Ausdauer für Pferde: So bekommt Ihr Pferd Kondition

Strechting fürs Pferd

Knackige Muckis, reichlich Ausdauer und beweglich wie ein Flummi: CAVALLO zeigt, wie Sie Ihr Pferd mit Konditions-Training fit machen und dabei viel Spaß haben!

 

Kondition Ausdauer Fitness Dressur Gelände
Foto: Lisa Rädlein Das Pferd dehnt sich, um an das Leckerli zu kommen.

Gesundes Dehnen ist immer zwanglos, Widerstand ist verboten. Richtig geschmeidig werden Pferde durch reell gerittene Seitengänge und leckere Karotten.

In Bestform sind nur bewegliche Pferde. Deswegen sollte Sie die Geschmeidigkeit Ihres Pferds fördern. Dann kann es seine Gelenke optimal strecken und beugen. Es wird Lektionen elastischer, korrekter und athletischer bewältigen. Training verbessert die Elastizität von Bändern und Gelenken, der Bewegungsspielraum von Gelenken wird größer. Beweglichkeitstraining besteht hauptsächlich aus dem Dehnen der Muskulatur – aktiv beim Reiten oder passiv durch Übungen am Boden.

Es gibt drei Methoden, bestimmte Körperteile zu dehnen. Passives, aktives und elastisches Dehnen (siehe Absatz "Elastisches Dehnen"). Beim passiven Dehnen dehnt man Muskelpartien des Pferds und steigert so die Beweglichkeit der Muskulatur. Der Muskel wird langsam an die Grenze der Elastizität herangeführt. Dabei gilt: Nie gegen Widerstand arbeiten. „Im Zweifel überlässt man Dehnübungen einem manuellen Therapeuten“, rät Ralf Döringshoff.

Wie Reiter ihr Pferd selbst und sicher gymnastizieren, zeigt Dr. Hilary Clayton, die am McPhail-Forschungscenter in Michigan/USA arbeitet. Sie hat Übungen entwickelt, die vom Boden aus die Wirbelsäule mobilisieren, die Balance verbessern und den Pferderücken kräftigen. Lassen Sie Ihr Pferd zum Beispiel zwischen den Vorderbeinen oder Richtung Hinterbein nach einer Karotte angeln. Pferde dehnen sich bei diesen Leckerli-Übungen zwanglos. Fragen Sie anfangs wenig Dehnung ab, die Sie Schritt für Schritt steigern. Trainieren Sie nicht mit einem kalten Pferd, sondern direkt nach dem Reiten, wenn die Muskulatur noch warm ist: Kalte Muskeln sind unelastisch und sehr anfällig für Verletzungen.

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Methoden zum Dehnen

Vor einem Wettkampf, wo schnelle Bewegungen und Kraft wie beim Springen oder in der Reining gefordert sind, ist langsames, statisches Dehnen jedoch nicht optimal: Es lockert zwar die Muskeln, aber die Kraft und Schnelligkeit der Muskelfasern lässt nach.

Aktives Stretching findet bei der Arbeit an der Hand und unterm Sattel statt. Das Pferd dehnt die Muskulatur von sich aus, wenn es sich überm Sprung streckt oder mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt tritt. Bei der Rahmenerweiterung dehnt sich der lange Rückenmuskel. Die Allzweckwaffen in Sachen aktiver Dehnung sind sämtliche Seitengänge wie Traversalen oder Schulterherein.

Elastisches Dehnen

Beim elastischen Dehnen soll sich die Muskulatur durch wippende Bewegung immer weiter dehnen. In der Sportmedizin wird diese Methode mittlerweile kritisch betrachtet. Die Muskulatur hat einen Schutzreflex und kontrahiert, sobald schnelle Dehnungsreize kommen. Der Muskel lässt die Dehnung nicht zu. Wippt man weiter, kann das Muskelgewebe zerreißen. Die Beweglichkeit verbessert sich nicht.

Steife Pferde brauchen Vertrauen:

Anja Beran, Klassik-Ausbilderin aus dem bayerischen Rudratsried, analysiert vor dem Beweglichkeitstraining zunächst die natürliche Schiefe des Pferds. In Berans Stall landen oft Berittpferde, die körperliche Wehwehchen oder durch Kraftreiterei das Vertrauen in den Menschen verloren haben. Sie verbinden Training mit Schmerzen. Solche Tiere wieder zu mobilisieren und das Vertrauen herzustellen, ist mühsam. „Sie müssen irgendwann verstehen, dass es ihnen nach der Arbeit besser geht“, sagt Anja Beran. Wie bei der Krankengymnastik helfen hier nur klitzekleine Schritte.

„Anfangs arbeiten wir mit solchen Pferden nur zehn Minuten. In der kurzen Zeit versuchen wir, die Pferde ganz individuell zu lockern, etwa durch ganz wenige Seitwärtsschritte“, sagt Anja Beran. Danach lobt sie sofort, lässt die Zügel lang und beendet als Belohnung die Trainingseinheit. „Irgendwann merken die Pferde, dass sie sich nach dem Training besser fühlen und beweglicher werden. So erhalten sie Schritt für Schritt Vertrauen und Motivation zurück“, sagt Beran.

Video: Strechting für Pferde - Dr. Clayton

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Fotostrecke: Lösungsarbeit: So reiten Sie Ihr Pferd locker

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CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald

Fotostrecke: Fotokurs: Dressurrreiten mit Schwung

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Schwung - Reiten Beispiel 1.1 Foto: Rädlein
Schwung - Reiten Beispiel 1.2 Foto: Rädlein
Schwung - Reiten Beispiel 1.3 Foto: Rädlein

25.08.2012
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe 12/2011