Dressurreiten: Selbst Reit-Profis haben Probleme beim Aussitzen

Aussitzen meint nicht sitzen bleiben

Aussitzen fällt Reitern schwer: Selbst Dressur-Profis klammern sich im Trab auf verspannten Pferderücken fest, anstatt weich mitzuschwingen. Warum Aussitzen für Reiter so schwer ist, erklärt Sitzexpertin und Buchautorin Susanne von Dietze.

 

CAVALLO Aussitzen Dressur Dietze Standpunkt - Susanne von Dietze
Foto: Lisa Rädlein Susanne von Dietze ist Reitlehrerin und Buchautorin („Balance in der Bewegung“). Als Video-Coach hilft sie CAVALLO-Lesern, besser zu sitzen: www.cavallo.de

Aussitzen ist anspruchsvoll. Sogar viele Profireiter versagen dabei. Nicht nur beim Vereinsturnier in der Nachbarschaft hoppeln Teilnehmer ihren Pferden hart im Rücken herum, sondern auch bei hochkarätig besetzten Dressur-Events. Hier kaschiert der Dressurfrack einiges, es stellt sich trotzdem die Frage: Kann man diese Gangwunder einfach nicht sitzen oder könnte man die Pferde sitzen, wenn sie nicht brettfest wären?

Um das zu klären, muss man sich das Thema genau anschauen. Für erste Probleme sorgt schon das Wort „aussitzen“. Der Begriff‹ führt auf die falsche Fährte. Im WörterbuchŽ finden sich folgende Bedeutungen:
1. beim Trab fest im Sattel bleiben
2. standfest Probleme durch Abwarten überstehen
3. Kleidungsstücke oder Sitzplätze durch zu langes Benützen ausbeulen

Alle drei Definitionen passen nicht wirklich zu dem, was bei einem guten Aussitzen tatsächlich passiert. Worte wie „fest“ und „überstehen“ helfen nicht dabei, Verständnis für die geforderte fein-elastische Bewegung des Mitschwingens zu wecken.

Dabei ist ein grundlegendes Verständnis für korrektes Aussitzen unverzichtbar. Heute müssen deutsche Reiter in fast allen Dressurprüfungen auf dem Turnier im Trab aussitzen. Das wäre aus meiner Sicht nicht zwingend nötig und macht unerfahreneren Turnierreitern das Leben schwer. Dressur gelingt auch im Leichttraben!

Das zeigt ein Film aus dem Jahr 1932, in dem der Sieger einer olympischen Dressurprüfung im starken Trab leichttrabt. In den USA ist das rhythmische Auf und Ab auch heute noch in Dressuren auf A-Niveau für alle Reiter erlaubt. Viele gute Profis reiten im Training nicht nur Verstärkungen, sondern alle Lektionen inklusive Seitengänge und Übergänge im Leichttraben.

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11.06.2013
Autor: Susanne von Dietze
© CAVALLO
Ausgabe 08/2012