Besser reiten mit Horsemanship – Profi-Tipps von Andrea Bethge und Ralf Heil

Gymnastik macht Pferde glücklich

Wer ein perfektes Reitpferd will, sollte es nach den Grundsätzen von Natural Horsemanship und Klassischer Dressur ausbilden.

 

CAVALLO Dressur Horsemanship Andrea Bethge Ralf Heil
Foto: Lisa Rädlein So kommt ein Pferd auf die Hinterhand: Hält sich der Mensch betont aufrecht, hilft er dem Pferd am Boden und unterm Sattel, die Vorhand anzuheben.

Sport macht Spaß. Wer sich regelmäßig körperlich anstrengt, fühlt sich nicht nur besser. Mit einem starken, beweglichen Körper und gut koordinierten Bewegungen lassen sich auch körperliche Herausforderungen leichter meistern. Kaum überraschend, dass dies alles auch für Pferde gilt.

„Pferde wollen nicht nur mental und emotional gefordert und gefördert werden, sondern auch körperlich“, betont Parelli-Trainer Ralf Heil. „Dafür bietet die klassische, deutsche Dressur, wie sie auch Andrea Bethge nutzt, unendlich viele tolle Übungen, Ideen und Ansätze.“ Sie lassen sich perfekt mit den Ideen des Horsemanships verbinden. Nur nicht mit ihrer heute vielerorts üblichen Perversion. „Wer Pferde mit Druck an die anstehende Hand reitet, macht sie kaputt – mental, emotional und körperlich“, sagt Andrea Bethge. Das ist mit echtem Horsemanship nicht vereinbar.

Locker durch Seitwärts Gute Gymnastik nützt jedem Pferd, auch einem „parellisierten“, wie Ralf Heil es augenzwinkernd nennt. Etwa korrektes Seitwärts: „Übertreten und Schenkelweichen haben viele tolle Effekte: Kruppe, Lende und Schultern werden gelockert, die Bauchmuskeln müssen mehr arbeiten. Und das Pferd lernt, die Beinbewegungen besser zu koordinieren, was Raumgriff fördert“, zählt Andrea Bethge den Nutzen der Seitwärtsbewegungen auf. Die Übungen lösen und stärken gleichzeitig. „Außerdem werden Pferde umso schlauer, je komplexere Bewegungen sie beherrschen“, hat die Ausbilderin beobachtet. Dabei sollte der Reiter so feine Hilfen geben wie möglich. „Je selbstständiger Pferde die Übungen absolvieren, umso besser sind die Effekte.“

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Foto: Lisa Rädlein Seitwärts macht locker und stark: Wallach Ernie tritt mit der Hinterhand über und biegt sich dabei.

Kraft für den Motor Alle Lektionen fallen Pferden leichter, wenn sie genug Kraft in der Hinterhand haben. Deshalb sollte man ins Training auch Übungen für die Muskeln der Kehrseite einbauen. „Viele Übergänge in den Galopp lassen Muskeln an Hinterhand und Bauch schneller wachsen“, sagt Andrea Bethge.

„Wenn der Mensch dabei bewusst eine aufrechte Körperhaltung einnimmt, springt auch das Pferd stärker nach oben und nimmt mehr Last mit der Hinterhand auf“, ergänzt Ralf Heil. Dieselbe Technik hilft auch im Sattel: „Aufrichten ohne ins Hohlkreuz zu kommen und nach oben denken – das bringt Pferde viel besser auf die Hinterhand, als wenn man sie langsam macht“, sagt Andrea Bethge.


01.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 06 / 2015/2015