CAVALLO-Test: Reitschulen im Altmühltal

Reitverein Weißenburg

Ein Schulpferd, das sowohl klassisch als auch im Westernstil geritten wird? Der Reitverein Weißenburg hat solche Allrounder.

 

CAVALLO Reitschultest Altmühltal Reitverein Weißenburg
Foto: Miriam Kreutzer

Reitlehrerin Margit Rebec kommt eine halbe Stunde später als vereinbart zum Termin, weil sie noch mit einem Igel beim Tierarzt war. Da ich in einen Plan eingetragen war, konnte ich das zugeteilte Schulpferd Mio schon putzen und mich mit dem Haflinger bekannt machen. Gemeinsam müssen wir dann nur noch Sattel und Zaumzeug suchen. Das gestaltet sich schwierig. Ich habe heute eine Westernstunde beim Reitverein Weißenburg gebucht. Margit Rebec unterrichtet hier beides.

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CAVALLO Reitschultest Altmühltal PSG Ellingen Foto: Miriam Kreutzer
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Offenbar ist die Nachfrage nach Western aber in letzter Zeit gesunken. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass eine Staubschicht den Westernsattel überzieht und passendes Zaumzeug erst gesucht werden muss. Schließlich erscheint Margit Rebec mit einem Einohr-Zaum.

Am Telefon hatte sie mich darauf hingewiesen, dass ich keine professionellen Western-Disziplinen erwarten dürfe. Also rechne ich mit einer abgespeckten Version der Western-Reitweise – und liege damit komplett falsch. Die Reitlehrerin führt mich systematisch an das Wesentliche des Westernreitens heran.



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Weil sie klassischen Reitstil und Western unterrichtet, kann sie die Reitweisen gut miteinander vergleichen und dem Reiter plausibel darstellen. „Letztendlich ist der Unterschied gar nicht so groß“, erläutert Rebec. „Die Anlehnung wie bei der klassischen Reitweise fehlt – und damit meine ich sowohl die Zügelanlehnung als auch die Anlehnung mit den Unterschenkeln.“ Ein im klassischen Stil fein gerittenes Pferd reagiere aber ebenso gut auf die Signale, wie sie beim Westernreiten verwendet werden.

Für den Reiter gestalteten sich die Hilfen beim Westernreiten aber eher „langsam und zum Mitschreiben“, erklärt die Reitlehrerin. Da Mio für beide Reitweisen eingesetzt wird, frage ich nach, ob Signale und Hilfengebung nicht verwässern. Aber Margit Rebec sieht das unkritisch: „Wichtig ist, dass der Reiter obendrauf gut ausbalanciert ist.“ Klingt gut, funktioniert aber bei Mio nicht überzeugend. Beim Antraben soll ich doch unterstützend mit den Schenkeln treiben, und auch bei der Hinterhandwendung soll der äußere begrenzende Zügel am Hals anliegen. „Das ist ja der Vorteil gerade für einen Umsteiger, dass er doch noch Mittel einsetzen kann, die er kennt, und auf die das Pferd reagiert“, meint die Trainerin C.

Bevor ich mich in den Sattel geschwungen habe, haben wir eine Viertelstunde Bodenarbeit gemacht. Das handhabe sie immer so, auch in den regulären Gruppenreitstunden, erklärt die Trainerin. So könne der Reiter eine Verbindung zum Pferd herstellen. Auch während des einstündigen Unterrichts demonstriert Margit Rebec vom Boden aus die Körperbewegungen und zeigt, dass beim Westernreiten alles ein wenig übertrieben ist. „Während man die klassischen Hilfen kaum wahrnimmt, sieht man jeden einzelnen Impuls beim Western.“ Ein Beispiel: Äußerer Zügel und Schenkel begrenzen, der innere Arm wird weit vom Körper weggestreckt. Eine so große Bewegung gebe es in der klassischen Reitweise nicht, sagt Rebec.

Ihr engagierter Einsatz in der Stunde, die interessante Theorie und die angenehme Art der Vermittlung wird mit vollen drei Hufeisen belohnt. Schulpferd Mio trägt anfangs die theoretischen Einlagen im Stand noch mit Fassung und bleibt aufmerksam, wird dann aber immer schläfriger. Er ist so sehr auf Margit Rebec fokussiert, dass ihre Nähe zum Reiter während einzelner Lektionen manchmal kontraproduktiv ist: Denn das Pferd hört eher der Reitlehrerin zu als dem Reiter auf seinem Rücken. Der 15-jährige Haflinger ist gutmütig und willig, braucht aber bei den Signalen Nachdruck. Der Wallach erhält eineinhalb Hufeisen. Mio kommt mit einer Gruppe anderer Pferde am Testmorgen von draußen. Bis Mai schnappen die Pferde täglich auf dem 40 x 70 Meter großen Außenreitplatz frische Luft , danach dürfen sie auf die Koppeln des Vereins. Mios Box ist mit etwa 2 x 4 Metern klein und schmal. Sie hat kein Fenster. Seine Vorderhufe sind frisch beschlagen, hinten hat er keine Eisen. Am Testmorgen wird gemistet, Mios Box ist bereits sauber und mit Heu und Kraftfutter vorbereitet. Die 20 x 40 Meter große Reithalle ist ordentlich abgezogen. Der Betrieb erhält zwei Hufeisen.

Die Reitstunde hat 60 Minuten gedauert und 30 Euro für den Unterricht sowie 5 Euro fürs Pferd gekostet. Die Stunde war individuell, das Schulpferd gelegentlich eigensinnig und nicht richtig durchlässig. Ich gebe dem Preis-Leistungs-Verhältnis zwei Hufeisen. Die Mitgliedschaft im Reitverein Weißenburg kostet 100 Euro im Jahr, eine Zehner-Reitkarte als Mitglied 90 Euro auf einem Vereinspferd, mit Privatpferd 40 Euro.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Heisen

Kontakt

Reitverein Weißenburg
91781 Weißenburg
Tel. 09141-86140
www.reitverein-weissenburg.de


25.07.2011
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 06/2011