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Flotter Dreier - Reiterkameradschaft Sondelfingen
Ein Wallach mit großem Bewegungsdrang und eine überaus aufmerksame Reitlehrerin bescheren Miriam Kreutzer eine aufregende Schulstunde.
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Kerstin Ansorge ist meine Reitlehrerin für die Einzelstunde. Sie hat mich bereits mit dem Dritten im Bunde, Schulpferd Astor, in den Plan eingetragen. „Astor ist unser Flotter“, erklärt sie. „Er ist sehr fleißig und rennt gerne.“ Noch macht der große Holsteiner einen etwas schläfrigen Eindruck, während er mir beim Putzen seinen schweren Kopf auf die Schulter legt. Dass der Wallach einen großen Bewegungsdrang hat, wird in der Halle kurz nach dem Aufsitzen deutlich. Immer wieder lauert er auf die Hilfe zum Antraben. Er eilt im Schritt. Kerstin Ansorge lässt uns Kontakt schließen, beobachtet und fragt detailliert, was ich kann und wie ich reite. Ich fühle mich von Anfang an gut aufgehoben. Immer wieder rät sie mir, mich tief in den Sattel zu setzen und beim Leichttraben mit dem Bauch herauszukommen. Als es an den Galopp geht, warnt sie: „Astor wird während und nach dem Galopp sehr schnell. Sie müssen ihn rechtzeitig einfangen, sonst haut er ab.“
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Sie übertreibt nicht. So fleißig wie im Schritt und Trab ist Astor auch im Galopp. Ansorge lässt durchparieren und erklärt, wie ich den Wallach bremsen kann, ohne am Zügel zu ziehen: „Schwer in den Sattel setzen und immer wieder nachgeben. Wenn fleißige Pferde zu sehr am Zügel gezogen werden, sind sie verwirrt und werden eher noch schneller. Astor muss das im Kopf klarkriegen, was er machen soll.“ Vor allem soll ich mich bei dem rasanten Tempo nicht in die Bügel stellen, denn das entlastet, und das Pferd würde noch etwas flotter.
Ich gehorche, was bei diesem Galopp gar nicht so leicht ist – und tatsächlich passt der große Braune sein Tempo an. Dafür will er sich nun der Biegung entziehen. Kurz bevor ich ihn in den Zirkel einstelle, ändert er mehrmals spontan die Richtung. Kerstin Ansorge zeigt und erklärt die Hilfen: „Innere Schulter nach hinten und beide Zügel gleichzeitig und parallel in die Richtung führen, in die es gehen soll.“ Astor versucht noch ein paar Mal, seinen Willen durchzusetzen. Ansorge ist aber unerbittlich und macht mir klar, wie wichtig es ist, sich durchzusetzen, „um dem Pferd zu zeigen, wer die Führung hat. Denn das erleichtert auch ihm die Arbeit“. Die Reitlehrerin ist Trainer C und vermittelt mir Theorie und praktisches Wissen. Sie ist streng, hat aber immer ein Lächeln für den Reiter. Alles wird so lange erklärt und geübt, bis es klappt. Das ist zwar anstrengend, aber sehr lehrreich. Dafür gebe ich drei Hufeisen.
Der Betrieb ist klein und tipptopp. Mit seiner schönen Lage in den Hügeln von Sondelfingen bietet er Gelegenheit zu Ausritten, die wöchentlich mindestens einmal stattfinden. „Vor allem für die Pferde machen wir das so regelmäßig“, betont Kerstin Ansorge. Die Tiere dürfen bei gutem Wetter jeden Tag raus – sommers wie winters. Astors Fell glänzt, die Hufe sind vorne und hinten ordentlich beschlagen. Er hat eine Box mit Zugang zum Außenpaddock. Anders die beiden weiteren Schulpferde: Sie haben nicht mal ein Fenster in ihrer Box. Die ordentlich beschrifteten Sättel und Trensen hängen in einer vorbildlich aufgeräumten Sattelkammer. Der Betrieb erhält zwei Eisen.
Astor ist sensibel, willig und rittig. Er ist weich im Maul, extrem durchlässig und reagiert wunderbar auf jede kleine Schenkelhilfe. Dass man ihn bei Tempo ständig einfangen muss, ist anstrengend. Da er auch noch gegen Ende der Stunde die Unart zeigt, abrupt die Rich-tung zu wechseln, verdient der Braune insgesamt zwei Eisen. Für Anfänger ist der gehfreudige Astor nicht geeignet, Kerstin Ansorge setzt deshalb nur fortgeschrittene Reiter auf ihn. Die entsprechenden Kenntnisse klärt sie schon am Telefon gewissenhaft. Die Einzelstunde, die Ansorge prinzipiell gibt, um einen neuen Reiter beurteilen zu können, kostete 20 Euro und dauerte 60 Minuten. In der Gruppe mit maximal sechs, im Normalfall eher drei bis vier Reitern zahlen erwachsene Mitglieder 13,50 Euro für 45 Minuten. Nach zehn Probestunden à je 18 Euro muss man Mitglied im Verein werden. Zu den 160 Euro einmalige Aufnahmegebühr kommt hier ein Jahresbeitrag von 100 Euro. Für einen so qualifizierten und kompetenten Unterricht wie den von Kerstin Ansorge ist das gerechtfertigt und schlägt sich im Preis-Leistungsverhältnis mit drei Hufeisen nieder.
Bewertung
Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen
Kontakt
Reiterkameradschaft Sondelfingen
72766 Reutlingen-Sondelfingen
Tel. (07121)493485
www.reiterkameradschaft-sondelfingen.de
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11.04.2010
© CAVALLO Ausgabe 04/2010
Autor: Miriam Kreutzer
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