Video-Coach: Sitz-Tipps für Reiter – Weniger treiben bringt mehr

Trainings-Tipps: Das hilft beiden

Diese Experten-Tipps von Susanne von Dietze kann die Reiterin Friederike Erust in ihr tägliches Training mit Haflinger Nobody einbauen.

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CAVALLO Video Coach Susanne von Dietze
Foto: Maier Friederike Erust auf Nobody im Schritt.

Schritt:
Die Reiterin hat die Gewohnheit, ihre Steigbügel unter der Fußspitze zu halten.Ihre rechte Handhaltung ist besser als ihre linke. Asymmetrien in der Arm- und Handhaltung haben ihre Ursache meist in Asymmetrien im Rumpf, und der gleichmäßigen Gewichtsverteilung auf den Gesäßknochen. Dies sollte sie (vorzugsweise ohne Bügel) immer wieder überprüfen. Der Blick von Friederike Erust geht leicht nach unten. Sie sollte aber über das Pferd schauen.

Tipp:
Weniger ist mehr, wenn die Schenkelhilfen dauernd beim Pferd anklopfen, nimmt es sie nicht mehr wahr und reagiert nicht mehr. Mehr fühlen als einwirken wollen und lieber einmal mit Hilfe der Gerte den Fleiß erhalten, als oft mit den Schenkeln anklopfen.

 

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Foto: Maier Friederike Erust auf Nobody beim Leichttraben.

Leichttraben:
Das Foto zeigt die Reiterin in der Phase des höchsten Aufstehens im Leichttraben. Es fällt auf, dass sie sehr gerade und senkrecht im Oberkörper bleibt, dabei den Absatz sehr tief nach unten durchtritt. Dadurch wird ihr Unterschenkel leicht nach vorne geschoben und ihre Balance ist minimal hinter der Bewegung des Pferdes. Ihr erwähntes Problem der unruhigen Unterschenkel kann damit zusammenhängen.

Tipp:
Über das Reiten im Leichten Sitz lassen sich unruhige Unterschenkel besser kontrollieren. Dann beim Leichttraben immer wieder mal einen Fußwechsel über 2xStehen (nicht wie gewohnt 2xSitzen) einfügen, dies überprüft die Oberkörperbalance und verdeutlicht, wenn man hinter der Bewegung ist. An der Haltung von Armen und Beinen kann man erst arbeiten, wenn der Oberkörper sicher im Gleichgewicht ist. Während man an seinem eigenen Gleichgewicht arbeitet, ist es schwer, gleichzeitig mit treibenden Hilfen zu arbeiten. Dafür kann man sie später aber viel feiner und dosierter mit mehr Erfolg einsetzen.

 

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Foto: Maier Friederike Erust beim Aussitzen auf Nobody.

Aussitzen:
Auch hier beim Aussitzen ist der Blick von Friederike Erust eher nach unten geneigt. Das kann auch dazu führen, dass der Reiter beim Mitschwingen hinter die Bewegung gerät. Die Unterschenkel könnten etwas entspannter am Pferd anliegen - keine Klemmen aus dem Knie herauszulassen. Die Hände muss die Reiterin weniger verdeckt halten und über den Pferdehals stellen. Handschuhe sind zu empfehlen, damit sich die Reiterin nicht verletzt. Zu dicke Zügel vermeiden, denn die Reiterin kann dadurch die Hand nicht richtig schließen.

Tipp:
Dünne Handschuhe (das Fühlen ist reine Gewohnheit!) und eine kurze Gerte auf den Händen (zwischen Daumen und Zeigefingern) tragen. Dadurch werden die Hände aufrecht aufgestellt, und die Verbindung der beiden Hände über die Gerte kann auch die asymmetrische linke Handhaltung verdeutlichen und korrigieren. Plus: Ohne Bügel rhythmisch im Trab ein wenig mit dem Becken nach rechts und links rutschen, das hilft die Hüften besser loszulassen und schult das Gefühl für die Mitte und die gleichmäßige Belastung der Gesäßknochen.

 

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Foto: Maier Friederike Erust auf Nobody im Galopp.

Galopp:
Im Linksgalopp fällt im Oberkörper der Reiterin eine leichte Vorneigung auf, erneut kann man die leicht verkantete linke Hand erkennen. Diese Handstellung kann auch das ganz leichte „hinter der Senkrechten“ gehen des Pferdes erklären, da die Hand so in der Landephase nicht genügend elastisch mit nach Vorne federn kann.

Tipp:
Die Reiterin muss ihr Zusammenspiel der treibenden Hilfen neu erarbeiten. Es sieht so aus, als ob für sie „Treiben“ primär mit als Arbeit der Unterschenkel ausgeführt wird. Dabei beginnt der Kreis der Hilfengebung immer mit der Gewichtshilfe. Den Oberkörper strecken, positive dynamische Spannung aufbauen ist wichtiger, als die Beine zu machen! Wie sonst könnten behinderte Reiter ohne Beine ihre Pferde auch auf hohem Niveau reiten (Beispiel Dr. Angelika Trabert, Weltmeisterin Kür Grade 2).

Schenkel-Tipp: Bügel weg, und ruhig die Schenkel rhythmisch bewegen. Die Übung „Fahrradfahren“ bei der man im Takt der Pferdebewegung rhythmisch die Knie abwechselnd anhebt hilft, sicher im Gleichgewicht zu sitzen (nicht nach rechts zu rutschen!) und da die Beine sich bewegen, kann man die Hüfte nicht feststellen und benötigt automatisch mehr Bauchmuskulatur. Über das rhythmische Auf und Ab bekommt dann die Schenkelhilfe auch ein besseres Timing und kann später dosierter eingesetzt werden.

 

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Foto: Maier Haflinger Nobody hat viele Talente!

Horsemanship:
Diese Bilder wie diese zeigen von das Vertrauen und die guten „Zusammenarbeit“ der beiden. Wer sich vom Boden mit seinem Pferd beschäftigt, kann dieses Vertrauen auch mit auf das Pferd nehmen. Horsemanship gehört auch dazu! Und macht Spaß!

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Inhaltsverzeichnis

21.02.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 05/2012