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Test: Reitschulen bei Stuttgart
Reitverein Ditzingen e. V.
Ich rutsche nach rechts, nach links und komme einfach nicht zum Sitzen. Eben so wenig lässt sich meine Stute Zaubermaus in irgendeine Richtung stellen – sei es innen oder außen.
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Sie ist fest im Genick und schwenkt ihr Hinterteil in sämtliche Richtungen. Außerdem droht sie, sobald sich eins der anderen drei Pferde nähert, bremst und schnickt mit dem Kopf. Weil ich immer steifer werde, sausen Zaubermaus und ich auf einem Teufelskreis: War die braune Stute zu Beginn der Hausfrauen-Gruppenstunde noch eher faul, dreht sie jetzt auf und rennt. Reitlehrerin Katja Läufer kennt das Problem. „Unter einem 30-Kilo-Kind ist Zaubermaus bierruhig“, sagt die Pferdewirtin. „Sobald jemand drauf sitzt, der arbeiten möchte, wird es schwierig. Eine falsche Handbewegung, und sie pullt.“
Ich grüble, was meine Hand wohl falsch gemacht hat. Katja Läufers Rat: Die Stute von der ersten Minute an mit weicher Hand, aber konsequenten Schenkel- und Gewichtshilfen arbeiten, um sie später kontrollieren zu können. Das fällt schwer, wenn ein Pferd so wenig ausbalanciert ist und seinen Kopf beharrlich gegen den Dreieckszügel reckt wie Zaubermaus.
Ich gebe jedoch nicht so leicht auf. Ein Pferd, das täglich brav kleine Kinder trägt, hat schon für diese Leistung ein Hufeisen verdient. Dass es so rittig ist wie ein Dressurpferd, kann keiner erwarten. Ungewöhnlich ist auch nicht, dass ein Pferd einen fortgeschrittenen Reiter zunächst testet. Aber dann sollte es mitarbeiten, und damit tut sich Zaubermaus schwer.
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Die gegen Kälte dick vermummte Reitlehrerin erkennt rasch, woran es bei mir hapert. „Sie haben die Angewohnheit, die innere Schulter hochzuziehen, und schieben die äußere nach hinten“, tadelt sie. „Die Schultern müssen locker fallen, dann geht auch die Hüfte weich mit, und das Pferd entspannt sich.“ Läufer fordert Übergänge zwischen allen drei Gangarten und immer wieder Volten. Das soll mich zwingen, meine Schenkel in zahlreichen Wendungen richtig einzusetzen und die Stute sanft mit dem inneren Bein an den äußeren Zügel heranzutreiben.
„Dann wird sie sich allmählich setzen und nicht mehr so im Genick verwerfen“, erklärt die Trainerin. Zaubermäuschens Stechtrab macht die Sache allerdings nicht einfacher, ihr Rücken bleibt fest. „Sie müssen sich aufrechter hinsetzen“, höre ich. Tatsächlich wird die Stute für eine halbe Zirkelrunde etwas ruhiger. „Fein“, freut sich die Reitlehrerin, von der ich mich gut betreut fühle. „Jetzt entspannt sich Zaubermaus.“ Leider nicht lange. Denn ausgerechnet jetzt überholt uns ein anderes Pferd. Zaubermaus spannt sich erneut von Ohr- bis Schweifspitze.
Schade, denn eigentlich ist die kastanienbraune Stute, der ich ein Hufeisen gebe, eine wirklich liebe Maus. Sie ist umgänglich und für Kinder gut geeignet. Mit ihren großen Augen guckt sie trotz unserer Probleme freundlich und aufmerksam. Sogar als ich ihr eine harte Parade geben muss, um nicht in ein anderes Pferd hineinzurauschen, guckt Zaubermaus nur kurz leicht irritiert. Danach klappt sie ihre Ohren aufmerksam in meine Richtung, als ich mich mit leiser Stimme und Streicheln für meinen groben Handstreich entschuldige.
„Bevor sie in den Schulbetrieb kam, rannte sie nicht“, erzählt Katja Läufer, die meine wachsende Verzweiflung beobachtet und für ihre Hilfe drei Hufeisen bekommt. Sie gab wertvolle, lehrreiche Tipps und informierte mich zu Beginn ehrlich über Zaubermaus’ Eigenarten, so dass ich mich auf die Stute einstellen konnte. Auch betreute sie mich vor und nach der Reitstunde und informierte mich über alle vereinsüblichen Abläufe sowie das Betriebsklima.
Ich zahle 20 Euro für die Gruppenstunde. Vereinsmitglieder zahlen 70 Euro für eine Fünfer-Reitkarte und 160 Euro Jahresbeitrag. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerte ich deshalb mit eineinhalb Hufeisen, der Reitbetrieb streicht zweieinhalb ein. Die Anlage bietet eine etwas dunkle, aber doch gepflegte 20x40-Meter-Blech-Reithalle, einen winterlich vermatschten Außenreitplatz, zahlreiche Koppeln und derzeit ebenfalls matschige Paddocks. Die sind groß genug, damit sich kleine Pferdeherden im Winter etwas austoben und Außenluft schnuppern können.
Der Stall ist hell, die Innen- und Außenboxen vorbildlich ausgemistet. Jedes Schulpferd hat seine eigene Putzbox und sauberes Sattelzeug aus hochwertigen Materialien. Um den Reitverein herum gibt es ein schönes Ausreitgelände, in das Katja Läufer ihre Reitschüler regelmäßig entführt. Ich habe den Eindruck, in einem kleinen, gut geführten Verein mit familiärer Atmosphäre gelandet zu sein. Einen Teil der Atmosphäre nehme ich sogar mit nach Hause: Von der Weihnachtsdeko in der Reithalle, die ich zweimal streifte, hängen hartnäckig ein paar Tannennadeln in meinem Fleecepulli.
Bewertung
Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistungs-Verhältnis: ein von drei Hufeisen
Kontakt
Reitverein Ditzingen e. V.
Gansäcker
71254 Ditzingen
Tel. (07156)32546
www.reitverein-ditzingen.de/



