Sattelpad-Test: Hersteller, Material, Preise im Überblick

Die Messtechnik des Sattelpad-Tests

Sattelpads sollen den Pferderücken schonen. Sie sind aus Gel, High-Tech-Schaum oder hochwertigem Lammfell. Dämpfen sie den Druck unterm Sattel? Der CAVALLO-Test zeigt die Ergebnisse.

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CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Krämer Pferdesport
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: dt-saddlery
CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen Foto: Hersteller: Busse

 

CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen
Foto: Rädlein Unter dem Fell-Pad liegt die Messmatte mit Sensoren.

Für den CAVALLO-Test liegen sämtliche Pads auf dem Rücken des neunjährigen Andalusiers Alegre. Der Hengst gehört Showreiterin Andrea Schmitz aus Wedemark bei Hannover. Sie reitet sämtliche Modelle während der Messung Probe. Ihr Hengst ist ein optimaler Testkandidat. „Alegre ist sehr feinfühlig und störanfällig. Wenn ihm im Rücken etwas nicht passt, zeigt er mir das sofort. Sein Takt verändert sich, und er ist nicht mehr im Gleichgewicht“, sagt Schmitz. Üblicherweise reitet sie nur mit einer normalen Schabracke unter dem Sattel.

Welche Sattelpads sind empfehlenswert? Zur Diskussion im CAVALLO-Forum

Die Messtechnik:
Das Mess-System von Savecomp Megascan hat 1824 Drucksensoren, die auf der Messmatte verteilt sind. Ein Datalogger registriert 500 Bilder pro Sekunde, eine Messung dauert 30 Sekunden. Jedes Pad wird im Schritt und Trab getestet. Gemessen werden die Druckspitzen. Aus den Einzelmessungen wird am Laptop ein Gesamt-Druckbild. Auch die Unterstützungsfläche ist wichtig. Das ist die Fläche, mit welcher der Sattel aufliegt. Sie sollte sich mit steigender Geschwindigkeit vergrößern. Je schneller die Gangart, desto höher ist wegen der Beschleunigung der Druck. Wo aber bleibt der Druck, wenn sich die Druckspitzen verringern? Schließlich verändert sich das Gewicht von Sattel und Reiterin nicht. Hier gibt es verschiedene Mechanismen: Die Werte können beispielsweise sinken, weil sich der Druck besser verteilt; oder das Material des Pads schluckt die Stöße – quasi wie die Dämpfung bei modernen Reithelmen. Nach welchen Prinzipien die verschiedenen Materialien wirken, untersucht CAVALLO für diesen Test nicht. Unberücksichtigt bleibt ebenso, inwiefern sich die Dicke der Sattelpads auf die Passform des Sattels auswirkt. Sattler empfehlen jedoch möglichst dünne Unterlagen.

Die Mess-Ergebnisse im Überblick:
Zuerst prüft Messexperte Roland Kleinschrothvon Savecomp Megascan, welchen Druck Sattel und Reiterin mit der üblichen Satteldecke auf Alegres Rücken bringen. Das sind die usgangswerte für die Messung. Sie liegen bei rund
5 N/cm2 im Schritt. Im Trab sind es etwa 8 N/cm2. Das entspricht einem Wert von etwa 800 Gramm pro Quadratzentimeter. Das Druckbild zeigt auch, dass Alegres Sattel eine große Auflagefläche bietet und den Druck gleichmäßig verteilt.

 

CAVALLO Sattelpads und Sattelunterlagen
Foto: Rädlein Vom Datenlogger am Sattel gelangen die Daten aufs Laptop.

Das Reitergefühl:
Unterschiede spürt Testreiterin Andrea Schmitz vor allem beim Keyhole-Pad: „Es fühlt sich sehr kippelig an, und ich sitze bergab im Sattel.“ Das ist verständlich: Schließlich soll das Tennisschläger-Pad ja gerade den hinteren Sattelbereich anheben, ist also nicht für Pferde mit geradem Rücken wie Alegre gedacht. Auch das dicke Memoform Sattelpad aus viskoelastischem Schaum, das zudem anfangs recht steif ist, fühlt sich für Andrea Schmitz ungewohnt an. „Ich habe mit diesem Pad das Gefühl, weiter weg vom Pferd zu sitzen“, sagt die Reiterin. „Zwar reagiert Alegre wie gewohnt, dennoch bin ich der Meinung, dass ich mit mehr Nähe zum Pferd besser mit meinen Hilfen einwirken kann. Die Wege sind einfach kürzer.“ Die anderen Testmodelle hinterlassen bei Andrea Schmitz kein ungewohntes Gefühl. „Sie sind alle sehr dünn. Ich habe sie beim Reiten nicht bemerkt.“

Das Test-Fazit:
Im CAVALLO-Test kristallisieren sich einige wichtige Aspekte heraus: Für mehr Komfort unter dem Sattel muss ein Pad großflächig auf dem Pferderücken aufliegen, relativ dünn, aber druckbeständig sein und dennoch weich genug, damit es sich an die Kontur des Rückens anschmiegt. Sicherlich haben die Messungen keinen wissenschaftlichen Anspruch (keine standardisierten Bedingungen). Dennoch vermitteln die Ergebnisse einen guten Eindruck: Denn alle Testkandidaten dämpfen die Druckspitzen erstaunlich deutlich, die Unterschiede zwischen den einzelnen Test-Modellen sind nur minimal. Der CAVALLO-Test sollte für Forscher Anreiz sein, weitere Studien zur Wirkung von Sattelpads in Angriff zu nehmen. Denn offeensichtlich bringen manche Pads Pferden doch mehr Wohlbehagen unterm Sattel als gedacht. Auch wenn sie aus einem unpassenden Sattel auf keinen Fall einen passenden machen. Dafür ist der Sattler da.

Inhaltsverzeichnis

Autor: Redaktion CAVALLO/Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 01/2012