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Test: Reitschulen in der Neckar Alb Region
Reitschule Maier, Dußlingen
Auf einem jung gebliebenen, geschorenen Haflinger ritt Testerin Miriam Kreutzer in einer Fabrikhalle eine schweißtreibende Stunde.
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Carlo war ein Flaschenkind. Nicht wundern, wenn er komische Geräusche von sich gibt“, sagt Reitlehrerin Rita Maier, als sie den Haflinger vorstellt. Ich wundere mich trotzdem, als Carlo anfängt, wie an einer Flasche zu nuckeln.
Der Wallach ist sehr menschenbezogen und würde mir am liebsten in die Jackentasche steigen, dabei wird er aber nicht zu aufdringlich. Kaum zu glauben, dass der helle Fuchs schon 19 Jahre auf dem Buckel hat: Er würde locker als Neunjähriger durchgehen.
Ich darf an diesem Tag in der Turniergruppe mitreiten, die wegen der Schulferien kleiner ist als sonst. „Ich habe euch vier in zwei Zweiergruppen eingeteilt, dann können wir in Ruhe arbeiten“, sagt Rita Maier. Während die erste Gruppe reitet, bleibt mir Zeit, mich auf der Anlage umzuschauen. Die meisten Pferde auf dem Hof sind Schulpferde.
Zwar haben nicht alle eine Außenbox, doch selbst die Innenboxen sind rundum offen, sodass die Tiere ständig Kontakt haben. Am Testtag sind alle Boxen sauber eingestreut. Viele Schüler misten aus oder pflegen ihre Lieblingspferde.
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Die Reitschule Maier liegt mitten im Wohngebiet. Ihre Reithalle gehörte vermutlich zu einer ehemaligen Fabrik; sie misst zirka 15 x 40 Meter. An der Straße liegen einige Koppeln, auf denen sich am Testtag die Rentnergruppe vergnügt. „Leider werden diese Weiden bald dem Ausbau der Bundesstraße zum Opfer fallen“, erzählt eine Schülerin, die gerade ihrem Pflegepony die Stoppelmähne zurechtschneidet. Etwas weiter entfernt, so die Schülerin, gebe es aber zum Glück noch mehr Koppeln für die Pferde.
Schließlich beginnt auch meine Reitstunde. Carlo schreitet fleißig voran. Leider dehnt er sich nicht ans Gebiss, sondern wehrt sich zunächst gegen meine Hand, als ich die Zügel aufnehme. „Carlo braucht die äußere Hand gut dran, damit er im Genick nachgibt“, erklärt Rita Maier. Wir traben einige Runden ab, bevor wir mit der Gymnastizierung beginnen. Auf diese legt Maier den größten Wert. „Wir machen jetzt einen Vergleich. Galoppiert auf beiden Händen. Dann arbeiten wir im Schritt, danach galoppieren wir noch mal.“ Ich bin gespannt.Carlo zum Galopp zu bewegen, klappt nicht auf Anhieb. Erst als ich eine Gerte bekomme, springt der Wallach an. Im Galopp finden wir zunächst überhaupt nicht zusammen.
„Nehmen Sie den Oberkörper noch weiter zurück“, rät Rita Maier. Danach üben wir Schultervor und Kurzkehrt, um die Pferde mehr auf die Hinterhand zu bringen. „Nehmen Sie die innere Hand ein wenig höher im Schultervor“, empfiehlt Maier. „Fast alle Lektionen, die wir reiten, sieht man auf der Koppel: Schritt, Trab, Galopp, Passagen. Aber Seitengänge, die das Pferd trainieren, machen die Tiere nicht freiwillig“, erklärt sie. Diese sind wichtig für gesundes Reiten. „So, jetzt wollen wir noch mal galoppieren.“ Rita Maier hatte recht: Durch die Seitengänge setzen sich die Pferde jetzt auch im Galopp besser. „Sehr gut“, lobt die Trainerin. Meine Mitreiterin probiert mit ihrem Schulpferd sogar schon den ersten Fliegenden Wechsel. Schnell ist die Stunde rum. Carlo hat durch sein geschorenes Fell kein nasses Haar. Ich schon.
Rita Maier bot eine solide, abwechslungsreiche Stunde, in der sie viel Wert auf Gymnastizierung legte. Allerdings hätte ich mir noch mehr Sitzkorrekturen gewünscht. Ein Hufeisen von dreien ziehe ich ab, weil die Trainerin mein Sattelzeug nicht prüfte. Das hätte sie tun müssen, obwohl ich mich als fortgeschritten angemeldet hatte.
Haflinger Carlo verdient sich ebenfalls zwei Hufeisen. Er geht fleißig vorwärts, hat aber Defizite in der Dehnung. Lässt man ihn die Zügel aus der Hand kauen, dehnt er sich in die Höhe, nicht in die Tiefe. Ansonsten ist er ein gutes Schulpferd und außerordentlich brav im Umgang.
Die Reithalle ist gepflegt, die Ausrüstung der Schulpferde in gutem Zustand, alle Boxen sind sauber, die Pferde kommen fast täglich auf die Koppel. Der Stall war ordentlich, das Chaos im Reiterstübchen neben der Toilette allerdings unansehnlich. Für die volle Hufeisen-Zahl fehlt dem Betrieb außerdem ein Reitplatz. Deshalb bekommt er insgesamt zwei Eisen.
Dem Preis-Leistungsverhältnis gebe ich ebenfalls zwei Hufeisen: Ich musste 15 Euro für eine 60-minütige Stunde bezahlen. Die Mitgliedschaft kostet 95 Euro im Jahr plus Arbeitsdienste; dann reduziert sich der Preis für die Reitstunde auf nur noch elf Euro. Das ist für den soliden Unterricht günstig.
Bewertung
Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: eins von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen
Kontakt
Reitschule Maier
72144 Dußlingen
Tel. (07072)5455
www.reitschule-maier-ev.de



