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Test: Reitschulen in der Neckar Alb Region
Reitverein Reutlingen
Eine vergessliche Reitlehrerin, ein gutmütiges Pferd und eine rappelvolle Reithalle warteten auf Testerin Miriam Kreutzer.
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Zuerst stehe ich im Regen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Von oben gießt es, und Reitlehrerin Simone Heinrich hat mich vergessen. Als sie per Handy zum Reitverein beordert wird, habe ich 45 Minuten auf den Beginn meiner gebuchten Einzelstunde gewartet. In der Halle herrscht munteres Kommen und Gehen, Pferde werden abwechselnd longiert, ein anderes wird raumgreifend ausgebildet, am Rand tollen Hunde und Kinder. Heinrich betont mehrfach, dass Lord, den ich reiten soll, das locker nimmt und ich nur entsprechend Abstand zu den anderen Pferden halten soll.
Tatsächlich ist der große Wallach weniger aus der Ruhe zu bringen als ich. Die unberechenbaren Bocksprünge des auszubildenden Pferds machen mich nervös. Lord ist eins von vier Schulpferden des Vereins. Er wird für fortgeschrittene Reiter genommen.
Der Sachse mit dem Stockmaß von 1,70 Metern ist eher gemächlich unterwegs und geht extrem gegen den linken Schenkel. Das weiß auch Simone Heinrich und lässt mich bewusst Hufschlagfiguren auf der linken Hand reiten, damit ich den Wallach auf dieser Hand stelle und biege. Auf Schenkelhilfen reagiert Lord nicht so, wie man es von einem mehrfach als „so brav“ gelobten Pferd erwartet.
Die Galopphilfen nimmt er nicht an, obwohl er laut Heinrich sogar aus dem Schritt angaloppieren könnte – wenn er denn wollte. Die Reitlehrerin bleibt unerbittlich: „Sie machen das jetzt so lange, bis er richtig galoppiert“, fordert sie.
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Schließlich sind wir beide erfolgreich, obwohl mir bei diesem Problem konkrete Hilfe gefehlt hat. Simone Heinrich ist Dressurreiterin und leitet den Schulbetrieb des Vereins, hat aber keinen Trainerschein. Sie hat mich in der Stunde zu jeder Zeit fest im Blick und gönnt mir nur wenige Verschnaufpausen. „Schließen Sie die Oberschenkel fest ums Pferd. Legen Sie den inneren Unterschenkel etwas zurück. Stellen Sie Lord mit dem richtigen Sitz auf die Bahnfiguren ein.“ Einmal geht Lord geradeaus, obwohl ich auf dem Zirkel reiten will. Heinrich kommandiert sofort: „Setzen Sie sich resolut durch!“ Mir ist vollkommen klar, dass das kein zweites Mal passieren darf.
Simone Heinrichs Unterricht besteht hauptsächlich aus Wiederholungen. Alle Übungen müssen einwandfrei sein, bevor sie zufrieden ist. Das finde ich gut, doch gelegentlich fehlen die Hinweise, was ich noch besser machen könnte. Nur zum Aussitzen des Trabs bekomme ich eine ausgezeichnete Anleitung: „Immer wieder durchparieren zum Schritt, sobald der Sitz nicht mehr stimmt. Alles wieder korrekt anordnen und neu lostraben.“
Das stetige Versammeln hilft sehr: Ich kann den großen Wallach mit seinen weiten Tritten deutlich besser aussitzen, als ich vermutet hätte. Lord ist teilweise etwas stur, dafür aber weich im Maul und aufmerksam, ohne sich von den anderen Pferden ablenken zu lassen. Er bekommt dafür anderthalb Hufeisen.
Dressurreiterein Heinrich bildet Pferde und Reiter für den Turniersport aus. Was sie mir in dieser Einzelstunde vermittelte, war ein bisschen wenig. Außerdem hatte sie mich und meine Stunde vergessen. Sie erhält deshalb nur ein Hufeisen.
Lord hat eine geräumige Box mit Außenfenster; die drei anderen Schulpferde stehen in kleinen Boxen ohne Fenster. Allerdings dürfen die Pferde im Winter auf die Paddocks und im Sommer auf die Koppeln. Am Testtag waren die Schulpferde trotz Dauerregen draußen und standen anschließend nass in den Boxen. Auslauf und frische Luft sind wichtig, aber vor der Reitstunde könnten die Pferde in der Box wenigstens kurzfristig unter einer Decke trocknen. Die Boxen waren sauber gemistet, die Halle von 20 x 60 Metern befand sich in ordentlichem Zustand. Die Sattelkammer ist groß und aufgeräumt. Am Ende der Stallgasse schlummert das nötigste Putzzeug in einer Kiste. Wenn mehrere Reiter ihre Pferde für eine Stunde vorbereiten, wird die Putzausrüstung etwas knapp. Daher gebe ich dem Betrieb eineinhalb Hufeisen.
Die Einzelstunde dauerte knappe 45 Minuten und kostete 15 Euro. Genauso teuer ist auch die Erwachsenen-Stunde in der Abteilung mit bis zu vier Reitern. Für die Mitgliedschaft verlangt der Verein 180 Euro jährlich. Das ist günstig. Dem stand ein ordentlicher Unterricht gegenüber. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in diesem Fall angemessen und bekommt daher zwei Hufeisen.
Bewertung
Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: eins von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen
Kontakt
Reitverein Reutlingen
72770 Reutlingen
Tel. (07072) 6622
www.reitverein-reutlingen.de



