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Test: Reitschulen um Offenburg
Durbach Ranch
Auf der Durbach Ranch ritt die Testerin einen Deckhengst, der zunächst die Ohren anlegte. Die Reitstunde könnte ein Glücksfall sein – wäre da nicht ein kettenrauchender Reitlehrer.
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Bulli ist in Altersteilzeit. Der 20-jährige Paint-Horse-Hengst arbeitet nur noch im Schulunterricht und deckt ab und zu. Bullig ist er dabei aber nicht. Laut Michaela Winkler, die den Betrieb mit ihrem Mann Karl-Heinz leitet, deckt er mit einer Eselsgeduld. Trotzdem sind die Stuten nicht immer nett zu ihm. Die letzte verpasste ihm eine tiefe Schramme auf dem Nasenrücken.
Beim Putzen und Satteln wirkt Bulli allerdings mürrisch: Die Ohren sind angelegt, er lässt die Prozedur über sich ergehen. Im Unterricht entpuppt er sich als sehr kooperativ. Reitlehrer Karl-Heinz Winkler, genannt Charly, startet die Stunde mit Erklärungen und Trockenübungen.
Er weiß aus unserem Gespräch am Telefon, dass ich Erfahrungen im Westernreiten habe und versucht herauszufinden, wo er ansetzen kann. Dabei lässt er bereits Erklärungen einfließen, beispielsweise zum richtigen Sitz.
„Wenn Sie durchparieren wollen, nehmen Sie die Spannung aus dem Körper“, erklärt er. „Nicht krampfhaft, sondern einfach locker werden, nach hinten setzen, ausatmen.“ Die Spannung ganz aus dem Körper zu lassen, ist gar nicht so leicht. Meine Versuche kommen bei Bulli nicht an. Ich muss also noch den Zügel zur Hilfe nehmen, wenn ich anhalten will. Bulli ist auf Kandare gezäumt. Da diese schärfer auf das Pferdemaul wirkt als eine Wassertrense, soll ich Zügelhilfen sparsam einsetzen.
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Prinzipiell ist Bulli auch ohne Zügel zu reiten, wie ich bald merke. Es reichen Gewichts- und Sitzhilfen, um dieses fein ausgebildete Pferd zu dirigieren. Karl-Heinz Winkler läuft die meiste Zeit neben uns her, demonstriert Drehungen mit seinem Körper. Er kommt zu mir ans Pferd und biegt meinen Sitz zurecht.
Es ist ihm sehr wichtig, dass ich alle Übungen, die wir absolvieren, auch verstehe. Dazu fragt er auch nach. „Warum nimmt man bei der Galopphilfe den äußeren Schenkel zurück?“ Meine vom klassischen Reiten geprägte Antwort befriedigt ihn nicht. „Weil ich den Körper in die äußeren Galoppsprünge des Pferds eindrehe und damit automatisch mit dem äußeren Schenkel zurückgehe“, sagt er. Vieles lasse sich vom klassischen Reiten herleiten und unterscheide sich nicht allzu sehr vom Westernreiten, betont Charly Winkler. Schließlich werde bei keiner Reitweise das Rad neu erfunden. Wer hier Unterricht nimmt, erhält von Winkler, Trainer B der Ersten Westernreiter Union, fundiertes Wissen.
Glaubhaft versichert der engagierte und ausgezeichnete Reitlehrer, dass alle sechs Schulpferde des Betriebs so fein zu reiten sind wie Bulli. Auf der Durbach Ranch kann man Einzelstunden oder Gruppenstunden mit bis zu zwei Teilnehmern buchen. Nur bei guten Reitern können es auch mal Dreier-Gruppen sein.
Bulli wirkt vor allem im Schritt etwas müde und kürzt die Runden im Roundpen entweder ab oder drückt sich an die Wand. Das sind seine einzigen Unarten, so dass er zwei Hufeisen erntet.
Der herausragende Unterricht verdient eigentlich drei Eisen. Aber ich muss ein halbes abziehen, weil Winkler eine Zigarette nach der anderen raucht, während er unterrichtet. Das ist für Nichtraucher nicht nur unangenehm, sondern in einer nahezu geschlossenen Reitbahn auch gefährlich.
Neben dem Unterricht im Roundpen oder auf dem Außenreitplatz gibt es Ausritte in den nahen Wald. Die Pferde sind bei gutem Wetter durchgehend auf den Koppeln. Die Boxen sind zwar spärlich eingestreut, aber ordentlich gemistet. Bullis Box ist klein, sie hat weder ein Fenster noch einen Außenpaddock. So sind die meisten der Schulpferde untergebracht. Die geräumigen Paddockboxen sind den Pferden der Einsteller vorbehalten. Die Sattelkammer ist ordentlich und sauber. Jedes Pferd hat einen eigenen Putzkasten. Als ich mich im Stall umsehe, finde ich drei angebundene Hunde – einen davon auf dem Klo, einen anderen erbärmlich jaulend in einer Pferdebox. Ich gebe dem Betrieb am Ende eineinhalb Hufeisen.
Die 60-minütige Schnupperstunde hat 26 Euro gekostet und kann vom Unterricht her kaum übertroffen werden, wofür das Preis-Leistungs-Verhältnis drei Hufeisen erhält. Eine Zehnerkarte kostet 260 Euro, eine normale Einzelstunde 30 Euro.
Bewertung
Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zweieinhalb von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen
Kontakt
Durbach Ranch
77770 Durbach
Tel. 0781-9488016 begin_of_the_skype_highlighting 0781-9488016 end_of_the_skype_highlighting begin_of_the_skype_highlighting 0781-9488016 end_of_the_skype_highlighting
www.durbach-ranch.de



