Harmonie-Lehre: Wenn sich Pferd und Reiter vertrauen

Harmonie von Pferd und Reiter

CAVALLO Pferd Vertrauen
Foto: Lisa Rädlein
Wenn Reiter und Pferd harmonieren, ist im Sattel alles möglich. Harmonie lässt sich trainieren. Versuchen Sie es - mit den CAVALLO Trainings-Tipps!

Wer sich nach Harmonie mit dem Pferd sehnt, ist im Sattel angekommen. „Alle anderen sollten die Reiterei sein lassen“, findet die sportpsychologische Expertin Dr. Inga Wolframm. Das finden wir auch. Mit dem nunmehr 200. Heft begleiten wir unsere Leser auf dem Weg zum harmonischen Reiten.

Im Top-Thema finden Sie Highlights, die Mensch und Pferd noch stärker zusammenschweißen – vom Anti-Schreck-Training für gute Nerven, übers richtige Loben bis zur Vernetzung der Gehirnhälften für schiefe Pferde. Erfahrene Ausbilder geben Tipps, wie Sie durch geschicktes Training mit Ihrem Pferd zum Dreamteam werden. Wie gut Sie und Ihr Pferd bereits zusammenpassen, finden Sie im exklusiven Harmonie-Test heraus. Dazu gibt‘s Erste Hilfe für 10 Situationen, in denen Reiter oft an ihrem Pferd verzweifeln. So enden kleine Unstimmigkeiten, mit denen selbst das beste Team mal zu kämpfen hat, in schönstem Einklang.

Doch was bedeutet Harmonie überhaupt? Welche Rolle spielt die Persönlichkeit von Pferd und Reiter. Oder entscheiden vor allem die reiterliche Fertigkeiten, ob Mensch und Pferd wirklich gute Freunde sind? Spannende Erkenntnisse bringt die neue Studie zur Beziehung zwischen Reitern und Pferden, die Dr. Inga Wolframm von der Fachhochschule Van Hall Larenstein in Wageningen/Niederlande verfasst hat.

Harmonie ist ein klares Konzept

Harmonie bedeutet, dass man mit seinem Pferd übereinstimmt. Dieser Einklang lässt sich erarbeiten, ohne dass Sie unter Leistungsdruck stehen oder sportliche Höchstleistungen bringen müssen. „Es gibt unzählige Freizeitreiter, von denen sich so mancher Profi auf dem Gebiet der gefühlvollen Einwirkung noch eine Scheibe abschneiden könnte“, meint Inga Wolframm. „Harmonie ist ein klares Konzept, dem jeder Reiter unabhängig von Niveau oder Disziplin nachstreben kann und sollte.“

Das Konzept für harmonisches Reiten hat zwei zentrale Pfeiler: Voraussetzung ist ein Reiter, der genau weiß, welche Hilfen er zu welchem Zeitpunkt anwenden muss. Nur so hat er eine Chance, mit seinem Pferd zu kommunizieren. Dieses theoretische Wissen gilt es in den Sattel umzusetzen. Inga Wolframm: „Wer harmonisch reiten möchte, braucht Feinmotorik, Gleichgewichtsgefühl und Reaktionsschnelligkeit.“ Das lässt sich üben.

Der zweite Pfeiler fürs Harmonie-Konzept ist die Ausbildung des Pferds: „Harmonie klappt am besten, wenn ein Pferd von Anfang an korrekt ausgebildet wurde, sich im körperlichen und seelischen Gleichgewicht befindet“, sagt Anja Beran vom Ausbildungszentrum für klassische Reitkunst im bayerischen Bidingen. „Mit einem gut trainierten und zufriedenen Partner findet man immer zusammen, es sei denn, dass Reiter und Pferd charakterlich so gar nicht kompatibel sind”, weiß die Ausbilderin und rät: „Im Zweifel muss man sich dann voneinander trennen.“ Dieser Weg ist nur selten nötig. Harmonie ist Fleißarbeit: am Training des Pferds, aber auch an sich selbst.

Hier beginnt der Unterschied zwischen Reitern, die sich mit Leib und Seele der Suche nach harmonischem Reiten verschrieben haben und denen, die auf einem Pferd Platz nehmen wie auf einem Sportgerät. „Harmonie beim Reiten ist zuallererst Selbstreflexion: Wer bin ich, wie verhalte ich mich und wie kennzeichnet meine Persönlichkeit die Beziehung zu meinem Pferd?“, erklärt Dr. Inga Wolframm.

In ihrer neuesten Studie befragte sie genau 2525 Reiterinnen, wie diese die eigene und die Persönlichkeit ihres Pferds einstuften. Ziel war es herauszufinden, ob und welche Schlüsse man daraus für die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ziehen kann. Anregung für ihre Forschung fand die sportpsychologische Expertin unter anderem im „Gesetz der Anziehung“, welches der amerikanische Professor Donn Byrne Anfang der 1970er-Jahre entwickelte. Es besagt, dass Menschen, die ähnliche Werte, Normen und Einstellungen haben, sich eher zueinander hingezogen fühlen als die, die sich unterscheiden.

Der Grund ist klar. Wer sich mit Menschen umgibt, die eigene Einstellungen und Vorlieben widerspiegeln, findet sich selbst bestätigt. Das braucht jeder Mensch. „Das wird auch für die Beziehung zwischen Mensch und Pferd gelten, obwohl es sich um ganz verschiedene Wesen handelt“, dachte sich Wolframm. Tatsächlich zeigt ihre Studie, dass beim Reiten das Gesetz der Anziehung und das Prinzip der Komplementarität eine wichtige Rolle spielen. Darunter versteht man die Zusammengehörigkeit scheinbar widersprüchlicher Eigenschaften, die gemeinsam Sinn ergeben.

Fotostrecke: Pferde-Ausbildung: Schneller lernen durch gute Stimmung

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CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
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CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
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07.05.2016
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 12/2012