marbach
Tel. (0661) 8334952
www.reitschulehoehler.nixfree.com

08.09.2008
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 01/2008