Test: Reitschulen in Norddeutschland

Hof Büchsenschinken

Büchsenschinken klingt nach Enge und Blech. Ein unglücklicher Name für den Hof von Springreiter Arndt Hönke, denn dort sieht es zunächst ganz anders aus. Leise gleitet das weiße Holztor auf Knopfdruck zur Seite und gibt den Weg frei zu geharkten Kieswegen, die sich um grünen Rasen und rotgeklinkerte Ställe ranken.

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Pferde reiten Reitsport CAVALLO Foto: CAVALLO
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Pferde reiten Reitsport CAVALLO
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Genauso schön wie die Anlage ist Mecki – das einzige Schulpferd im Stall, wie Hönkes Lebensgefährtin Nadine Buberl erklärt. „Eigentlich trainieren wir nur Pferde und deren Besitzer“, sagt die Bereiterin. Doch ab und an dürfen auch Schüler ohne eigenes Pferd auf Mecki, dem ehemaligem Turniercrack von Vater Hönke, eine Stunde nehmen. „Der macht alles, von der Sitzlonge bis zum Reitabzeichen“, sagt Nadine Buberl, während ich den Riesen bürste. Eigentlich überflüssig, denn das Fell glänzt bereits wie Seide über mächtigem Hals und propperen Muskeln.

Den Trakehner zu reiten, ist ein Genuss, trotz seiner 1,70 Meter Stockmaß. Mecki geht locker und ohne Murren durchs Genick, sein mächtiger Hals baut sich imposant vor mir auf. Ich spüre, wie der Wallach mit großen Schritten unter seinen Schwerpunkt tritt, und lasse mich von Nadine durch einfache Lektionen lotsen: Schlangenlinien, Zirkel, Wechsel durch die Bahn.

„Wenn du nicht sitzen kannst, trab leicht, du musst dich ja nicht totarbeiten“, sagt sie, weil das Thermometer bereits früh auf 35 Grad kletterte und ich ihr außerdem erzählte, dass ich ein Jahr Reitpause hatte.

Dabei fühlt sich die Arbeit auf Mecki gar nicht nach Arbeit an. Er ist butterweich zu sitzen; was immer wir reiten, wir scheinen zu schweben. Mecki nimmt sofort jede Hilfe an, pariert vom Trab zum Halten durch und trabt sofort wieder an. Auch im Galopp geht er sicher und balanciert.

Das entspannt mich derart, dass Mecki plötzlich bei Wechseln durch die ganze Bahn krumme Linien im Sand zieht. „Sitz gerade, du knickst in der Hüfte ein“, warnt Nadine Buberl und lässt mich noch ein paar Mal durch die Bahn wechseln. Ein paar Durchgänge, und der Wallach spurt wieder.



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„Nimm dein inneres Schulterblatt mehr zurück“, fordert Nadine dann, als ich rechtsrum auf dem Zirkel galoppiere. „Deine Schultern müssen parallel zu Meckis Schultern sein, sonst blockierst du ihn auf einer Seite.“ Ansonsten korrigiert die Bereiterin mich kaum. Sie lässt im Schritt und Trab immer wieder die Zügel aus der Hand kauen, um Mekkis Losgelassenheit zu prüfen, dabei dehnt sich der Wallach gut vorwärts-abwärts. Nadine lobt: „So ist es richtig, das ist schön.“

Stolz klopfe ich Meckis mächtigen Hals und strahle. „Macht’s Spaß?“ fragt Nadine Buberl, als sie mich nach einem letzten starken Trab die Stunde am hingegeben Zügel beenden lässt. Als Antwort gebe ich Meckis vorbildlicher Rittigkeit drei Hufeisen. Die verdient er auch wegen seines tollen Charakters: Als beim Putzen alle anderen Pferde um ihn herum Futter bekamen, rührte er kein Ohr.

Die gelernte Bereiterin Nadine Buberl erhält zwei Hufeisen. Sie verlangte nicht viel von mir und korrigierte kaum. Das ist auf einem so guten Schulpferd auch nicht so nötig wie auf einem unrittigen. Und schließlich hatte ich mich als Wiedereinsteiger angemeldet. Dennoch hätte ich gerne mehr Sitzkorrekturen und -tipps von ihr gehört.

25 Euro kostete die 30minütige Einzelstunde auf Traumpferd Mecki. Das ist ein guter Preis für eine gute Stunde und bringt im Verhältnis zur Unterrichtsleistung zweieinhalb Hufeisen.

Auf Hof Büchsenschinken bildet Pferdewirt und Springreiter Arndt Hönke gemeinsam mit Nadine Buberl Pferde bis Klasse S aus, bereitet sie
auf Hengstkörungen und Stutenleistungsprüfungen vor. Zudem startet der 29jährige Pferdewirt Schwerpunkt Reiten, der seine Ausbildung in der Hannoverschen Reitschule Verden absolvierte, erfolgreich in schweren Prüfungen und gewann auch schon das Bundeschampionat in Warendorf. Unter anderem stammt Olympiapferd „Classic Touch“ von ihm.

Sein Bilderbuch-Hof besteht aus vier Ställen, darunter ein Hengststall, mit großen Paddock- und Außenboxen. Es gibt neben Reit- und Longierhalle mehrere Außenplätze, Waschplätze, ein Solarium und ein Kasino. Die Sattelkammer ist blitzsauber und aufgeräumt, Meckis Sattelzeug wie sein Fell auf Hochglanz poliert.

Ich gebe der gepflegten Anlage trotzdem nur ein Hufeisen, weil Mecki mit einigen anderen Pferden von Arndt Hönke die meiste Zeit des Tages in engen, dunklen Behelfsboxen aus grünen Plastikplanen und Gitterstäben verbringt. Die eingepferchten Pferde können nicht ins Freie schauen, Mecki und ein weiteres Pferd im Stall koppen. Das erinnert dann doch irgendwie an Enge und Blech.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistungs-Verhältnis: zweieinhalb von drei Hufeisen

Kontakt
Hof Büchsenschinken
Büchsenschinken 8
21465 Reinbek
Tel. (04104) 694935
www.arndt-hoenke.de

08.09.2008
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 10/2007