Test: Reitschulen in Trier und Umgebung

Reitsportzentrum Monaise

Hinter dunklen und vergitterten Boxen fand die Testerin gestresste Schulpferde vor. Die Reitlehrerin kümmerte sich kaum um die Neue.

Fotostrecke: Test: Reitschulen in Trier

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Foto: Miriam Kreutzer
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Kaum betrete ich den Schulpferdestall des Reitsportzentrums, sehe ich nahezu nichts mehr. Draußen scheint die Sonne; hier drin wäre es ohne künstliches Licht fast dunkel. Nur einige Hochfenster spenden spärliches ­Tageslicht.

Hinter den hochvergitterten Boxen begrüßen mich angelegte Ohren und wetzende Zähne. Die Schulpferde wirken gestresst. Auch Stute Suna ist wenig begeistert, als ich sie aus der Box hole. Netterweise zeigt mir eine Frau, wo ich Sunas Sattelzeug finde. Das Putzzeug liegt in einer großen Kiste.

Auch über die Fellpflege ist Rappstute Suna nicht gerade erfreut. Sie ist kitzelig und droht, tut mir aber nichts. Kurze Zeit später beginnt der Reitunterricht. Ich habe eine Gruppenstunde für Fortgeschrittene ­gebucht. Anleiten wird uns Franka Grunow, die seit zwei Jahren mit ihrem Mann Ulli die Reitanlage gepachtet hat.



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„Suna reagiert manchmal etwas ignorant auf den Schenkel, haben Sie eine Gerte?“, fragt Grunow. Im Schritt fühlt sich die Stute gar nicht so faul an. Nach kurzer Zeit sucht sie von sich aus die Verbindung zu meiner Hand und kaut zufrieden Schaum. „Suna hat Probleme mit der Biegung, fordern Sie sie immer wieder“, sagt Grunow. Als ich auf den Zirkel abbiege, ist mir klar, was sie meint. Suna nimmt den inneren Schenkel nicht an, mein Zirkel wird eine ovale Bahn.

Die ersten Trabtritte fallen Suna schwer, die 18-Jährige braucht kurze Zeit, um sich einzulaufen. Im Trab geht mir die Verbindung zu ihrem Maul zwischendurch verloren. Vor allem dann, wenn ihr andere Pferde zu nah kommen. Darauf reagiert sie mit angelegten Ohren.

„Reiten Sie weiter große Biegungen und parieren Sie immer wieder zum Schritt durch, das wird sie lockern.“ Ich soll den Zirkel verkleinern und beim Vergrößern angaloppieren. Suna galoppiert heftig an, ich habe erst Sorge, dass sie mir wegläuft. Der Übergang zum Trab ist holprig, ich rette mich ins Leichttraben und bekomme ­einen Rüffel. „Bleiben Sie sitzen, auch wenn es kurz mal unbequem ist, sonst tritt sie nicht richtig unter.“ Dann widmet sich Grunow wieder den anderen Reitschülern, und ich bin erneut mir selbst überlassen.

Kurze Zeit später fegt Pony Sarah im Galopp an uns vorbei. Suna bleibt zum Glück cool. Richtig locker bekomme ich das steife Pferd aber in den
60 Minuten im Sattel nicht. Trotzdem ist die Warmblut-Stute ein solides Schulpferd. Wegen ihrer Zicken beim ­Putzen und Satteln ziehe ich ihr eins von drei Hufeisen ab. Bleiben zwei Eisen für Suna.

Reitlehrerin Franka Grunow ist gelernte Physiotherapeutin und bezeichnet sich selbst als Seiteneinsteigerin. Ob sie einen Trainerschein hat, verrät sie mir nicht. Auf der Homepage des Zentrums erfahre ich, dass sie selbst Dressurprüfungen bis Klasse M reitet. Ihr Unterricht war logisch aufgebaut, mir fehlten aber Aha-Effekte und Sitzkorrekturen. Abzug bekommt Grunow auch, weil sie mich beim Putzen und Satteln nicht unterstützte. Zudem kontrollierte sie weder Sattel noch Trense, ­obwohl ich neu war. Am Ende reicht es für anderthalb von drei Hufeisen.

So viele Eisen gebe ich auch dem Preis-Leistungsverhältnis. Ich habe für durchschnittliche 60 Minuten mit sechs Mitreitern 15 Euro bezahlt. Das wird mit einer Zehner-Karte für 130 Euro günstiger. Allerdings muss man – wenn man regelmäßig reiten möchte – in den Post-Sport-Telekom-Verein Trier eintreten. Ihm gehört die Anlage. Die zehn Schulpferde wiederum sind im Besitz der Pächter. 16 Euro zahlen Erwachsene pro Monat Vereinsbeitrag, das macht zusätzlich 192 Euro pro Jahr. Hinzu kommt eine Aufnahmegebühr von acht Euro. Der Preis für die Reitstunde allein geht in Ordnung, der Vereinsbeitrag
ist saftig – also sind eineinhalb Eisen angemessen.

Der Betrieb bietet zwei gepflegte Reithallen (25 x 70 und 20 x 40 Meter) sowie zwei große Reitplätze. Neben den Schulpferden stehen Pensionspferde auf der Anlage (320 Euro Strohbox/Monat, 335 Euro Spänebox). Alle Boxen sind am Testtag sauber, das Sattelzeug ist zwar älter, aber noch in Ordnung. Angeblich kommen die Schulpferde stündlich auf die Weide, ihrem Verhalten nach zu urteilen, reicht das nicht. Sie stehen in den dunklen Boxen ohne Ausguck. Ein Hufeisen notiere ich für den Betrieb.

Als ich ins Freie gehe, bin ich wieder geblendet. Jetzt aber schnell zum nächsten Test.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eins von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eineinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Reitsportzentrum Monaise
54292 Trier
Tel. (0651) 9976831
www.pst-trier-reiten.de


Inhaltsverzeichnis

23.02.2010
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 11/2009