Test: Reitschulen in Augsburg und Umgebung

Islandpferde Lechleite

Sparsame Hilfen, feine Pferde und erst mal nix mit Tölt: Bei dem Unterricht von Sebastian Frisch kann man jede Menge lernen.

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Reitschultest Augsburg Foto: Miriam Kreutzer
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Reitschultest Augsburg
Foto: Miriam Kreutzer

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"Halt!“ Sebastian Frischs Kommando bremst uns vier, als wir gerade aufsitzen wollen. „So steigt man nicht auf einen Isländer“, rügt er und schnappt sich mein Pferd, den zwölfjährigen Hiskandi. Frisch demonstriert uns allen das richtige Aufsitzen: Linke Hand in die Mähne, rechte Hand ans rechte Sattelblatt, um sich selbst gegen zu halten.

„Auf diese Weise belastet ihr das Pferd nicht so einseitig mit Gewicht“, erklärt der Reitlehrer und Betriebsleiter. Nachdem er eine Schülerin das Aufsitzen gleich zweimal wiederholen lässt, geht es in der Abteilung los. Wer sich in diesem Betrieb zum Unterricht anmeldet, sollte Floskeln und aufgeschnapptes Halbwissen vergessen. Sebastian Frisch hat klare Theorien, die er logisch und anatomisch belegen kann.

Sie verfolgen alle dasselbe Ziel: Die kleinen, sensiblen Isländer fein zu reiten und sie als Schulpferde nicht zu verderben. Da ist zum Beispiel das Treiben. „Immer, wenn das innere Hinterbein des Pferds abfußt, treiben Sie“, erklärt der Pferdewirtschaftsmeister und Trainer C des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbands.



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„Darauf muss das Pferd reagieren. Tut es das, lassen Sie es auch mal wieder gut sein, um das Pferd zu belohnen. Wenn es nicht reagiert, kurz mit der Gerte antippen.“ Offensichtlich sind die Pferde diese Vorgehensweise gewohnt. Das einzige Manko Hiskandis ist, dass er auf die treibenden Schenkelhilfen nicht deutlich reagiert, ich ihn also öfter antippen muss. Sebastian Frisch geht mit jedem Reiter den Takt durch, damit jeder ein Gefühl dafür bekommt, wann das innere Hinterbein abfußt. Frisch fragt ab und gibt persönliche Anweisungen; jeder von uns darf mal die Abteilung anführen. Schließlich lässt er uns auf dem Zirkel stoppen und will die Hilfen für das richtige Einstellen wissen. Es kommen Antworten; immer wieder fällt das Wort „Biegen“. „Quatsch“, gibt Frisch zurück. „Man kann ein Pferd rein anatomisch gesehen gar nicht komplett biegen. Die Rippenpartie ist viel zu fest dafür.“ Nun kommen Frischs Hilfen für das Einstellen auf den Zirkel: „Das äußere Bein aus der Hüfte heraus ganz zurücknehmen. Den inneren Zügel eine Nuance kürzer fassen und ganz wichtig: Blickrichtung dahin, wo man hinreiten möchte.“ Mit diesen Hilfen sollen wir das Pferd wie auf Schienen führen. Sobald es aus der Spur nach außen driftet, müsse das äußere Bein wieder verwahren. Driftet es nach innen, muss der innere Schenkel dran. Frisch erzieht damit Reiter dazu, ihre Pferde mit sparsamen Hilfen fein zu reiten.

Hiskandi wird beim Übergang vom Schritt in den Trab passig. Frisch sieht es sofort und erläutert, wie sich dieser Taktfehler durch Spannung einschleicht. So liefert er eine Mischung aus Theorie und Praxis, die kaum zu übertreffen ist. Er gönnt dabei sich und den Reitern keine Pause: Wenn er nicht erklärt, korrigiert er.

Obwohl wir weder tölten noch galoppieren, habe ich das Gefühl, selten so viel Stoff in so kurzer Zeit gelernt zu haben. Für diesen Unterricht vergebe ich drei Hufeisen.

Die Schulpferde stehen im Offenstall mit Zugang zu einem befestigten Außenpaddock. Der Innenstall riecht etwas streng.Sein Steinboden ist spärlich eingestreut; teilweise sind Brocken herausgebrochen. An den Mauern zwischen den Boxen fehlt teilweise der Verputz, was aber eher ein Schönheitsfehler ist und die Pferde nicht stört. Die Reithalle ist hell, die Sattelkammer ordentlich. Jedem der neun Schulpferde ist eine eigene Farbe zugeordnet, in der Halfter, Satteldecke und Putzeimer strahlen. Die Pferde dürfen auf die Koppeln; im Sommer besteht der Unterricht vor allem aus Ausritten. Wegen des nicht ganz perfekten Schulstalls gebe ich dem Betrieb zwei Hufeisen.

Hiskandi ist ein fein ausgebildetes Pferd, das sehr aufmerksam, durchlässig und weich im Maul ist. Der Wallach bekommt zweieinhalb Hufeisen; ein halbes Eisen Abzug erntet er, weil er zu wenig auf den treibenden Schenkel reagierte.

Die Stunde dauerte knapp 60 Minuten und kostete 30 Euro. Das war der Dauer der Stunde und der Qualität des Unterrichts angemessen und wird wie der Unterricht mit drei Hufeisen belohnt. Eine Zehnerkarte gibt es für 240 Euro. Sie umfasst einen Mix aus intensivem Unterricht, Reiterspielen, Ausritten und Quadrillen- und Figurenreiten. In der Gruppe reiten gewöhnlich bis maximal fünf Reiter; bei weniger als drei Teilnehmern wird die Stunde abgesagt.

Bewertung

Schulpferd: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Islandpferde Lechleite
86316 Friedberg
Tel. 0821-603330
www.lechleite.de


11.08.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 06/2010