Test: Reitschulen in Trier und Umgebung

Naumeshof

Auf dem Naumeshof erlebte Miriam Kreutzer eine schweißtreibende Stunde mit einem tadellosen Reitlehrer und einem Reitpony, das sich selbst zäumte.

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Foto: Miriam Kreutzer
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Schnell wird mir klar, weshalb Reitlehrer Jörg Siepmann meinte, ich solle ihn anrufen, wenn ich ihn auf der Anlage nicht finden könne. Auf dem Naumeshof stehen nämlich an die 100 Pferde, die sich auf mehrere Ställe verteilen.

Eher zufällig läuft mir Siepmann dann doch über den Weg. Er ist selbstständiger Reitlehrer mit einem Trainer-A-Schein. Seine neun Schulpferde stehen in Pension (250 Euro; 280 Euro inklusive Misten), was Weidegang einschließt.

„Die Pferde sind auf der Koppel“, sagt er. Die riesigen Weiden liegen direkt am Hof. Siepmanns kleine Herde kommt sofort ­neugierig angelaufen. „Na, ihr Hübschen“, begrüßt er sie.

 

CAVALLO Reitschultest
Foto: cavallo

Ich soll es mit Josy versuchen, einem Reitpony, das ich gleich ins Herz schließe. Die propere Stute ­genießt die Fellpflege und gibt brav ihre Hufe. Die Acht-jährige zäumt sich praktisch selbst und nimmt das Gebiss freiwillig ins Maul. Josy hat die typische Reitpony-Geschichte: Die Vorbe­sitzerin ist auf ein Großpferd umgestiegen und hat das Pony verkauft.



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Wir gehen in die 20 x 40 Meter große Halle. 30 Minuten Einzelunterricht habe ich gebucht und bin gespannt, wie schnell ich mit Josy klarkomme. Die etwa 1,40 Meter große Stute gibt mir nicht das Gefühl, auf einem Pony zu sitzen. Dank ihrem ­runden Bauch und dem breiten Rücken fühle ich viel Pferd.

„Lassen Sie trotzdem Ihre Beine lang fallen. Sie kommen mit der Wade auch so gut ans Pferd“, sagt Jörg Siepmann. Wir beginnen die Stunde mit einigen Runden Schritt und großen ­Zirkeln. Dem Reitlehrer entgeht nichts. „Immer von Zirkelpunkt zu Zirkelpunkt, jetzt fehlt Ihr inneres Bein, äußerer Zügel ­begrenzt, richtiiiig.“

Das Pferd geht fleißig vorwärts. „Jetzt wollen wir Josys Biegung verbessern, reiten Sie Schlangenlinien an der langen Seite.“ Josy kaut zufrieden auf ihrem Gebiss, aber ich soll sie noch mehr zum Biegen animieren. „Lassen Sie die äußere Hand stehen und drücken Sie mit der inneren ein Schwämmchen aus. Das darf für mich kaum zu ­sehen sein, richtiiiig.“ Josy lässt das Genick fallen und tritt dann besser mit der Hinterhand unter. „Sie darf noch mehr übertreten, richtiiiig.“ Auch bei der Trab-Reprise geht Josy flott vorwärts. Jörg Siepmann verlangt dabei anspruchsvollere Lektionen wie Trabvolten. „Achten Sie ­darauf, dass auch das Ende der Volte rund bleibt“, sagt er. „Auf die Mittellinie abwenden. Volte nach rechts – marsch! Und gleich Volte nach links – marsch!“ Langsam komme ich ins Schwitzen, auch wenn Josy butterweich zu sitzen ist.

Ihr Galopp ist energisch, aber man hat nicht das Gefühl, dass sie einem wegläuft. „Bleiben Sie noch ein wenig ruhiger im Oberkörper und fühlen Sie die Bewegung im Becken, richtiiiig“, kommentiert Jörg Siepmann.

Als ich absteige, bin ich erschöpft, aber glücklich. Ich habe einen intensiven Unterricht ­genossen. Reitlehrer Jörg Siepmann schätzte mein Können richtig ein, forderte, ohne mich zu überfordern, und lobte viel. In dieser halben Stunde, so mein Gefühl, habe ich viel gelernt. Siepmann unterstützte mich ­außerdem beim Putzen und ­Satteln. Hier muss ich gar nicht lange überlegen: Seine Leistung verdient volle drei Hufeisen.

Die vergebe ich auch an Josy. Die kleine Stute ist ein sehr rittiges, motiviertes Schulpony, das auch Erwachsene problemlos tragen kann, außerdem im Umgang extrem unkompliziert.

Ebenfalls drei Hufeisen ­bekommt das Preis-Leistungs-verhältnis. Ich habe 20 Euro für eine sehr gute, lehrreiche halbe Stunde bei einem fabelhaften Reitlehrer bezahlt. Das ist mehr als angemessen.

Dem Betrieb gebe ich zweieinhalb Hufeisen. Die meisten Pferde stehen in Innenboxen, die luftig und offen sind, aber die wenigsten Tiere haben einen Ausguck nach draußen. Weil sie aber ­jeden Tag auf die Koppel kommen, auf Wunsch sogar Tag und Nacht, ziehe ich nur ein halbes Hufeisen ab. Neben der großen Reithalle gibt es noch eine Halle von 15 x 38 Metern, einen Longierplatz (22 x 22 Meter), und ein Dressurviereck (25 x 50 Meter).

Ein Genuss für die Pferde sind die großen Weiden. Als ich Josy dorthin zurückbringe, verlaufe ich mich allerdings auf der großen Anlage. Zum Glück kennt die clevere Stute, wenn ich sie lasse, den kürzesten Weg zum Gras.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen

Reitlehrer: drei von drei Hufeisen

Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen

Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Naumeshof
54317 Morscheid
Tel. (0171) 4551222
www.naumeshof.de


23.02.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 11/2009