Video-Coach: Sitz-Tipps für Reiter – Weniger Spannung auf Warmblüter

Trainings-Tipps: Das hilft beiden

Ergebnis der Sitz-Analyse: Diese Profi-Tipps von Sitz-Expertin Susanne von Dietze kann Karin Kimmel in ihrem Training mit Tofino einbauen.

 

CAVALLO Video Coach Susanne von Dietze
Foto: Rädlein Karin Kimmel auf Tofino.

Schritt:
Im Schritt wirkt der Sitz der Reiterin losgelassen, aber passiv. Der Blick muss nach vorne gerichtet sein. Karin Kimmel sollte versuchen, ihr Becken im Sattel so zu stellen, dass sie beide Gesäßknochen gleichmäßig belastet. Beide Schenkel sollten gleichmäßig vorwärts treiben.

Tipp:
Im Schritt ohne Bügel sich auf eine gleichmäßige Belastung beider Gesäßknochen achten. Die Augen dabei für einige Schritte zu schließen kann die Wahrnehmung verbessern. Oder: Mit beiden Händen am Mähnenkamm abstützen und den Rücken leicht runden. So spürt die Reiterin vermehrt ihr Gewicht auf den hinteren Enden der Gesäßknochen. Dabei wird der untere Rücken gedehnt und sie kann fühlen, wie ihre Hüften dann vermehrt vom Pferd bewegt werden. Wichtig ist, dabei nicht mit den Oberschenkel oder Knien zu klemmen. Um das zu vermeiden kann die Reiterin während der Übung auch die Knie abwechselnd rhythmisch anheben. Mit dem verbesserten Gefühl sich dann wieder senkrecht hinsetzen und versuchen, das Gewicht dort hinten zu behalten während man sich im Brustkorb nach vorne oben streckt.

 

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Foto: Rädlein Karin Kimmel beim Leichttraben.

Leichttraben:
Beim Leichttraben fällt positiv auf, dass sich das Pferd immer wieder an die Hand der Reiterin heran dehnt und immer wieder zufrieden die Anlehnung sucht. Die „Grundharmonie“ zwischen den beiden stimmt. Doch die Balance der Reiterin wirkt immer wieder gestört. Beim Hinsetzen erkennt man eine Unsicherheit im Takt, es sieht aus, als ob sich die Reiterin beinahe schnell 2x hinsetzt.

Tipp:
Mitzählen beim Leichttraben, um den Takt zu verdeutlichen. Auch Leichter Sitz im Leichttraben mit dem Oberkörper nach vorn gerichtet kann helfen, den Takt besser zu fühlen, und ein sichereres Gefühl für den Gleichgewichtspunkt für sich selbst zu erarbeiten. Auf–Auf-Sitz (2x aufstehen, einmal hinsetzen) ist eine gute Übung und ein Test für Takt und Balance im Leichttaben. Kopf und Oberkörper mal nach innen und aussen zu drehen kann helfen, dort Spannung abzubauen, und wirkt dem „Runterschauen“ entgegen.

 

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Foto: Rädlein Karin Kimmel beim Aussitzten auf Tofino.

Aussitzen:
Die Reiterin sitzt rechts mehr ein als links. Ihre linke Seite belastet sie damit weniger. Sie kommt aus der Balance. Dadurch knickt die Reiterin dann auch in der linken inneren Hüfte ein und das Pferd kann sich links dann schlechter biegen. Im Aussitzen wird schon deutlich, dass es im Oberkörper an Stabilität mangelt. Die Reiterin macht es aber mit viel Gefühl und sehr geschickt, dass sie es stets in kurzen Reprisen macht, und immer wieder leichttrabt, bevor sie das Pferd stört!

Tipp:
Sich die Bewegung des Pferderückens im Trab mental vorstellen und sich ihr anpassen. Dabei sollte die Bauchmuskulatur vermehrt anspannen, die Gesäßmuskulatur aber möglichst offen bleiben. Auch hier kann ein Riemchen am Sattel helfen, zunächst die notwendige Stabilität auf zubauen, bis sie dann sicher loslassen kann, ohne in ihr Muster (Beine halten fest) zurückzufallen.

 

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Foto: Rädlein Karin Kimmel auf Tofino im Galopp.

Galopp:
Im Galopp benötigt der Reiter mehr Mobilität in den Hüften und der Lendenwirbelsäule. Die Reiterin fixiert jedoch mit den Oberschenkeln und Knien und bewegt dann ihre Schultern rückwärts und die Beine vorwärts. Diese „Schaukelbewegung“ belastet ihren Rücken und sie kann nicht korrekt treibend auf das Pferd einwirken. In den Übergängen und Wendungen muss sie erneut aufpassen, da sie wieder vemehrt nach rechts (außen) rutscht. Positiv ist zu vermerken, dass sie die Übergänge aus – und in das Leichttraben reitet, und somit ihr Pferd nicht im Rücken gestört wird!

Tipp:
Nicht der Reiter, sondern das Pferd soll sich im Galopp „schaukelnd“ bewegen. Tipp: Ein Riemchen vorne am Sattel mitgreifen und versuchen, es ganz gleichmäßig leicht nach oben zu spannen. Wichtig ist, dass der Zug während Lande- und Sprungphase möglichst gleich bleibt. Das aktiviert die Bauchmuskulatur und verhindert das nach Hinten schaukeln des Schultergürtels. Eine Hand in die innere Hüfte einstützen und fühlen, wie man diese in der Landephase vorschiebt, dabei ist es wichtig, sich nicht mit den Schultern nach hinten zu bewegen.
Übergänge zwischem Leichten Sitz und Dressursitz können helfen, das Gefühl für die Oberkörperstellung und –balance zu verbessern.

Fazit:
Pferd und Reiterin passen gut zusammen, auch wenn er ein „großes Schiff“ ist. Das Pferd ist sehr willig und sie ist stets mit viel Gefühl bemüht ihn nicht zu stören. Je besser das Gleichgewicht der Reiterin, je aktiver ihre Aufrichtung und Stablilität, desto weniger Spannung wird sie reflektorisch im Schultergürtel aufbauen. Öfters mal die „Augen schweifen lassen“ und auch den Kopf drehen kann für ihre Oberköperbalance hilfreich sein. Regelmäßiges Reiten ohne Bügel wird ihr helfen auch die linke Seite besser zu belasten und besser zentriert im Pferd zu sitzen.

Wenn sie das Pferd gemeinsam mit ihrer Partnerin reitet, so sollten sie sich mal die Zeit nehmen, sich gegenseitig zu longieren. Dann kann man sich ganz auf den eigenen Körper konzentrieren und hat mehr Zeit die Pferdebewegung zu erfühlen. Gerade das Aussitzen und das Mitgehen im Galopp kann so besser erarbeitet werden. Nur sollte darauf geachtet werden, dass der Zirkel nicht zu klein ist, sonst rutscht der Reiter zu leicht nach außen.

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21.02.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 12/2011